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Supervision als Arbeitsfeld in der Erwachsenenbildung

23.08.2022, Text: Theresa Kaar, Redaktion: Ondrej Lastovka, Bundesinstitut für Erwachsenenbildung (bifeb)
Supervision ist in der Erwachsenenbildung schon lange verankert. Angesichts zunehmend komplexer gesellschaftlicher Herausforderungen gewinnen supervisorische Kompetenzen in der Erwachsenenbildung aktuell weiter an Bedeutung.
  • Seminarteilnehmer diskutiert in einem Seminar Foto: Alle Rechte vorbehalten, Theresa Kaar, bifeb, auf erwachsenenbildung.at
    Arbeitsform im Lehrgang Beraten.Coachen. Supervidieren.

Was ist Supervision und wie hat sie sich historisch entwickelt?

Heute versteht man unter Supervision eine empathische Beratungstätigkeit, die Einzelne, Gruppen und Teams in Organisationen in sozialer Selbstreflexion und Selbststeuerung sowie in der Wirksamkeit ihres professionellen Handelns unterstützt. Ihren Ursprung hat Supervision jedoch in Praxisberatung in der sozialen Arbeit. Als Supervisor/innen agierten damals üblicherweise Vorgesetzte, die professionelles Handeln mit Mitarbeitenden durchsprachen und sie zu bestimmtem Verhalten anleiteten.

 

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde Supervision zunehmend auch in anderen Kontexten durchgeführt und entwickelte sich langsam zu einer unabhängigen Profession mit eigenen Qualitätsstandards. Aus der an Einzelpersonen gerichteten Beratungsform entstanden in weiterer Folge Gruppen- und Teamsupervision. Die sogenannte Gruppensupervision richtet sich an Personen aus demselben oder ähnlichen Berufsfeld, die einander nicht kennen. Im gegenseitigen Erfahrungsaustausch werden Situationen und Erlebnisse aus dem Arbeitsleben reflektiert und bearbeitet. Ähnlich bei der Teamsupervision, bei welcher sich ein bestehendes Team in Supervision begibt. Hierbei können zusätzlich auch Themen, die das ganze Team betreffen sowie die Teamdynamik als solche besprochen bzw. bearbeitet werden.

 

Unabhängig davon, ob sich die Supervision an Einzelne, Gruppen oder Teams richtet, sind die supervisorischen Prozesse immer in dem organisationalen Kontext zu sehen, in den die betreffenden Personen oder Teams eingebunden sind und welcher auch häufig als Auftraggeber fungiert. Diese Erkenntnis ist noch relativ jung und stammt aus Einflüssen von Organisationspsychologie und -soziologie auf die Supervision. Eine arbeitende Person verrichtet ihre Tätigkeiten stets im Rahmen einer Rolle, die wiederum in einen organisationalen Kontext eingebunden ist. Strukturelle Hierarchien prägen Rollenverhalten und inneres Erleben der jeweiligen Person. Organisationsdynamik und -kultur sind damit relevante Einflussfaktoren, die in der Supervision mitberücksichtigt werden müssen.

Relevanz von Supervision in der Arbeitswelt von Erwachsenenbildner/innen

"Supervision hat als Fortbildungsform in der Erwachsenenbildung in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen", schrieb Beraterin und Coachin Elisabeth Fuchs-Brüninghoff bereits in den 1990er Jahren (siehe "Was kann Supervision der Erwachsenenbildung bieten?" – PDF). Lange schon ist die Erwachsenenbildung damit eines der Professionsfelder, in welchen Supervision stark verankert ist, mit zunehmend komplexen gesellschaftlichen Veränderungen wird dieser Bedarf in Zukunft weiter steigen.

 

Organisationen, Teams und Führungskräfte aus den unterschiedlichsten Bereichen sind in steigendem Maße mit komplexen und unsicheren beruflichen Situationen konfrontiert. So etwa Organisationsveränderungen, konflikthafte Arbeitssituationen, die Notwendigkeit, sich in Veränderungsphasen und Krisen Orientierung zu verschaffen und Entscheidungen zu treffen. Dies betrifft insbesondere auch die Erwachsenenbildung auf zwei Ebenen.

 

Zum einen werden Erwachsenenbildner/innen selbst, z.B. durch prekäre Arbeitssituationen oder zuletzt durch Corona-Pandemie und Digitalisierung mit Zeiten schlechter Planbarkeit, immer wieder aufs Neue vor berufliche Herausforderungen gestellt.

