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Lernen sichtbar machen – internationale Konferenz geht nächste Schritte

23.05.2019, Text: Karin Reisinger und Bernhard Horak, Redaktion: Karin Reisinger, wba
Im Rahmen der 3. Internationalen VPL Biennale in Berlin verabschiedeten ExpertInnen und Stakeholder die "Berlin Declaration" – eine Erklärung, die übergreifende Prinzipien für die Anerkennung non-formal und informell erworbener Kompetenzen formuliert.
  • Foto: CC BY, Karin Reisinger, auf erwachsenenbildung.at
    Die dritte VPL Biennale hat von 7.-8.5.2019 in Berlin stattgefunden.
  • Foto: CC BY, Karin Reisinger, auf erwachsenenbildung.at
    Franz Fuchs-Weikl präsentiert seine Validierungserfahrungen aus Frankreich
Nach Rotterdam (2015) und Aarhus (2017) fand vom 7. bis 8. Mai 2019 in Berlin die dritte VPL Biennale statt. 300 Fachleute aus 40 Nationen tauschten sich über Validierung von formal, non-formal und informell erworbenen Kompetenzen (Validation of Prior Learning - VPL) aus und verabschiedeten am Ende die "Berlin Declaration on Validation of Prior Learning".

"Berlin Declaration" – ein gemeinsames Statement der VPL-Community

Die ExpertInnen aus Praxis und Politik, ForscherInnen, AnwenderInnen sowie VertreterInnen der Sozialpartner konnten auf der Tagung verschiedene Workshops besuchen, sich über Stand und Bedeutung von Validierungsverfahren in einzelnen Ländern informieren und den Entwurf der "Berlin Declaration" gemeinsam bearbeiten. Diese Erklärung versteht sich als Impuls für InteressenvertreterInnen und politische EntscheidungsträgerInnen, die Anwendung der Validierung mutiger, effektiver und umfassender zu gestalten. Sie beansprucht als internationaler Maßstab eine gemeinsame Sprache und gemeinsame Ziele zwischen PraktikerInnen, Interessengruppen und politischen EntscheidungsträgerInnen zu etablieren.

 

Dazu ist kritisch anzumerken ist, dass die Deklaration keinen Bezug zu bereits existierenden, politisch und sprachlich akkordierten europäischen Grundsatzdokumenten herstellt (z.B. zur Empfehlung des EU-Rates zur Validierung von 2012) und es sich daher im Wesentlichen um eine Vision bzw. Wunschliste sowohl des Machbaren als auch des nicht Machbaren handelt. Zum Beispiel zeigt "§ 6 Legal foundations" den starken Wunsch nach klaren rechtlichen bzw. gesetzlichen Rahmenbedingungen für Ausgestaltung der Systeme, Zugang und Beratung, Finanzierung, Qualitätssicherung etc. Dies verstärkt den Eindruck zu dem auch andere Kapitel beitragen, dass formative, also entwicklungs- und nicht abschlussorientierte Verfahren, bei der Validierung im internationalen Kontext nur wenig Bedeutung beigemessen wird.

 

KonferenzteilnehmerInnen: v.l.n.r.: Karin Reisinger, Bernhard Horak, Erik Kaemingk, Franz Fuchs-Weikl, Marloes Smit (Foto: CC BY, Karin Reisinger)

Hohes Interesse an Beiträgen aus Österreich

Interesse und Anerkennung fand die Präsentation von Franz Fuchs-Weikl von der Arbeiterkammer Salzburg. Er berichtete von seinen persönlichen Erfahrungen mit dem Validierungssystem Frankreichs, das er selbst durchlaufen hat. Im vergangenen Jahr erwarb er an der Universität Sorbonne (Paris) auf dem Weg der Validierung eine formale Qualifikation als Bildungsmanager auf Bachelor-Niveau. Ein ausführliches Interview dazu findet sich im wba-Blog "Mit Kompetenzvalidierung zum Universitätsabschluss".

 

Wie bereits bei anderen internationalen Konferenzen war auch in Berlin ein Fokus auf MigrantInnen und Niedrigqualifizierte gerichtet. Sie sollen in erster Linie von Kompetenzanerkennung profitieren. Wie das Beispiel von Franz Fuchs-Weikl zeigt, hat Validierung aber durchaus das Potential, sich auch im Bereich der höheren Bildung durchzusetzen.

 

In einem weiteren Workshop wurde Peer Review als Verfahren zur Qualitätsentwicklung in Anerkennungs-Stellen vorgestellt. Karin Reisinger berichtete über die positiven Erfahrungen der Weiterbildungsakademie Österreich (wba) mit dem eigenen Peer Review-Prozess und fasste die Herausforderungen und Erkenntnisse zusammen. Gemeinsam mit Erik Kaemingk aus den Niederlanden betonte sie den umfassenden Lerneffekt für die ganze Organisation und das Vernetzungspotential durch den umfassenden Austausch.

Über die Grenzen Europas hinaus: Nächste VPL Biennale in Südafrika

Nicht zuletzt hat die Biennale gezeigt, dass Validierung auch außerhalb Europas Thema und unterschiedlich weit angewandte Praxis ist. Daher haben die Veranstalter beschlossen, dies auch durch den nächsten Veranstaltungsort sichtbar zu machen: Die vierte VPL Biennale findet vom 12. bis 14. Mai 2021 in Kapstadt, Südafrika, statt.

Über die VPL Biennale

Gemeinsam mit dem Komitee der Biennale 2019 wurde die Veranstaltung von der deutschen Bertelsmann Stiftung organisiert. Diese hat sich schon in den vergangenen Jahren mit einschlägigen Publikationen um das Thema Validierung bemüht. So hat sie 2015 in dem Band "Kompetenzen anerkennen – was Deutschland von anderen Staaten lernen kann" die Grundlagen der Anerkennung von informell und non-formal erworbenen Kompetenzen erörtert und mehrere Länderstudien – darunter auch zu Österreich – veröffentlicht.

Creative Commons License Dieser Text ist unter CC BY 4.0 International lizenziert.
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