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Studie hat Gesundheitskompetenz der ÖsterreicherInnen erhoben

23.10.2021, Text: Lucia Paar, Redaktion/CONEDU
Knapp die Hälfte der ÖsterreicherInnen findet es schwierig einzuschätzen, wie vertrauenswürdig eine Gesundheitsinformation ist. Die Studie zeigt damit auch Nachholbedarf in puncto Medienkompetenz auf.
  • Gesunde und ungesunge Lebensmittel liegen neben einem Diabetes-Kit Foto: Pexels-Lizenz, Nataliya Vaitkevich, pexels.com
    Menschen mit geringer Gesundheitskompetenz essen und bewegen sich ungesünder, so die Studien-AutorInnen.
Der Blick in Zeitungen und Newskanäle zeigt: Das Thema Gesundheit begleitet uns besonders seit der Corona-Pandemie täglich und konfrontiert uns mit Fragen, die unsere eigene Gesundheit und die anderer berühren: Wer lässt sich wann und warum impfen oder nicht impfen? Welchen Schutz habe ich selbst und welchen andere dadurch? Wie kann ich mich und andere sonst noch schützen? Darüber informiert zu sein und fundierte Entscheidungen treffen zu können, stellt große Herausforderungen an jede/n Einzelne/n. Dies zeigt eine aktuelle Studie (HLS19‐AT), die die Gesundheitskompetenz von Österreicherinnen und Österreichern erhoben hat.

Studie zeigt Nachholbedarfe bei Medienkompetenz auf

Drei von vier Erwachsenen informieren sich online über Gesundheitsthemen, so die Studie. 44% der ÖsterreicherInnen nutzen soziale Medien, um sich über gesundheitliche Themen zu informieren oder auszutauschen. Digitale Geräte wie Schrittzähler oder Smart Watches verwenden 42% der Bevölkerung und ein Drittel nutzt Gesundheitsapps.

 

Für viele ist es schwierig, die Informationen, die über diese Medien gefunden werden, einzuschätzen. Die größten Schwierigkeiten bestehen dabei darin, beurteilen zu können, ob hinter den angebotenen Informationen wirtschaftliche Interessen stehen. Jede/r Zweite findet das schwierig oder sehr schwierig. Knapp die Hälfte der ÖsterreicherInnen (47%) findet es zudem schwierig zu beurteilen, wie vertrauenswürdig eine gefundene Information ist.

 

Ebenfalls schwer tun sich die ÖsterreicherInnen darin, die gefundenen Informationen dazu zu nutzen, eigene Gesundheitsprobleme zu lösen: 32% schätzen das als schwierig oder sehr schwierig ein.

Sich im Gesundheitssystem zurechtfinden und Behandlungsmöglichkeiten einschätzen können: Das fällt schwer

Rund 15% der ÖsterreicherInnen haben im Durchschnitt Schwierigkeiten bei den abgefragten Aufgaben zur allgemeinen Gesundheitskompetenz, so die Studie. Besonders herausfordernd finden die Österreicherinnen und Österreicher beurteilen zu können, welche Vor- und Nachteile verschiedene Behandlungsmöglichkeiten haben. Rund 37% stufen das als schwierig oder sehr schwierig ein. Auch das Finden von Informationen, wie man mit psychischen Problemen umgehen kann, empfinden 31 % der Bevölkerung als schwierig oder sehr schwierig.

 

Untersucht haben die Studienautorinnen und -autoren auch, wie gut sich Erwachsene im Gesundheitssystem orientieren können. Rund 33% der ÖsterreicherInnen haben hierbei Schwierigkeiten. Die größten Schwierigkeiten gibt es u.a. dabei herauszufinden, welche Rechte man als Patientin bzw. Patient hat. Aber auch einzuschätzen, in welchem Umfang Krankenkassen/Krankenversicherungen die Kosten für bestimmte Leistungen übernehmen sowie Informationen über aktuelle Gesundheitsreformen zu verstehen, bereitet Schwierigkeiten.

 

Rund 20% der Österreicherinnen und Österreicher haben zudem der Studie zufolge Schwierigkeiten im Umgang mit Impfinformationen. Als besonders herausfordernd gilt hier das Finden, Beurteilen und Anwenden von Impfinformationen.

Personen im mittleren Alter schätzen ihre Gesundheitskompetenz schlechter ein

Die Studie zeigt, dass Gesundheitskompetenz in bestimmten Bevölkerungsgruppen deren Einschätzung nach stärker und in anderen weniger stark ausgeprägt ist. Bspw. stufen ÖsterreicherInnen zwischen 30 und 59 Jahren ihre Gesundheitskompetenz im Durchschnitt schlechter ein als Jüngere und Ältere. Dies liege möglicherweise daran, dass im mittleren Alter die Gesundheit der eigenen Kinder, erste eigene Gesundheitsprobleme und die Pflege von Angehörigen eine größere Rolle spielen als in anderen Lebensphasen, so die Einschätzung der Autorinnen und Autoren. Die Gesundheitskompetenz würde in diesem Alter demnach stärker auf dem Prüfstand stehen.

 

Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und im Alltag anzuwenden, ist darüber hinaus auch für andere Bevölkerungsgruppen schwierig: Menschen mit geringer formaler Bildung, Personen in finanziell prekären Situationen, Menschen auf Arbeitssuche sowie Menschen mit Gesundheitsproblemen tun sich hier im Durchschnitt schwerer als jene, auf die das nicht zutrifft.

Wer gesundheitskompetent ist, lebt gesünder

Die Studie zeigt einen Zusammenhang zwischen Gesundheitskompetenz und gesunder Lebensweise auf: Bspw. essen und bewegen sich Menschen mit geringere Gesundheitskompetenz ungesünder, haben einen höheren BMI und schätzen ihre Gesundheit schlechter ein. Außerdem sind Menschen mit geringer Gesundheitskompetenz häufiger von chronischen Krankheiten betroffen und können damit auch schlechter umgehen, so die Studie. Das zeigt sich auch im Gesundheitssystem: Der Studie zufolge nehmen Menschen mit schlechter Gesundheitskompetenz das Gesundheitssystem stärker in Anspruch und verbringen mehr Tage im Krankenstand.

Über die Studie

Die Österreichische Gesundheitskompetenz‐Erhebung (HLS19‐AT) ist Teil des internationalen Health Literacy Survey (HLS19), die in insgesamt 17 Ländern durchgeführt wird und ein Projekt des WHO Action Network on Measuring Population and Organizational Health Literacy (M‐POHL) ist.

 

Für die österreichische Erhebung wurden 2020 in Österreich rund 3.000 Erwachsene ab 18 Jahren telefonisch befragt.

Quelle: EPALE E-Plattform für Erwachsenenbildung in Europa
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