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Let‘s talk about Young Adult Education

21.06.2022, Text: Michael Kienreich, Redaktion: Wilfried Frei und Lucia Paar, Redaktion/CONEDU
Ein fiktives Interview über junge Menschen in der Erwachsenenbildung.
  • Drei junge Menschen mit Büchern Foto: Pexels Lizenz, Tima Miroshnichenko, https://pexels.com
    "Für die Jugend. Mit der Jugend. Mit Ideen von der Jugend": Das Motto des Europäischen Jahres der Jugend.
2022 ist das Europäische Jahr der Jugend (dem sich auch EPALE eigens widmet) und somit, nach zwei Jahren Corona-Pandemie, einer besonders von den damit verbundenen Herausforderungen betroffenen Bevölkerungsgruppe gewidmet. Michael, Masterstudierender für Erwachsenenbildung/Weiterbildung in Graz/Österreich, hat nachgeforscht: Wo findet man die 15- bis 24-Jährigen in der Erwachsenenbildung? Was beschäftigt sie, und wie sehen die bildungspolitischen Prioritäten aus? Antworten dazu fanden sich in Datenbanken, Studien und politischen Programmen aus Österreich und darüber hinaus.

 

Um die verschiedenen Perspektiven zusammenzuführen, entstand die Idee, drei „Kunstpersonen“ zu einem ausführlichen Interview einzuladen. Die fiktiven Gesprächspartner*innen sind: Generation Z, Erwin*a Erwachsenenbildung und Poldi* Politik. Im Beitrag verlinkte Quellen führen jeweils zum Ursprung der Informationen, denn: Auch wenn einige Aussagen mit einem jugendlich-frechen Augenzwinkern formuliert wurden, beruhen sie auf nachvollziehbaren Daten.

Michael: Liebe Generation Z: Sie sprechen hier vor allem für die 15- bis 24-Jährigen – es ist ein wenig still geworden um sie. Wie geht es Ihnen nach zwei Jahren Corona mit der Bildung – und ganz allgemein?

Generation Z: Also meine Generation ist ja sehr divers, dementsprechend lässt sich das nicht generalisiert sagen. Aber wir brauchen für unsere Entwicklung nicht nur gutes Internet, sondern auch Frischluft und Kontakte ;-). Trotz mancher Vorteile hat das Online-Lernen leider auch Teile meiner Generation abgehängt oder ihnen den Bildungszugang überhaupt verunmöglicht. Und dann ist da noch die Arbeitslosigkeit, die bei uns Jungen ohnehin regelmäßig fast doppelt so hoch ist wie die Gesamtarbeitslosigkeit. 2020 sind dann nochmals um 44% mehr Junge arbeitslos (PDF) geworden, was deutlich über dem Anstieg bei Älteren liegt. Gleichzeitig sind auch die Bildungsberatungen an den Berufsinformationszentren in Verbindung mit den Covid-bedingten Auflagen gegenüber 2019 um 60% zurückgegangen. Ich habe oft das Gefühl, wir werden zunehmend gedisst.

Michael: Ist Bildung für Sie eine Antwort darauf?

Generation Z: Der Radiosender Ö3 hat herausgefunden (PDF), dass fast zwei Drittel von uns der Meinung sind, beim Zukunftsthema Bildung seien wir in Österreich schlecht unterwegs. Außerdem ist es ja nicht nur die Coronakrise, die unsere Leben beeinflusst. Auch Klimakrise, Wirtschaftskrise, Flüchtlingskrise, Regierungskrisen und aktuell der Krieg in der Ukraine haben sich im Laufe meines jungen Lebens aufgetürmt. Da positiv zu bleiben ist schwierig!

Michael: Nun ja, da scheint einiges zu tun für Sie, liebe*r Poldi* Politik!?

Poldi* Politik: Also wir sind da ja schon längst dran. Zum Beispiel gibt es die Jugendstrategie, die das Bedürfnis der jungen Menschen aufgreift, die Gesellschaft partizipativer, inklusiver, resilienter, grüner und digitaler zu machen. Und aktuell haben wir ja auch das Europäische Jahr der Jugend ausgerufen, in dem wir die Zukunftschancen in Beruf, Bildung und politischer Partizipation thematisieren – ganz besonders die der Marginalisierten, wie beispielsweise jener jungen Menschen aus benachteiligten Verhältnissen, ländlichen und abgelegenen Gebieten oder aus schutzbedürftigen Gruppen.

 

Nicht zuletzt bauen wir auch an der NGEU – der Next Generation EU. Dabei werden Programme zur beruflichen Entfaltung bekannter gemacht, hochwertige Arbeitsplätze geschaffen und persönliche, soziale und berufliche Weiterbildungsmöglichkeiten aufgezeigt. Daneben zeigt sich ja auch an der Arbeitslosenquote – Generation Z hat das ja schon angesprochen – wie wichtig eine gute Ausbildung ist. 24,6% der Pflichtschulabgänger*innen sind arbeitslos (PDF), wohingegen all jene mit weiterführenden Ausbildungen hier Zahlen von 7,1% (im Falle der Lehre) oder darunter aufweisen. Aus- und Weiterbildung schützt also vor Arbeitslosigkeit! Kurz gesagt, die Beschäftigung (mit) der Jugend ist uns extrem wichtig!

Michael: Vielen Dank, Poldi*! Nun zu Ihnen, liebe Erwin*a Erwachsenenbildung. Wie steht es denn um die registrierten Teilnahmen der jungen Generation?

