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Wie Klimaschutzbildung und Klimakommunikation gelingt

10.11.2022, Text: Lucia Paar, Redaktion/CONEDU
Den persönlichen Nutzen aufzeigen, Abstraktes greifbar machen und Falschmeldungen entgegentreten. Das identifizierten Expert*innen bei einer Tagung als Gelingensbedingungen.
  • Teilnehmer*innen der Tagung Foto: Alle Rechte vorbehalten, Klimabündnis Steiermark, auf erwachsenenbildung.at
    Die Fachtagung zum Thema Klimaschutzbildung und Klimakommunikation fand am 13. Oktober im Bildungshaus Schloss St. Martin in Graz statt.
  • Andrea Gössinger-Wieser, Klimaschutzkoordinatorin des Landes Steiermark Foto: Alle Rechte vorbehalten, Klimabündnis Steiermark, auf erwachsenenbildung.at
    Andrea Gössinger-Wieser, Klimaschutzkoordinatorin des Landes Steiermark, sprach sich für Klimaschutzbildung in allen Bildungsbereichen aus.
"Es ist wichtig, die Menschen auf unterschiedlichsten Ebenen zu erreichen – ohne Angst", so eröffnete Andrea Gössinger-Wieser, Klimaschutzkoordinatorin des Landes Steiermark, die Fachtagung "Ich tu’s– Wie zielgruppenspezifische Klimaschutzbildung und Klimakommunikation gelingen kann". Darüber diskutierten Expert*innen und Teilnehmer*innen der Tagung:

Mehrheit der Österreicher*innen will Klimaschutz

Bertram Barth vom Integral-Institut Wien zeigte anhand einer Studie aus 2021 auf, dass die Mehrheit der Österreicher*innen, nämlich 69%, sich wünscht, dass die Politik den Klimaschutz vor die wirtschaftlichen Interessen stellt. Vor allem junge Menschen von 16 bis 22 Jahren (83%), aber auch von 23 bis 29 Jahren (77%) sehen das so.

 

Warum geht der Klimaschutz dennoch so schleppend voran? Das Problem liege v.a. darin, dass der Konsens für die Lösungen fehlt, so Barth. Denn Unterschiede in Wert- und Grundhaltungen haben Einfluss darauf, welche Lösung wir anstreben, um Krisen zu bewältigen. Und diese Haltungen unterscheiden sich in der Gesellschaft voneinander.

Es braucht Antworten auf die Frage: Was bringt’s mir?

Barth gab Einblick in das Umweltbewusstsein und die Nachhaltigkeitsorientierung der Österreicher*innen anhand von Sinus-Milieus, um zu zeigen, wo es in Sachen Werte und Haltungen Gemeinsamkeiten gibt und an welcher Stelle Bildung demnach ansetzen kann.

 

Sinus-Milieus erfassen die Milieustruktur der österreichischen Gesellschaft durch wissenschaftliche Untersuchungen. Es handelt sich also um ein Modell, das Menschen zu Gruppen zusammenfasst, die sich in Lebenseinstellung und Lebensweise ähnlich sind.

 

Das Ergebnis: Klimaschutz gelingt dann, wenn Klimabildung für die sogenannte "pragmatische Mitte" der Gesellschaft Antworten auf die Frage "Was bringt’s mir?" gibt. Denn laut Ergebnis nach dem Sinus-Milieu-Modell hält diese Mitte nicht viel von Ideologie, sondern braucht einen klaren Nutzen. Selbst etwas für den Klimaschutz beizutragen, lehnen die Menschen nicht ab, aber es müsse gut begründet sein.

 

Was bedeutet das nun für die Klimaschutzbildung und -kommunikation? Es brauche klare und prägnante Argumentationen, eine ansprechende (Bild-)Sprache, eine überzeugende Darstellung der Vorteile von Veränderungen und Appelle an das persönliche Interesse, statt an abstrakte Ideologien, fasste Barth zusammen.

Bis der Luftballon platzt: Abstraktes greifbar machen

Verena Mischitz, Videojournalistin und Moderatorin für die Tageszeitung Der Standard, gab Antworten auf die Frage, was gute Klimakommunikation ausmacht. Dabei gehe es v.a. darum, die Fakten anschaulich zu erklären, damit die Inhalte auch hängen bleiben. Ein Luftballon, der sich immer mehr mit Luft füllt, bis er platzt, könne z.B. einfach zeigen, dass es zu Problemen kommt, wenn wir als Gesellschaft an die Grenzen des Wachstums stoßen.

