Vom Gesprächskreis bis zum Frauenstadtspaziergang
Feministische Visionen quer denken
Thema der Veranstaltung war eine Standortbestimmung von feministischer Arbeit mit Blickrichtung Zukunft: Wie sieht "frauenspezifische" Arbeit heute aus? Welche aktuellen feministischen Theorien bilden den Kontext für diese Arbeit? Braucht es heute autonome Frauenräume und warum? Diese und viele weitere Fragen wurden in Form mehrerer Vorträge und Diskussionen im Rahmen der Veranstaltung bearbeitet.
Claudia Neusüß beispielsweise sprach über nationale und internationale Frauenbewegungen und ihre Gleichstellungs-Praxen. Als Beispiel für eine Praxis zwischen feministischen Zielen und pragmatischer Umsetzung stellte sie die Berliner Frauengenossenschaft "WeiberWirtschaft" vor. Dieses Gründerinnenzentrum bündelt die Initiativkraft, die ökonomischen Potenziale und die Unternehmenslust von Frauen.
Das Frauenservice: Zwischen theoretischer Reflexion und praktischem Tun
Frauen- und Gleichstellungspolitik und Frauenforschung standen in den 1980er Jahren, als das Frauenservice Graz gegründet wurde, in engem Verhältnis zueinander. Damals war Genderforschung an den Universitäten noch kaum etabliert. Die Bereiche Wissenschaft, praktische und politische Arbeit haben sich seither auseinanderentwickelt. Für das Frauenservice ist die Verbindung zwischen theoretischer Reflexion und praktischem Handeln aber nach wie vor notwendig und sehr zentral.
So ist es zugleich Beratungseinrichtung von und für Frauen, als auch Forschungseinrichtung zu geschlechterpolitischen Themen und Bildungseinrichtung für alle Geschlechter.
Geschlechterpolitik und der Dialog der Geschlechter steht auch im Fokus der GenderWerkstätte. Sie besteht seit 2001 als eine Kooperation vom Frauenservice und dem Verein für Männer- und Geschlechterhemen in der Steiermark. Daraus entstanden ist auch der Lehrgang "gender: intersektional & divers. Relevante Kompetenzen für die Praxis.", der im Herbst 2015 angeboten wird.
Beratung von Frauen für Frauen
Der Verein Frauenservice Graz bietet kostenlos und vertraulich Beratung in folgenden Bereichen an:
- Rechtsberatung
- Psychologische Beratung
- Sozialberatung
- Arbeitsberatung
- Information und Beratung für Sexarbeiterinnen
- Interkulturelle Beratung für Frauen mit Migrationshintergrund
Die Beratung erfolgt - nach telefonischer Voranmeldung - in Form eines persönlichen Gesprächs. Für kurze oder dringende Fragen wird aber auch telefonische Beratung angeobten. Darüber hinaus stehen Sprechtage für Beratungen zur Verfügung, wozu keine Anmeldung erforderlich ist.
Frauenbildung einmal anders
Als Weiterbildungseinrichtung veranstaltet das Frauenservice Graz Seminare zu frauenpolitischen Themen, aber auch alternative Bildungsformate. Im Infocafé "palaver" etwa findet jeden Donnerstag eine offene Gesprächsrunde statt, eine Veranstaltung für Frauen, die gerne mit anderen Frauen - auch mit "native speakers" - ihre Deutschkenntnisse verbessern möchten.
Auch die seit 1991 veranstalteten Frauenstadtspaziergänge können als alternatives Bildungsformat bezeichnet werden. Damit will das Frauenservice Frauengeschichte vermitteln und akademisches Wissen "aus dem Elfenbeinturm" auf die Straße bringen. Studentinnen, Hausfrauen, Pensionistinnen usw. spazieren dabei durch die Stadt und besuchen verschiedene Orte. Dort eröffnen sich Einblicke in die Vergangenheit und in nicht-erzählte Frauengeschichte. Verschüttete Spuren werden dabei sichtbar gemacht.
Bibliothek und feministischer Denkraum
Ein wichtiges Angebot des Verein Frauenservice ist auch die Bibliothek mit einem Bestand von ca. 3.500 Büchern zu Bereichen wie Arbeit und Frauenerwerbsarbeit, Bildung, Frauenbewegung(en), Gewalt, Sexualität, Sprache, Kunst uvm. Die Bibliothek beinhaltet seit Anfang 2014 auch den Bestand des früheren Frauendokumentations- und Projektzentrums DOKU Graz - Literatur, die im Fachbereich "Bildung" verortet wurde.
Die Bibliothek des Frauenservice ist aber nicht nur eine Herberge für Bücher, sie dient auch als Veranstaltungsort und wird damit zum "feministischen Denkraum". Am Programm stehen etwa Vorträge und Diskussionen, Buchpräsentationen, Filmabende und Workshops.
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