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30 Jahre Österreichisches Volkshochschularchiv

11.12.2017, Text: Daniela Savel, Österr. Volkshochschularchiv
In Zeiten von Fake-News und Informationsüberfluss bietet das Archiv gesicherte Informationen und trägt zur zeithistorischen Forschung bei.
  • Foto: Alle Rechte vorbehalten, Christian Jobst, https://de-de.facebook.com/MichaelLudwig.at/
    Hans Altenhuber, Karl Hochwarter und Michael Ludwig
Vor fast genau drei Dekaden, am 4. Dezember 1987, fand in einem Amtszimmer des Unterrichtsministeriums auf der Freyung die konstituierende Versammlung des „Vereins zur Geschichte der Volkshochschulen", des heutigen Fördervereins des Österreichischen Volkshochschularchivs, statt.

 

Gründung durch Wiener Erwachsenenbildner

Zu dieser Gründungsversammlung eingeladen hatte Sektionschef Hans Altenhuber, der damals für die Sektion Erwachsenenbildung und Sport zuständig war. Hochrangige Vertreter der Wiener Erwachsenenbildung wie etwa der frühere Zentralsekretär des Verbandes Wiener Volksbildung, Wolfgang Speiser, der Leiter der Kulturabteilung der Stadt Wien, Hofrat Foltinek, der Wiener Landtagsabgeordnete Ernst Steinbach und Karl Hochwarter als Direktor der Volkshochschule Wien-Nord (Floridsdorf) nahmen daran teil.

 

Festveranstaltung anlässlich des 30-Jahr-Jubiläums

Die Festveranstaltung am 30. November 2017 eröffnete der Archivdirektor Christian H. Stifter. Er führte durch das Programm und begrüßte die anwesenden Gründungsmitglieder Hans Altenhuber und Karl Hochwarter.


Seit der Gründungversammlung gibt es mit der Abteilung Erwachsenenbildung im Bildungsministerium eine gute Zusammenarbeit, die sich insbesondere in einer Reihe von erfolgreichen Projekten erweise, so Sektionschef Christian Dorninger in seiner Begrüßungsrede.

 

Erfolgreiche Projekte

Das Bildungsministerium unterstützt unter anderem die Webplattform „Knowledgebase Erwachsenenbildung", ein Gemeinschaftsprojekt des Verbandes Österreichischer Volkshochschulen (VÖV) und des Österreichischen Volkshochschularchivs. Hier sind Statistik-, Strukturdaten und Informationen zur historischen Entwicklung der österreichischen Volkshochschulen online abrufbar. Das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung in Bonn zeichnete diese Webplattform 2007 mit dem „Innovationspreis / Sonderpreis für das beste ausländische Projekt" aus.

 

Ebenfalls seit vielen Jahren fördert das Bildungsministerium die international anerkannte Fachzeitschrift „Spurensuche. Zeitschrift für Geschichte der Erwachsenenbildung und Wissenschaftspopularisierung", die sich mittlerweile als europaweit führendes Journal zur Geschichte der Erwachsenenbildung etabliert hat.

 

Eine weitere Verbindung zwischen Bildungsministerium und Volkshochschularchiv gibt es bezüglich des umfangreichen Bücherbestandes der ehemaligen Ministerialbibliothek (1919–1920 unter Unterstaatssekretär für Unterricht Otto Glöckel begründet), der an das Volkshochschularchiv übergeben wurde. Hier ist unter anderem nachzulesen, dass bereits 1908 vom Historiker Ludo Moritz Hartmann, Gründer mehrerer Volksbildungseinrichtungen in Wien, die Forderung nach staatlicher Anerkennung und Finanzierung der Volksbildung erhoben wurde.

 

Gute Zusammenarbeit mit Volkshochschulen

Gerhard Bisovsky, Generalsekretär des VÖV, betonte in seinen Grußworten die große Kompetenz und Expertise des Volkshochschularchivs und die sehr gute Zusammenarbeit mit selbigem, im Besonderen im Rahmen des Online-Projekts „Knowledgebase Erwachsenenbildung". Weiters wies Bisovsky auf die Förderung und Unterstützung hin, die dem Archiv durch den VÖV zu Teil wird. Er unterstrich die bundesweite große Bedeutung des Volkshochschularchivs, in dem neben den Beständen der Wiener Volkshochschulen, Materialien der Volkshochschulen in den Bundesländern gesichert werden.