 

Abstraktes muss laut Mischitz also greifbar gemacht werden, die wissenschaftlichen Erkenntnisse und das korrekte Erklären von Inhalten muss dabei aber die Grundlage der Kommunikation bleiben.

Falschmeldungen rund um Klimaschutz erkennen und entgegentreten

Wie auch zu anderen gesellschaftlich brisanten Themen, kursieren auch im Kontext der Klimakrise immer wieder Falschmeldungen. Journalistin und Buchautorin Ingrid Brodnig gab Tipps, wie man diese erkennen und darauf reagieren kann (siehe auch Dossier Kritische Medienkompetenz). Ein wiederkehrender Trick bei Falschmeldungen ist laut Brodnig z.B., dass eine Meldung wissenschaftlich klingt, Fachbegriffe aber falsch verwendet werden. Oftmals werden auch voreilige Schlüsse gezogen oder ein Teil der Meldung ist richtig, ein anderer falsch. Als Beispiel nannte sie, dass oft argumentiert werde, dass Pflanzen CO2 brauchen und es daher nicht notwendig sei, den CO2-Austoß zu reduzieren. Dass Pflanzen aber nicht unendlich viel CO2 aufnehmen können, werde ausgeblendet, so Brodning.

 

Was kann man nun in der Kommunikation dagegen tun? Zunächst solle man sich ein Bild darüber machen, wie sehr Leute von Fake-News überzeugt sind und ob man es mit einer heterogenen Gruppe zu tun hat. Denn der „harte“ Kern werde sich nicht überzeugen lassen, so Brodnig. Viele Menschen würden Falschmeldungen aber nur aus Verunsicherung Glauben schenken. Bei ihnen kann es sich lohnen, darauf zu reagieren. Und wie? Das Richtige betonen und nicht über das Falsche reden.

Bildung für den Klimaschutz: Handlungswissen anbieten und niemanden aufgeben

In der Podiumsdiskussion teilte Marianne Dobner, u.a. Mitgründerin und Trainerin im Verein "Hallo Klima!", ihre Erfahrungen aus der Bildungsarbeit. Hier gehe es v.a. darum, ein Problembewusstsein zu schaffen und Lösungswissen anzubieten. Zentral sei es demnach, Kompetenzen zu vermitteln, die dabei helfen, mit den Problemen des Klimawandels umzugehen.

 

Marion Wiesinger, u.a. Argumentationstrainerin und Politische Bildnerin, erzählte, dass sie gute Erfahrungen damit gemacht hat, wenn sie das Klimathema in der Bildung nicht isoliert behandelte. Es brauche einen Blick auf das gesellschaftliche System insgesamt, um zu verstehen, wie wichtig es ist, sich auch als Einzelne*r in der Gesellschaft einzusetzen. Weiters betonte sie, dass Bildungsakteur*innen auch jene Personen mit sehr extremen Positionen nicht aufgeben sollen. Jede*r Mensch habe verschiedene Charakter-Anteile und damit gebe es auch immer verschiedene Zugänge zu den Menschen.

"Ich tu’s"-Bildungspartner*innen ausgezeichnet

Nach fünf verschiedenen Workshops in Kleingruppen folgte am Ende der Veranstaltung die Verleihung der Zertifikate an neue "Ich tu’s"-Bildungspartner*innen. Das sind Akteur*innen aus der Erwachsenenbildung, die erfolgreich an der Initiative Klimaschutz in der Erwachsenenbildung teilgenommen und Angebote sowie Aktivitäten zum Klimaschutz umgesetzt haben.

 

Die Fachtagung war eine gemeinsame Veranstaltung vom Umweltbildungszentrum Steiermark, dem Klimabündnis Steiermark, ecoversum, beteiligung.st, hochschulberatung.at und dem Land Steiermark.

 

Serie zu Klima- und Umweltschutzbildung auf erwachsenenbildung.at

Hochwasser, Waldbrände, Hungersnot – Expert*innen der Klimaforschung warnen vor den Folgen extremer Wettereignisse durch den Klimawandel. Verschiedene politische Strategien wie etwa der UN-Aktionsplan Agenda 2030 versuchen, dieser Herausforderung zu begegnen. Dabei sehen sie auch Bildungsinstitutionen gefordert, Aufklärungsarbeit zu leisten, Diskurse zu ermöglichen und "grüne" Kompetenzen zu fördern. Wo setzt hier die Erwachsenenbildung an? In der Serie "Klima- und Umweltschutzbildung" versammeln wir Beiträge, die sich dieser Frage widmen und Antworten geben. 

Creative Commons License Dieser Text ist unter CC BY 4.0 International lizenziert.
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