Digi-Fit: Ein Lehrgang zur digitalen Weiterbildung von TrainerInnen

18.03.2022, Text: Andrea Sedlaczek, COMMIT
In einem Kurzlehrgang von COMMIT und der VHS Mariahilf Neubau Josefstadt, der von September 2021 bis Februar 2022 lief, erweiterten TrainerInnen ihr Handlungswissen zur Digitalisierung, um dieses in ihren eigenen Lehr-/Lernkontexten anwenden zu können.
Eine Frau steht vor einem Flipchart mit der Frage: Wie Digi-fit fühlt ihr euch jetzt?
Beim Abschluss des Lehrgangs Digi-Fit reflektierten die Teilnehmenden über ihre Lernergebnisse: Gerade die vorgestellten Tools schätzten die Teilnehmenden für ihre weitere Arbeitspraxis.
Foto: Alle Rechte vorbehalten, Fabio Peissl/COMMIT, Digi-Fit Lehrgang Abschluss Reflexion, auf erwachsenenbildung.at
Die Auswirkungen der Digitalisierung betreffen heute fast alle Lebensbereiche sowohl individuell, sozial als auch gesamtgesellschaftlich. Kaum jemand kann sich dieser Entwicklung entziehen – im privaten wie im beruflichen Leben. Auch Trainerinnen und Trainer in der Erwachsenenbildung werden durch diese Entwicklungen vor neue Herausforderungen gestellt. Zum einen öffnen sich ihnen durch die digitalen Medien und Technologien neue Formen und Möglichkeiten der Vermittlung – sei es durch die Nutzung von Lernumgebungen wie Moodle oder Videokonferenztechnologien für Online-Unterricht, oder die Verwendung kreativer Plattformen zur kollaborativen Gestaltung und Verbreitung von Text, Bild- und Tondokumenten. Zum anderen sind TrainerInnen gefordert, mit den neuen Technologien und den laufenden Veränderungen im digitalen Raum reflektiert umzugehen, gesellschaftliche Auswirkungen (Chancen und Risken) zu erkennen und dieses Handlungswissen an Lernende weiterzugeben.

Modularer Kurzlehrgang

Um zur nötigen professionellen Weiterbildung in der Erwachsenenbildung beizutragen, entwickelten COMMIT und die VHS Mariahilf Neubau Josefstadt einen explorativen Kurzlehrgang, gefördert vom Digifonds der AK Wien, der sich an TrainerInnen aus den VHS und anderen Bereichen der Erwachsenenbildung richtete. Im Kurzlehrgang unter dem Titel „Digi-Fit: Lernen für die Zukunft" (September 2021–Februar 2022) konnten sich Teilnehmende Hintergrundwissen zur Digitalisierung aneignen, um darauf aufbauend eigene Strategien und Konzepte für die Anwendung in ihren Lehr-/Lern-Situationen zu entwickeln. In den vier Modulen des Lehrgangs wurden nicht nur die gesellschaftlichen Herausforderungen des digitalen Wandels (Mediatisierung, „Fake News", Big Data, Künstliche Intelligenz u.a.) thematisiert, sondern auch über die neuen digitalen Möglichkeiten in der Bildungsarbeit und die dafür notwendigen didaktisch-pädagogischen Ansätze reflektiert.

Interaktives Lernsetting

Viel Wert wurde auf ein interaktives Lernsetting im Lehrgang gelegt. Bereits bei der Auftaktveranstaltung im Herbst 2021 konnten die teilnehmenden TrainerInnen ihre eigenen Themenwünsche und Bedürfnisse (Ängste, Herausforderungen) einbringen und so die Inhalte des Lehrgangs und die Schwerpunkte der einzelnen Module mitbestimmen. Die Module selbst profitierten nicht nur von der vielfältigen Expertise der involvierten ReferentInnen, sondern auch von den durchaus heterogenen Hintergründen der kleinen und engagierten Gruppe an teilnehmenden TrainerInnen, die zur gegenseitigen Bereicherung beitrugen.

Aha-Momente für die Teilnehmenden

In der begleitenden Evaluation und einer abschließenden Reflexion des Lehrgangs zeigte sich, dass die Teilnehmenden sehr viel aus dem breitgefächerten Modulsetting mitnahmen: Sie sprachen von mehreren „Aha-Momenten" im Laufe des Lehrgangs und dass sie durch die thematische Auseinandersetzung auf eigene „blinde Flecken" in der kritischen Auseinandersetzung mit der Digitalisierung gestoßen sind. Gleichzeitig schätzten sie die vielen praktischen Übungen und Tools, die sie in den Modulen kennenlernen und ausprobieren konnten. Durch die Verbindung von theoretischen Diskussionen und praktischer Vermittlung von Methoden lernten die TrainerInnen, sich in ihrer Arbeit als GestalterInnen des digitalen Wandels zu verstehen: „Je mehr ich weiß, desto mehr kann ich weitergeben", brachte es eine Teilnehmerin auf den Punkt.