 

Projekt zu NS-Opfern an Wiener Volkshochschulen

In seiner Doppelfunktion als Vorsitzender des Verbandes Österreichischer Volkshochschulen und als Aufsichtsratvorsitzender der Wiener Volkshochschulen GmbH wies der Amtsführende Stadtrat und ausgebildete Historiker, Michael Ludwig, auf das 100-Jahr-Jubiläum der Wiener Volkshochschulen im Jahr 1987 hin, das der Ausgangspunkt für die Sammlung verschiedener Materialien wie Plakate, Fotos und Briefe war. Nach Ende der Ausstellung sollten diese Materialien nicht verloren gehen, somit war die Geburtsstunde des Volkshochschularchivs gekommen, das nunmehr auch das Unternehmensarchiv der Wiener Volkshochschulen GmbH ist. Ludwig betonte die Wichtigkeit der vom Archiv geleisteten Arbeit und hob insbesondere ein aktuelles Kooperationsprojekt mit dem Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes hervor: Darin geht es um die NS-Opfer an den Wiener Volkshochschulen. Erstmals wird erhoben, wie viele der Vortragenden und Funktionärinnen und Funktionäre während des Nationalsozialismus deportiert und ermordet wurden, wessen Vermögen geraubt wurde, wer ins Exil gezwungen wurde. Die Basis dafür liefert die Datenbank des internen Archivinformationssystems mit mittlerweile über 330.000 komplexen Datensätzen aller Veranstaltungen der Wiener Volkshochschulen im Zeitraum von 1887 bis derzeit 1967.

Überprüfbarkeit von Dokumenten

Auf diese bereits seit vielen Jahren durchgeführte Auswertung von Gesamtkursverzeichnissen der Wiener Volkshochschulen wies auch der Vorsitzende des heutigen Fördervereins des Österreichischen Volkshochschularchivs, Lorenz Mikoletzky, in seinem Rückblick hin. Der langjährige Generaldirektor des Österreichischen Staatsarchivs hob in seiner Rede hervor, dass angesichts der heute grassierenden Fake-News-Unkultur der Überprüfbarkeit von Dokumenten, die in Archiven aufbewahrt werden, größere Bedeutung denn je zukommt. Originale Schriftstücke in Händen zu halten, könne darüber hinaus den Hauch der Geschichte verspüren lassen.

 

Rathkolb: Volkshochschularchiv für zeithistorische Forschung nutzen

Die Archivalien des Volkshochschularchivs sollten auch in der zeithistorischen Forschung vermehrt herangezogen werden, wie Oliver Rathkolb, Vorstand des Instituts für Zeitgeschichte an der Universität Wien, in seinem Festvortrag „Wissenschaftliche Zeitgeschichte als nach wie vor »umkämpfte« kritische Orientierungswissenschaft" hervorstrich. Rathkolb zeichnete darin die Entwicklung des universitären Faches Zeitgeschichte in Österreich nach und zeigte, dass verschiedene personelle Prägungen der Fachdisziplin auszumachen sind. In einer ersten Phase war die Zeitgeschichte politiknah-großkoalitionär ausgerichtet, die zweite Phase war geprägt durch kritische Interventionen insbesondere Erika Weinzierls (Stichwort „Peter – Wiesenthal-Affäre"). Zum Schluss seiner Ausführungen behandelte Rathkolb die aktuellen Herausforderungen für die österreichische Zeitgeschichtsforschung; insbesondere gehe es darum, die selbst errichtete Schranke 1918 zu durchbrechen, um die weiter zurückliegenden Wurzeln historischer Entwicklungen mit in den Fokus zu bekommen – in dieser Hinsicht sei die Forschungspraxis des Österreichischen Volkshochschularchivs wegweisend.

Dieser Text ist nicht lizenziert, die Rechte liegen beim Urheber / bei der Urheberin. Er darf ohne Erlaubnis zur Verwertung nicht verwendet werden.
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