Zum anderen arbeiten sie selbst mit Lernenden in einem Feld, dem die Themen "Umbruch" und "Neuorientierung" innewohnen. Prozessorientiert beraten und supervidieren zu können sind daher spezifische professionelle Kompetenzen, die in der Erwachsenenbildung auf vielfältige Weise hilfreich sind, sei es in der Bildungs- und Berufsberatung oder im Training, wenn sich Lernende beruflich neu orientieren oder persönlich weiterentwickeln.

 

Schlüssel für die Bewältigung solcher Situationen ist Reflexion. Professionelle, prozessorientierte Beratung im Allgemeinen und Supervision im Besonderen schaffen Menschen Zeit und Raum, ihren beruflichen Alltag situationsbezogen zu reflektieren. Klient/innen von Supervision werden dabei unterstützt, ihre eigene Rolle zu finden, Handlungsalternativen zu entwickeln und mit Überlastung umzugehen, wenn sich das Umfeld wandelt. Dies hilft nicht nur dabei, mit den eigenen emotionalen Reaktionen in Bezug auf gemachte arbeitsweltliche Erfahrungen umzugehen, sondern sich schließlich auch in der eigenen beruflichen Rolle weiterzuentwickeln.

Wie wird man Supervisor/in?

Die Lehrgänge Prozessorientiert Beraten am Bundesinstitut für Erwachsenenbildung (bifeb) bilden genau dafür aus. Die aufeinander aufbauenden Lehrgänge richten sich an interessierte Personen mit mind. drei Jahren Berufspraxis, die in Organisationen als interne Beratende, als Verantwortliche und als Führungskräfte tätig sind sowie an Personen, die ihre Beratungskompetenz als extern Beratende aufbauen und vertiefen wollen. Die Weiterbildungen sind berufsbegleitend und erstrecken sich über insgesamt drei Jahre.

 

Beraterische Grundlagen werden dabei im Lehrgang Prozessorientiert Beraten vermittelt, der dazu qualifiziert, im eigenen beruflichen Feld und in der eigenen beruflichen Rolle professionell und prozessorientiert beraten zu können. Die Kompetenzen für eine solche Beratung bilden die Basis für die darauf aufbauende Weiterbildung als Supervisor/in und Coach/in.

 

Diese grundlegende Beratungsausbildung wird im Lehrgang Beraten. Coachen. Supervidieren. mit der Qualifizierung zum/zur Supervisor/in und Coach/in fortgeführt. Sie befähigt dazu, Klient/innen aus unterschiedlichsten beruflichen Feldern und in den verschiedensten Settings (Einzelne, Gruppen und Teams) zu supervidieren und zu coachen. Bei Vorbildung bzw. einschlägiger Berufserfahrung ist auch ein Direkteinstieg in den Lehrgang Beraten. Coachen. Supervidieren. möglich, ohne zuvor den Lehrgang Prozessorientiert Beraten besucht zu haben.

 

Für den Beginn des nächsten Lehrgangs Prozessorientiert Beraten ab 22. September 2022 ist es noch möglich, sich bis zum 1. September zu bewerben. Bewerbungsfrist für den Lehrgang Beraten. Coachen. Supervidieren. ab Mitte Oktober 2023 ist der 25. September 2023.

 

Das bifeb bildet seit über 30 Jahren erfolgreich Supervisor/innen aus und für die Erwachsenenbildung fort. Der Abschluss des Lehrgangs Beraten. Coachen. Supervidieren. ist von der österreichischen Vereinigung für Supervision und Coaching (ÖVS) anerkannt und qualifiziert für die professionelle Ausübung von Supervision und Coaching.

Die wichtigsten Informationen zum Lehrgang

  • Zeitraum: Stufe 1 von 22. bis 24. September 2022; Stufe 2 von 16. bis 20. September 2023
  • Dauer: 1-3 Jahre, berufsbegleitend
  • Datum: 22. September 2022 bis 7. Juli 2023 (Stufe 1) bzw. bis 4. Juli 2025 (Stufe 2)
  • Bewerbungsfrist: Für Stufe 1 bzw. den gesamten Lehrgang am 1. September 2022; für Stufe 2 am 25. September 2023
  • Ausbildungsleitung: Theresa Kaar, BSc MSc

 

Über die Autorin: Theresa Kaar, BSc MSc, ist Psychologin und als wissenschaftlich-pädagogische Mitarbeiterin am bifeb für den Programmbereich Bildung und Beratung verantwortlich.

Dieser Text ist nicht lizenziert, die Rechte liegen beim Urheber / bei der Urheberin. Er darf ohne Erlaubnis zur Verwertung nicht verwendet werden.
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