Dass aufgrund Covid-bedingter Einschränkungen ein Großteil der Module auf eine Online-Umsetzung umgestellt werden mussten, hatte hierbei durchaus einen zusätzlichen Lerneffekt. Dennoch schätzten alle Beteiligten, zum feierlichen Abschluss des Lehrgangs Ende Februar 2022 wieder in Präsenz zusammenkommen zu können und die Vorzüge der persönlichen Begegnung und des Austauschs zu genießen.

Abschlussveranstaltung mit Diskussion zur Digitalisierung der Arbeitswelt

Ein reflektierter Umgang mit der durch die Corona-Pandemie beschleunigten Digitalisierung der Arbeitswelt und deren Auswirkung auf die Bildungsarbeit stand auch im Fokus einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung, die im Rahmen dieses Abschlusses hybrid abgehalten wurde. In den beiden Impulsvorträgen und einer anschließenden Podiumsdiskussion mit ExpertInnen aus Bildung und Forschung wurden sowohl die Chancen des digitalen Wandels für Selbstbestimmung und Partizipation hervorgestrichen, als auch problematische Entwicklungen der sozialen Ungleichheit angesprochen.

Tilo Grenz, Senior Scientist für Forschungsvernetzung an der Suttner Privatuniversität St. Pölten, verwies in seinem Impulsvortrag etwa auf das grundlegende Recht „abzuschalten" („the right to disconnect"), welches gerade in prekären digitalen Arbeitsumgebungen (z.B. in der aufkommenden Gig Economy) beschnitten wird.

In eine ähnliche Kerbe schlug Walter Peissl, Sozial- und Wirtschaftswissenschafter an der ÖAW, Institut für Technikfolgen-Abschätzung in der Podiumsdiskussion: Er plädierte für eine digitale Selbstbeschränkung in der Nutzung digitaler Technologien auch auf Ebene der Organisationskultur. Um soziale Ungleichheiten und den Druck der permanenten digitalen Verfügbarkeit nicht zu verschärfen, reicht es z.B. schon, Mails nur zu definierten Arbeitszeiten zu verschicken.

Partizipation durch Digitalisierung

Eine neue Perspektive auf die jüngere Generation, für die der Unterschied zwischen online und offline nicht mehr so groß ist, brachte Katharina Fritsch, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Department für Europapolitik und Demokratieforschung der Donau-Universität Krems in ihrem Impulsvortrag ein. An konkreten Beispielen zeigte sie auf, wie Jugendliche in digitalen Räumen durch die Gestaltung und Verbreitung von Memes an bildungs- und demokratiepolitischen Diskursen teilhaben und ihre Interessen zum Ausdruck bringen.

Aus der Coronapandemie lernen

Die Chance, durch die in der Coronapandemie neu entstandenen digitalen Bildungsangebote, bisher benachteiligte Lernende zu erreichen, strich Gerhard Bisovsky, Generalsekretar des Verbands Österreichischer Volkshochschulen, in seiner Wortmeldung in der Podiumsdiskussion hervor. Zugleich betonte er aber auch die Grenzen der Digitalisierung: Wenn die Volkshochschulen ihrem Selbstverständnis nach zu sozialem Zusammenhalt beitragen wollen, können sie nicht auf die direkte, persönliche Ansprache im analogen Raum verzichten.

Auch Bildungswissenschaftlerin Lisa David vertrat in ihrer Wortmeldung vor dem Hintergrund ihrer Erfahrungen im Hochschulbereich die Einschätzung, dass nicht alle digitalen Umstellungen, die aus der Notwendigkeit der Corona-Krise entstanden sind, bewahrenswerte Lehr-/Lernsettings sind. Schließlich plädierte sie auch mit Hinblick auf die Erwachsenenbildung stärker über die Machtverhältnisse zwischen Lehrenden und Lernenden im digitalen Raum zu reflektieren.

Digi-Fit: Lernen für die Zukunft ist ein Projekt von COMMIT – Community Medien Institut und der VHS Mariahilf Neubau Josefstadt. Gefördert durch den Digifonds der AK Wien.

Weitere Informationen:

 

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