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Kaputte Mixer kommen nicht in den Geräte-Himmel, sondern ins Repair Café

17.12.2019, Text: Tiroler Bildungsforum, Redaktion: Julia Janovsky, Tiroler Bildungsforum/Ring ÖBW
Seit 2014 finden in Tirol regelmäßig Repair Cafés statt. Beim gemeinsamen Reparieren werden Handlungsalternativen zur Wegwerfgesellschaft aufgezeigt.
  • Foto: Alle Rechte vorbehalten, Viktoria Gruber, Repair Café 01, auf erwachsenenbildung.at
    Gemeinsam Reparieren statt Wegwerfen beim Repair Café in Schwaz
  • Foto: Alle Rechte vorbehalten, Michaela Brötz, Repair Café 02, auf erwachsenenbildung.at
    Die ehrenamtlichen HelferInnen feiern mit dem Repair Café Neurum das zehnte Bestandsjubiläum!
Wer kennt die Situation: ein kleines Teil einer Küchenmaschine, des Haarföhnes oder eines Kinderspielzeuges ist kaputt. Das ganze Gerät wegschmeißen wäre jammerschade! Beim Versuch, selbst Hand anzulegen, steht man meist bald an. Die Verkäufer raten dazu, das Gerät durch ein neues zu ersetzen. Die Wirtschaft würde sich freuen. Die Umwelt nicht. Die Geldbörse auch nicht.

 

Das Repair Café Tirol kann auf eine über fünf jährige Erfolgsgeschichte zurückblicken. Seit 2014 haben in ganz Tirol rund 260 Repair Cafés in 48 verschiedenen Gemeinden stattgefunden. Etwa 700 freiwillige Helferinnen und Helfer engagieren sich bei den als Café organisierten Treffen, mehr als 13.000 Reparaturen wurden bereits angenommen und über 25.000 Gäste waren dabei.
Viele der GastgeberInnen in den Gemeinden organisieren regelmäßig – oft zwei Mal jährlich - ein Repair Café und feierten daher 2019 ihr zehntes Jubiläum. Neben den positiven Aspekten für die Umwelt und dem Schonen der Geldbörse, wird in den Repair Cafés auch Wissen weitergegeben.

Wie funktioniert ein Repair Café?

Bei einem Repair Café bringen BesucherInnen ihre defekten Dinge und versuchen, diese dann gemeinsam mit Fachleuten wieder instand zu setzen. Die Fachleute sind SpezialistInnen wie ElektrikerInnen, NäherInnen, Holzfachleute, Fahrrad-BastlerInnen oder EDV-Fachleute. Sie stellen ihre Expertise ehrenamtlich zur Verfügung. Die Reparaturen sind kostenlos, freiwillige Spenden sind willkommen. Es kann alles begutachtet bzw. repariert werden, was transportiert werden kann. So hat es auch schon einmal eine 110 Jahre alte Registrierkasse aus Gusseisen – im Transportwagerl befördert – ins Repair Café geschafft.

Der Bildungsaspekt

Das gemeinsame Reparieren macht den BesucherInnen Spaß, bringt Menschen zusammen, zeigt deren Talente auf und trägt auch noch zum Umweltschutz bei, da sind sich die BetreiberInnen sicher. Ob die Reparatur schlussendlich erfolgreich ist, kann das Repair Café nicht versprechen. Vielleicht gelingt es aber, dass der/die BesucherIn die Einstellung zu defekten Dingen ändert, sodass sie nicht mehr sofort weggeworfen werden, so die Hoffnung der VeranstalterInnen des Cafès. Im Repair Café wird aber nicht nur repariert, der/die Fachmann/frau leitet auch zur Selbsthilfe an. Er/sie erklärt z.B. wo günstiger Ersatz bezogen werden kann oder wie Geräte gewartet werden sollten. Der Rahmen ist bewusst gemütlich gehalten – repariert wird bei einer Tasse Kaffee oder Tee. Im Repair Café lernen Menschen, Gegenstände auf andere Weise wahrzunehmen. Die Bereitschaft steigt, Dinge wieder reparieren zu lassen, erzählen GastgeberInnen des Cafés: "BesucherInnen erkennen die Problematik um die Wegwerfkultur und - im besten Fall - verändern Ihren Lebensstil hin zu einem nachhaltigeren, in dem sorgsam mit Ressourcen umgegangen wird".

 

Eine weitere Station im Repair Café ist zudem die Erklärbar. Hier erklären Jugendliche den BesucherInnen technische Geräte, die Bedienung von Handys und Tablets oder Programme am Computer. "Es macht Spaß, herauszufinden was kaputt ist. Und wenn man weiß, was kaputt ist, kann man es meistens auch reparieren!" so der einhellige Tenor der ehrenamtlichen ExpertInnen.

Ausgezeichnet und filmreif

Zahlreiche Nachhaltigkeitspreise und Auszeichnungen hat die Initiative in Tirol bereits erhalten. Unter anderem den Umweltpreis der Euregio Tirol - Südtirol - Trentino 2015, eine Nominierung zum Österreichischen Klimaschutzpreis 2015 oder den Regionalitätspreis Tirol 2018. Im März 2019 wurde das Repair Café Tirol vom ORF besucht und in der Dokumentation "Am Schauplatz: Wie man die Welt repariert" in Szene gesetzt. Michaela Brötz koordiniert Tirol weit die Repair Cafés und sieht positiv in die Zukunft: "Wir beobachten, dass die Gastgeber zunehmend Themen wie Upcycling, Müllvermeidung, Energiesparen oder auch Lebensmittelretten einen Raum im Repair Cafés geben. Damit zeigt das Repair Café sein Potential, Bildung im Bereich der Nachhaltigkeit zu vermitteln. Worüber ich mich besonders freue, ist die neue Verordnung der EU, die eine bessere Reparierbarkeit ab 2022 in Aussicht stellt. Nicht nur das, es müssen auch Ersatzteile zur Verfügung gestellt werden. Wie ernst die Industrie dann den Kundenwunsch nimmt, bleibt abzuwarten, aber in den Repair Cafés haben wir ihn in den letzten 5 Jahren zumindest deutlich formuliert."

Weltweit die Nase vorne

Tirol weist, auf seine Fläche gesehen eine rekordverdächtige Dichte an Repair Café-Veranstaltungsorten auf. Dabei hat das Tiroler Bildungsforum klein mit den Repair Cafés angefangen. Die Leiterin der Erwachsenenschule Pill Michaela Brötz hat die aus den Niederlanden stammende Idee aufgegriffen und in ihr Angebot aufgenommen. Das Tiroler Bildungsforum übernahm die Koordination der Tiroler Repair Cafés. Wer nun eines veranstalten möchte, wird vom TBF serviciert: Layout aller wichtigen Drucksorten, Rollups und Beachflags, Unterstützung bei der Bewerbung in den Regionalmedien, Hilfe bei der ExpertInnensuche, etc. Projektträger sind das Tiroler Bildungsforum und die Abfallwirtschaft Tirol Mitte GmbH.

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