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Buchvorstellung: Forschungslandschaft der Erwachsenenbildung

22.10.2019, Text: Jennifer Friedl, Online-Redaktion
In 13 Beiträgen erörtern die AutorInnen die Entwicklung der Erwachsenenbildungsforschung und zeigen aktuelle Trends auf.
  • Foto: CC BY, CONEDU/Friedl, auf erwachsenenbildung.at
    Die Herausgeber des Buches zeichnen nach, wie sich Erwachsenenbildung europaweit zu einem eigenen Forschungsgebiet entwickelt hat.
Die AutorInnen des Buches "Mapping out the Research Field of Adult Education and Learning" nehmen unterschiedliche theoretische, historische und methodologische Perspektiven ein, um das Forschungsfeld Erwachsenenbildung zu beleuchten. Anliegen des Werks ist es, einen kritischen Blick auf die Wissensproduktion und -vermittlung innerhalb der Erwachsenenbildung zu werfen. Weiters geht das Buch in fünf Großkapiteln u.a. der Frage nach, welche Forschungsmethoden aktuell besonders häufig Anwendung finden.

Forschungsfeld etablierte sich durch die Vergabe von Professuren

Die Herausgeber des Werks, Weiterbildungsforscher Andreas Fejes und Bildungsforscher Erik Nylander, widmen sich der Geschichte der Erwachsenenbildung und zeichnen nach, wie sie sich europaweit zu einem eigenen Forschungsgebiet entwickelt hat. Geleitet von Sorgen um die Praxis der Erwachsenenbildung aufgrund ihrer Uneinheitlichkeit, gestaltete sich die Etablierung des Forschungsbereichs sehr unterschiedlich. Grund dafür waren verschiedene Bildungssysteme sowie die Vielfalt gesprochener Sprachen in Europa. Als entscheidenden Faktor für die Entwicklung des Forschungsfelds benennen die Autoren die Vergabe von Professuren für Erwachsenenbildung. Die Einrichtung der ersten Professur für Erwachsenenbildung fand 1922 an der Universität von Nottingham in England statt. Ein weiterer wichtiger Punkt für die Etablierung des Forschungsfelds war laut den Autoren die klare Unterscheidung kindlicher und erwachsener Lebensphasen und damit zusammenhängender Lernbedürfnisse. Dies trug dazu bei, dass die Erwachsenenbildung von anderen Bildungsbereichen wie der Schulbildung abgegrenzt werden konnte.

Theorie und Praxis weisen enges, aber schwieriges Verhältnis auf

Bildungswissenschaftlerin Christine Zeuner benennt als allgemeines Ziel der Erwachsenenbildung die Befähigung des Menschen, sich auf individueller, kultureller, intellektueller, politischer und sozialer Basis durch Lernen weiterzuentwickeln und sowohl das politische Geschehen als auch das gesellschaftliche Zusammenleben mitzugestalten. Das Verhältnis zwischen Theorie und Praxis beschreibt die Autorin als eng, aber auch schwierig. So zeigen laut Zeuner z.B. die Erfahrungen, dass sich theoretische Erkenntnisse häufig nur unter komplexen Anpassungen in die Praxis übertragen lassen. Die Praxis sei zudem auf die Theorie angewiesen, um immer wieder Verbesserungsmöglichkeiten abzuleiten.

Kompetenz ist nicht gleich Bildung

In den letzten 20 Jahren, so Bildungswissenschaftlerin Zeuner, gewannen in der Erwachsenenbildung vor allem die Begriffe Lernen und Kompetenz an Bedeutung, während der Bildungsbegriff in den Hintergrund rückte. Laut der Autorin sind die Begriffe allerdings klar zu unterscheiden. Demnach richtet sich Bildung darauf, Subjekte zu ermächtigen und zu einem erfüllten Leben beizutragen. Lernen und Kompetenzen orientieren sich, so Zeuner, allerdings häufig an externen Erwartungen, wie z.B. Anforderungen des Arbeitsmarktes. Dies habe nicht nur die Forschungsfragen, sondern auch die Forschungsmethoden sehr verändert - sie orientieren sich stärker an Themen, die sich auf die Verwertbarkeit von Bildung beziehen, da der Fokus nun darauf liege.

WissenschaftlerInnen forschen in der Erwachsenenbildung vor allem qualitativ

Professorin für Erwachsenenbildung Ellen Boeren erörtert in ihrem Beitrag die Bedeutung quantitativer Forschungsmethoden (wie z.B. die Befragung einer großen Personengruppe via Fragebogen) für die Erwachsenenbildungsforschung. Studien zeigen, so die Autorin, dass qualitative Forschungsmethoden wie z.B. Interviews nach wie vor die Forschungslandschaft dominieren. Die Autorin fasst einige Argumente zusammen, die diese Tendenz erklären sollen.

 

Beispielsweise fragen quantitative Methoden wie z.B. statistische Erhebungen stärker danach, was gelernt wird und richten sich auf konkrete Zahlen. In der Erwachsenenbildungsforschung sei allerdings die tiefere Bedeutung und die Frage nach dem Warum meist von größerem Interesse. Dies hänge mit dem Ansatz der in der Erwachsenenbildungsforschung häufig vertretenen AntipositivistInnen zusammen. Diese sehen quantitative Methoden in der Sozialforschung und Gesellschaftstheorie kritisch und plädieren dafür, quantitative Erhebungen zumindest mit qualitativer Forschung zu ergänzen. Ein weiterer Erklärungsversuch wäre, so Boeren, dass quantitative Forschung häufig mit hohen Kosten verbunden ist.

 

Quantitative Forschung ermögliche es allerdings, sehr umfangreiche Daten zu gewinnen. Diese können politische EntscheidungsträgerInnen bei der Entwicklung von Maßnahmen unterstützen, so die Autorin. Vor allem die Europäische Kommission und die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) setzen auf solche Daten.

 

Fejes, Andreas/Nylander, Erik (2019): Mapping out the Research Field of Adult Education and Learning. Cham, Schweiz: Springer Verlag. 234 Seiten. E-Book 74,96 €. Hardcover 93,59 €. ISBN 978-3-030-10946-2.

Creative Commons License Dieser Text ist unter CC BY 4.0 International lizenziert.
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