Ein Zeichen für Umwelt, Qualität und Bildung für nachhaltige Entwicklung
Das Österreichische Umweltzeichen für Bildungseinrichtungen (UZ 302) ist ein von Ö-Cert anerkanntes Qualitätszertifikat, das vom Umweltministerium seit 2009 vergeben wird. Als Qualitätsprogramm fördert es Bildungsqualität, Bildung für eine nachhaltige Entwicklung, Gesundheit (in den Bildungseinrichtungen) und Umweltmanagement gleichermaßen. Außerdem unterstützt das Umweltzeichen die Erreichung der Nachhaltigkeitsziele 2030 (SDGs).
In der Richtlinie UZ 302 sind für die einzelnen Themen Kriterien festgelegt, die eine Bildungseinrichtung erfüllen muss, um mit dem Umweltzeichen für Bildungseinrichtungen ausgezeichnet zu werden. Angepasst an die Gegebenheiten in der jeweiligen Bildungseinrichtung müssen diese auch weitere Maßnahmen umsetzen ("Eigeninitiativen"), welche die Schwerpunkte des Umweltzeichens betreffen.
Beispiele für Initiativen von Umweltzeichen-Bildungseinrichtungen
Das seit 2022 wieder ausgezeichnete BFI Salzburg will insbesondere "Transversale Kompetenzen" (PDF) (Schlüsselkompetenzen) fördern und nimmt daher an einem ERASMUS+ Projekt teil. Außerdem hat das BFI zwei Dienstfahrräder angeschafft und Kursteilnehmer*innen können mit öffentlichen Verkehrsmitteln kostenlos zu Kursen an- und abreisen. Die Kursbestätigung ist am Kurstag ab vier Stunden vor Beginn bis zum jeweiligen Betriebsende in der Kernzone Stadt Salzburg als Ticket gültig. Mit der Aktion "Wer radelt, gewinnt" wurden 2022 etwa 2500 kg CO2 durch die Mitarbeiter*innen eingespart (und die Gesundheit gefördert), ab 150 Fahrrad-Kilometern gab es einen Gutschein für ein Fahrradservice oder -zubehör.
Vor etwa einem Jahr neu ausgezeichnet wurde der Alpenverein Edelweiss (Bereich Bildung). Dem Verein ist es ein Anliegen, mit dem Kooperationspartner "Miteinander am Berg" Menschen mit und ohne Migrationshintergrund für den Klettersport zu begeistern und mit der österreichischen Bergwelt vertraut zu machen. Zudem werden insbesondere Flüchtlinge dabei gefördert, sich auch nach einer Kletterausbildung ehrenamtlich in Alpinvereinen zu organisieren. Besonders hervorzuheben ist zudem die Bewerbung einer umweltverträglichen Mobilität. Der Verein hat spezielle Angebote für die An- und Abreise mit Öffentlichen Verkehrsmitteln entwickelt. Diese sind als solche auf der Website gekennzeichnet bzw. können Interessierte explizit nach solchen Kursangeboten suchen.
Der seit 2009 mit dem Umweltzeichen zertifizierte Umweltdachverband in Wien hat im Rahmen des Rezertifizierungsprozesses überlegt, wie der Abfall durch Takeaway-Verpackungen reduziert werden kann. Mitarbeiter*innen recherchierten, ob die Lokale in der Umgebung das Mitbringen von eigenen Gefäßen unterstützen. Sie hängten eine Liste mit entsprechenden Gaststätten in der Küche für alle sichtbar auf und teilten die Information mit allen Mitarbeiter*innen.
Der Weg zum Umweltzeichen
Interessierte Bildungseinrichtungen können sich auf der Website des Umweltzeichens informieren und ggf. registrieren. Danach wird in einem Online-Vorab-Check geklärt, ob die Voraussetzungen für die Erlangung des Qualitätssiegels gegeben sind. Sobald das geklärt ist, können die Nachweise zur Erfüllung der einzelnen Kriterien online eingegeben werden. Dazu wird eine vom jeweiligen Bundesland geförderte Beratung empfohlen. Nach einem bestandenen Audit durch externe Prüfer*innen gibt es als Abschluss die feierliche Umweltzeichen-Verleihung durch das Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK). Alle vier Jahre ist eine Rezertifizierung erforderlich. Die jährlichen Gebühren für die Nutzung des Umweltzeichens ermöglichen das Service (v.a. Workshops, Audits) und das Marketing für das Umweltzeichen.
