Digitalisierungsschub am BFI
Rasche Umstellung auf Onlinekurse
Durch den laufenden Ausbau ihres Blended-Learning-Angebots waren die Berufsförderungsinstitute für die neue Herausforderung gut gerüstet und konnten viele Kurse rasch auf interaktive Fernlehre umstellen. Neben Schulungen im Bereich EDV/IT konnten auch die meisten Sprachkurse, Lehrgänge für Buchhaltung, Personalverrechnung, Büroorganisation und Arbeitsrecht oder E-Commerce, Digital Marketing, HR- und Projektmanagement sowie viele Vorbereitungskurse für die Berufsreifeprüfung (BRP) während der Betriebspause online fortgesetzt oder begonnen werden. Auch an den Ausbildungen für Sicherheitsfachkräfte und Datenschutzbeauftragte und der TrainerInnenweiterbildung "Digital Trainer" konnte man von zu Hause aus teilnehmen. Einige kommissionelle Fachgespräche für die Zertifizierung als IngenieurIn wurden ebenfalls online durchgeführt. "In dieser schwierigen Phase bewährt es sich, dass wir schon vor längerer Zeit in jenen Segmenten auf E-Learning umgestellt haben, in denen es möglich und sinnvoll ist", sagt Christoph Jungwirth, Geschäftsführer des BFI Oberösterreich, das mit seinen zahlreichen Onlineangeboten zu den Vorreitern gehört.
Moderne Hard- und Software
Gute Erfahrungen haben die BFIs mit der Open-Source-Lernplattform Moodle, die bereits seit etlichen Jahren im Einsatz ist. Interaktive Lerntools und -inhalte, Lern- und Erklärvideos werden teils an den BFIs entwickelt und teils von externen Anbietern zugekauft und adaptiert. Neben Moodle kommen verschiedene Lern-Apps wie KnowledgeFox, Kahoot!, Quizlet u. a. zum Einsatz. Die Vorbereitung auf die BRP in Mathematik wird durch GeoGebra und die am BFI Oberösterreich entwickelte App mathe2go unterstützt. Auch Office 365 mit dem OneNote-Kursnotizbuch gehört an vielen BFI-Standorten zum Standard. Voraussetzung für die Ausweitung der digitalen Unterrichtsangebote war die Ausstattung mit moderner, leistungsfähiger Hardware vom Server über schnelles WLAN und Internet bis zu den Endgeräten. Neben PCs und Notebooks werden in etlichen Kursen und Ausbildungen Tablets eingesetzt, was vor allem bei jüngeren TeilnehmerInnen gut ankommt. An größeren BFI-Standorten sind bereits fast alle Kursräume mit Smartboards ausgestattet. Auch elektronische Flipcharts und beschreibbare Wandflächen werden verwendet.
Blended Learning wird gut angenommen
TrainerInnen wie TeilnehmerInnen finden eine Mischung aus Präsenzunterricht und selbständigem Lernen ideal, da sie die Vorteile beider Formen verbindet: lebendigen Austausch und räumlich-zeitliche Flexibilität. Online-Lerninhalte werden ergänzend zu den Präsenzveranstaltungen in allen Fachbereichen von Sprachen über EDV/IT, Pädagogik, Gesundheit, Wirtschaft, Tourismus und Gastronomie bis Persönlichkeitsbildung angeboten. Auch in der Vorbereitung auf BRP und Lehrabschlüsse hat sich Blendend Learning bewährt. Selbst in technisch-praktischen Ausbildungen ist Distance Learning möglich: In den letzten beiden Jahren wurden Onlinemodule für überbetriebliche Lehrausbildungen und FacharbeiterInnen-Intensivausbildungen in den BFI-Metallausbildungszentren Großpetersdorf und Gunskirchen entwickelt und erfolgreich erprobt.
Train the digital trainer
Die BFI-Landesorganisationen berichten von durchwegs positiven Rückmeldungen der TeilnehmerInnen und TrainerInnen zu den Blended-Learning-Angeboten und dem Distance Learning in der COVID-19-Schließzeit. Voraussetzung dafür war eine umfassende Schulung des Lehrpersonals: "Wichtig ist, dass die TrainerInnen sowie die TeilnehmerInnen gut angeleitet werden", erklärt Jungwirth. "Eine wesentliche Rolle spielen in dieser Hinsicht die 'digitalen MentorInnen', die am BFI Oberösterreich bereits seit Mai 2019 zum Einsatz kommen. Ihre Aufgabe besteht darin, beim durch die Digitalisierung hervorgerufenen Veränderungsprozess TrainerInnen und BeraterInnen zur Seite zu stehen. Diese geben dann ihr Wissen an die KursteilnehmerInnen weiter." Eine ähnliche Initiative läuft am BFI Kärnten: BFI-MitarbeiterInnen mit einschlägiger Expertise unterstützen und schulen die TrainerInnen bei der Umsetzung von Blended Learning, der Verwendung von digitalen Tools und der Konzeption von virtuellen Lernräumen. Auch in den BFI-Kursprogrammen finden sich vielfältige Weiterbildungen zum Einsatz digitaler Unterrichtsmethoden. Der Kurs "DIGI Train" am BFI Burgenland vermittelt digitale Kompetenzen speziell für die Lehrlingsausbildung.
E-Learning-Angebote werden ausgebaut
Auch in Zukunft werden die BFIs in ihre Bildungsangebote vermehrt E-Learning-Elemente integrieren. Das soeben erschienene Kursprogramm 2020/21 des BFI Wien enthält über 50 neue Produkte und ein stark erweitertes E-Learning-Angebot. Es reicht vom zeit- und ortsunabhängigen Sprachtraining in einer von 22 Sprachen über digitale Projektmanagementlehrgänge bis hin zu zehn Bachelor- und vier Masterstudiengängen, die in Kooperation mit der Hamburger Fern-Hochschule angeboten werden. "Gerade die aktuelle Situation zeigt eines sehr deutlich: Wer sich lebenslang und in jeder Lebenssituation Wissen aneignet, ist klar im Vorteil", ist Franz-Josef Lackinger, Geschäftsführer des BFI Wien, überzeugt. "Bei Umschichtungen am Arbeitsmarkt - sei es durch Corona, künstliche Intelligenz oder Klimawandel - steigen gut qualifizierte Personen in der Regel deutlich besser aus."
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