Erwin*a Erwachsenenbildung: Nun ja, dazu veröffentlichen wir in Österreich im Großen und Ganzen kaum Zahlen. Lediglich die Leistungsberichte der Volkshochschulen umfassen auch die Altersstruktur ihrer Teilnehmer*innen. Schaut man sich dabei beispielsweise die letzten drei ausgewerteten Jahrgänge (2017/18 bis 2019/20) an, zeigt sich, dass bei den 15- bis 19-Jährigen mindestens die Hälfte der Teilnahmen (nicht zu verwechseln mit den Teilnehmer/nnen, Anm. d. Verf.) im Bereich Grundbildung und zweiter Bildungsweg liegen, welche auch den weiteren beruflichen Weg ebnen. Rechnet man hier auch Sprach-Kurse hinzu (> 15% der Teilnahmen) und ergänzt um berufliche und berufsorientierte Bildung sind in Summe zwischen 76 und 86% der Teilnahmen berufsbezogen.

 

Im Vergleich dazu liegen diese berufsbezogenen Teilnahmen bei 20- bis 29-Jährigen zwischen 56 und 64%, wobei der Anteil der Grundbildung sich gegenüber der jüngeren Gruppe zumindest halbiert und dafür die Sprachen deutlich zulegen. Manche Zuordnungen sind allerdings schwierig – würden Sie beispielsweise „Business English“ der Kategorie Sprache oder der Berufsbildung zuordnen?

 

Poldi* Politik: An dieser Stelle sei mir eine kurze Anmerkung zur AusbildungsPFLICHT bis 18 (PDF) erlaubt, die wir in Österreich haben. Jugendliche unter 18, die für mehr als vier Monate keiner Ausbildung nachgehen, müssen ja seit Juli 2017 gemeldet werden, damit man ihnen Hilfestellungen zukommen lassen kann. Im Jahr 2021 wurden beispielsweise 3161 Jugendliche (PDF) eingemeldet – übrigens fast 60% davon männlich. Junge Männer scheinen also deutlich gefährdeter, keine Ausbildung abzuschließen.

 

Die Ausbildungsgarantie bis 25 gibt es auch noch - für alle die nur einen Pflichtschulabschluss haben. Also, in Österreich müssen Junge wirklich nicht fürchten, dass sie keine gute Ausbildung bekommen, um am Arbeitsmarkt reüssieren zu können!

 

Generation Z: Auf den Wortteil „Pflicht“ wurde bei der erstgenannten Maßnahme ja sehr schnell wieder verzichtet, um uns ein wenig zu beschwichtigen – geändert hat sich dadurch allerdings nur die offizielle Bezeichnung. Müssen tun wir immer noch. Überhaupt finde ich es bezeichnend, dass laut der schon angesprochenen Ö3-Umfrage (PDF) nur 6% von uns der Politik wirklich vertrauen. Bei vielen großen Zukunftsthemen – der Schere zwischen Arm und Reich, dem Klimawandel, der Pflege und der Energiewende – sehen mindestens drei Viertel von uns düstere Aussichten.

 

Hippe, innovative Ansätze entstehen wohl schwerlich aus „mehr derselben“ system-unkritischen Bildung. Und nachhaltige Bildung muss wohl auch alle Altersgruppen umfassen - immerhin können wir die Zukunft nicht alleine retten.

Michael: Da finden sich wohl auch Themen für die Erwachsenenbildung. Erwin*a, wie steht es denn um die nicht direkt berufsbezogene Bildung?

Erwin*a Erwachsenenbildung: Von den Teilnahmen her folgt, gleich auf die vorher als berufsbezogen summierten Bereiche, das trendige Thema Gesundheit und Bewegung. Wir reden da übrigens immer noch von den Zahlen der Volkshochschulen. Hier stieg im Zeitraum 2017/18 bis 2019/20 der Anteil in der Gruppe der 15- bis 19-Jährigen von 7 auf 12,4%, jener der 20- bis 29-Jährigen von 25,7 auf 33,4%. Man darf sich allerdings generell von den Prozentzahlen nicht täuschen lassen. Die tatsächliche Gesamtzahl der Teilnahmen der beiden Altersgruppen ist in den drei Jahren massiv gesunken – für die „Twens“ um 36% und für die Jüngeren sogar um 65%.

 

Überhaupt sind seit dem Spitzenjahr 2017 in Österreich die Teilnahmen an Weiterbildung quer durch alle Altersschichten wieder rückläufig, auch schon vor Corona. Blickt man auf die Generation Z ist bei den 15- bis 19-Jährigen die generelle Bildungsteilnahme zwar relativ konstant um die 90%, dies liegt aber zum allergrößten Teil an deren jeweiligen Ausbildungen.

 

Bei den 20- bis 24-Jährigen ging die Teilnahme von 51,4% im Jahr 2017 bis 2020 gleichmäßig auf 46,2% zurück.

Michael: Vielen Dank, das waren jetzt sehr viele Zahlen. Wie würden Sie denn abschließend Ihren jeweiligen inneren Auftrag zusammenfassen?

Poldi* Politik: Wir schaffen die Rahmenbedingungen für die Zukunft!

 

Erwin*a Erwachsenenbildung: Und wir stellen vielfältige Angebote zur Verfügung!

 

Generation Z: … und viele von uns nehmen sie trotzdem nicht an.

Michael: Offensichtlich sind wohl nicht alle Pläne auch mit den Bedürfnissen der Generation Z abgestimmt. Es bleibt zu hoffen, dass all die genannten Maßnahmen und Konzepte auf fruchtbarem Boden landen. Darüber hinaus scheint es wichtig, dass Gestalter*innen der Erwachsenenbildung zukunftsfähige und zielgruppenorientierte Anknüpfungspunkte finden, um Jugendliche und junge Erwachsene mit hilfreichen und neuen Themen zu begeistern.

Quelle: EPALE E-Plattform für Erwachsenenbildung in Europa
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