Immer aktuelle Kriterien durch einen transparenten, partizipativen Prozess
Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) überarbeitet alle vier Jahre die Kriterien der Richtlinie. Die aktuelle Fassung der Richtlinie (PDF) ist von 2022. Gemeinsam mit dem FORUM Umweltbildung wird dabei ein transparenter, partizipativer Prozess moderiert, der Online-Fragebögen oder -Diskussionen, einen Fachausschuss mit den Stakeholdern und die Diskussion und den Beschluss im Umweltzeichen-Beirat umfasst.
Ziele der letzten Überarbeitung waren u.a. die Integration des Themas Biodiversität (PDF), eine stärkere Betonung von Bildung für eine nachhaltige Entwicklung (z.B. große methodische Vielfalt, Mehrperspektivität, Reflexion und Evaluation – siehe dazu auch Umsetzungstipps, Kapitel 4.3 – Tabelle 10 (im PDF) und – ganz aktuell – Qualitätsaspekte von digitaler Bildung.
Stimmen zum Umweltzeichen von Bildungseinrichtungen und Berater*innen
2021 wurden zertifizierte Bildungseinrichtungen sowie Berater*innen und Prüfer*innen online befragt, was ihnen persönlich am Umweltzeichen wichtig ist, bzw. was sich durch die Umsetzung der Kriterien verändert hat. Dazu gab es u.a. folgende Antworten (Stichworte im Wortlaut):
- Transparenz, Glaubwürdigkeit, Orientierungshilfe.
- Kombination aus Umweltkriterien und Bildungskriterien (im vgl. zu anderen Zertifizierungen).
- Es bildet für mich die Säulen der Nachhaltigkeit sehr gut ab.
- Bildungseinrichtungen haben durch das System von Muss- und Sollkriterien die Möglichkeit sich auf Bereiche zu fokussieren, in denen sie schon erfolgreich sind; müssen aber zudem auch Mindeststandards (Musskriterien) erfüllen.
- Abfallmenge wurde reduziert. Das Bewusstsein für umweltschonende Maßnahmen wurde bei unseren Trainern und Seminarteilnehmern gestärkt.
- mehr Fokus auf die SDGs in der Lehre (der FH), Gründung des Instituts für Nachhaltigkeit, Lösungskonzepte für "die letzten Kilometer" (nachhaltige Mobilität).
- Teambildung, Koordination und Dokumentation von Maßnahmen und Projekten.
- Methodenvielfalt gestiegen.
- Nachhaltige Entwicklung hat wesentlich mehr Raum in den Vorlesungen der FH.
Die Rückmeldungen zeigen, dass Bildungseinrichtungen mit dem Umweltzeichen sowohl ihre Bildungsqualität weiterentwickeln als auch verschiedene Aspekte der Nachhaltigkeit verbessern können. Schauen Sie sich das Umweltzeichen für Bildungseinrichtungen an:
Die wichtigsten Termine zum Umweltzeichen für Bildungseinrichtungen im Überblick
Die Informations-Veranstaltung zum Umweltzeichen bietet Bildungseinrichtungen einen Überblick über den Weg zur Zertifizierung. Der Informationstag findet am Mittwoch, 29. November 2023 von 14:00 bis 16:00 Uhr online statt.
Rund um den Umweltzeichentag am 5. Juni zeigen Umweltzeichen-Betriebe und -Bildungseinrichtungen ihr Engagement für den Umwelt- und Klimaschutz.
Über den Autor: DI Arno Dermutz bearbeitet im Verein für Konsumenteninformation (VKI) die Richtlinien des Österreichischen Umweltzeichens im Bildungsbereich. Der VKI erstellt und überarbeitet im Auftrag des Umweltministeriums diese Richtlinien und ist für das Service rundherum zuständig (Information, Organisation der Audits).
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