BFI-Bildungsstatistik 2022 – Erwachsenenbildung im Wandel
Veränderte Rahmenbedingungen
Der Beginn des Jahres 2022 war noch von der Coronapandemie geprägt. Wegen der Ausbreitung der Omikronvariante und Empfehlungen der Bundesregierung wurden die Schutzmaßnahmen verschärft und erst im Frühjahr wieder gelockert. Die Bestimmungen betrafen den Büro- und Kursbetrieb gleichermaßen. Leider wurde die pandemische Entspannung durch den Überfall Russlands auf die Ukraine und die darauffolgende Welle an Vertriebenen gedämpft. Aufgrund der steigenden Energiepreise kam es zu einer massiven Teuerung, die alle Unternehmen und Haushalte bis heute belastet. Während sich Konjunktur und Arbeitsmarkt überraschend robust zeigten, führte das Auslaufen der Qualifizierungsoffensive der Bundesregierung im Sommer 2022 bei den Schulungspartnern des Arbeitsmarktservice (AMS) zu weniger Beauftragungen. Davon waren auch die BFIs betroffen.
Teilweise rückläufige Kennzahlen
Österreichweit boten die Berufsförderungsinstitute im Vorjahr 24.858 Bildungsveranstaltungen an, davon fanden 16.903 tatsächlich statt. Das entspricht einer Realisierungsquote von 68 %, die über dem langjährigen Durchschnitt von 63 % liegt. Bei den durchgeführten Kursen (-3) gab es praktisch keine Veränderung gegenüber dem Vorjahr. Damit wurde der Wert von vor der Coronapandemie übertroffen, beim Umfang der Bildungsaktivitäten und bei den Teilnehmer:innen wurde das hohe Vorkrisenniveau jedoch nicht erreicht. Die Teilnahmen gingen gegenüber dem Vorjahr um 2,8 % auf 152.251 zurück und das Gesamtvolumen der Bildungsleistungen nahm um 11,0 % ab. Das bedeutet zugleich, dass die Bildungsveranstaltungen im Schnitt weniger lang dauerten. Die Summe von 2.083.284 abgehaltenen Unterrichtseinheiten ist dennoch einzigartig in Österreich. Über 2 Mio. wurden noch von keiner anderen österreichischen Erwachsenenbildungseinrichtung erreicht (s. die jährlich erstellten KEBÖ-Statistiken).
Steigende Nachfrage nach Onlinekursen
Vom coronabedingt fallweise notwendigen Umstieg auf Homeoffice und vom Wechsel zwischen Präsenz- und Fernunterricht ist geblieben, dass viele Menschen an der digitalen Welt Gefallen gefunden haben und weiterhin solche Angebote nutzen wollen. Bei der digitalen Transformation hat die Pandemie zweifelsohne auch für die Erwachsenenbildung einen gewaltigen Entwicklungsschub gebracht und den Ausbau von E-Learning und Blended Learning beschleunigt. Trotz der massiven Einschränkungen konnte der Bildungsbetrieb an den BFIs so fast zur Gänze aufrechterhalten werden. "Man kann durchaus sagen, dass wir aus der Not eine Tugend gemacht haben und die Zeit für die interne Weiterbildung unserer Trainer:innen und technologische Neuerungen in unserem Bildungsangebot genutzt haben", stellt Michael Sturm, Geschäftsführer des BFI Österreich, rückblickend fest. Interaktive Online- und Selbstlernphasen sind längst fixer Bestandteil des Unterrichts. Zudem wurden im Vorjahr über 1.000 reine Onlinekurse angeboten, 681 wurden gebucht. Mittlerweile ist auf www.bfi.at sogar eine eigene österreichweite Suche nach Onlinekursen mit und ohne fixes Datum möglich.
Schwerpunkte des Bildungsangebots
Die Unterstützung bei der Vorbereitung auf schulische und berufliche Abschlüsse im zweiten Bildungsweg ist dem BFI seit jeher ein großes Anliegen. 2022 entfielen wie schon im Jahr davor 23 % aller Teilnahmen auf diesen Fachbereich. Gewachsen gegenüber 2021 ist hingegen der Sprachenbereich. Dessen Anteil ist um zwei Prozentpunkte auf 20 % gestiegen. Hauptursache war die große Nachfrage nach Deutschkursen für die aus der Ukraine Vertriebenen. "Mit fast 30.000 Teilnahmen und Angeboten in 21 verschiedenen Sprachen war das BFI jedenfalls wieder eine der größten Sprachenschulen des Landes", so Sturm. Den drittstärksten Teilnahmebereich (11 %) machten die vermittlungsunterstützenden Maßnahmen für das AMS aus. Während es hier zu einem deutlichen Rückgang kam (-3.166 Teilnahmen), legte der Fachbereich Technik/Ökologie/Sicherheit zu (+514). Beinahe gleich viele Teilnahmen verzeichnete der Fachbereich Gesundheit/Soziales/Wellness – ebenfalls ein Schwerpunkt des BFI-Bildungsangebots.
Mit Qualifizierung gegen Fachkräfteengpässe
Gegen den von der Wirtschaft beklagten Mangel an Arbeits- und Fachkräften kann etwas getan werden. Seit Jahrzehnten reichen die von den Betrieben angebotenen Lehrstellen nicht aus, um Jugendlichen eine duale Berufsausbildung zu ermöglichen. Unterstützung erhalten diese u. a. von den BFIs, die 2022 für die überbetriebliche Lehrausbildung 4.157 Ausbildungsplätze zur Verfügung stellten: Derzeit absolvieren 3,8 % der 108.085 Lehrlinge in Österreich ihre Berufsausbildung beim BFI – so viele wie in keinem anderen Unternehmen. Außerdem ist es nötig, das bestehende Arbeitskräftepotenzial optimal zu nutzen. Um den stark steigenden Bedarf im Bereich Photovoltaik, Automatisierungs- und Elektrotechnik, Mechatronik sowie Bautechnik zu decken, müssen oft nur Qualifikationslücken geschlossen werden. Daher entwickeln die BFIs ihre modularen Fachkräfteausbildungen ständig weiter und ergänzen sie durch Zusatzmodule und fachspezifische Fortbildungen. "Durch bedarfsorientierte Qualifizierungen und Upskilling der Beschäftigten gelingt es uns, die heimische Wirtschaft zukunftsfit zu machen und Engpässe in den Mangelberufen zu beseitigen", ist Sturm stolz auf die Leistungen der BFIs in den Bundesländern.
Über den Autor: Michael Sturm ist Geschäftsführer des Berufsförderungsinstituts Österreich. Er referiert und publiziert zu den Themen Erwachsenenbildung, Qualifizierung, Qualitätsentwicklung und Professionalisierung.
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