BMBWF   Mitteilungen  |  Über das BMBWF  |  bifeb
PORTAL   Newsletter  |  Sitemap  |  English  |    |  LL

Erwachsenenbildung klimafit machen

27.10.2022, Text: Éva Kristofori-Wallek, alea + partner und Andrea Widmann, Initiative "Klimaschutz in der Erwachsenenbildung", Redaktion: Lucia Paar, Redaktion/CONEDU
Ein Bildungsunternehmen zeigt, wie es Klimaschutz in der Bildungsarbeit und der Organisation berücksichtigt.
  • Illustration von zwei Glühbirnen, in einer ist eine Pflanze, in der anderen der Erdball illustriert Grafik: Pixabay Lizenz, Rosy - The world is worth thousands of pictures, https://pixabay.com/de/users/roszie-6000120/
    Wie kann man in der Erwachsenenbildung Klimaschutz berücksichtigen?
  • Plakat mit Infos: Unsere Computer versetzen sich nach einer gewissen Zeit in den Stand-By-Modus. Du kannst die energiesparende Arbeitsweise auch selbst hervorrufen. Klapp den Laptop zu oder wähle am Computer Start/Ein/Aus/Energie sparen. Wir haben Strommessgeräte an jedem Standort. Damit kannst du den Verbrauch deiner Geräte messen und deine Nutzungsentscheidungen anpassen. Borg einfach an deinem Standort das Strommessgerät für zuhause aus. Jedes E-Mail verursacht ca. 2 gramm CO2, jeder Anhang verschlechtert die Bilanz. Versende lieber im E-Mail den Link zur Datei - nicht die Datei selbst. Grafik: CC BY, alea + partner, auf erwachsenenbildung.at
    Plakate an den Standorten von alea + partner geben Tipps zu klimabewusstem Handeln.
Das Bildungsunternehmen alea + partner bietet berufliche Aus- und Weiterbildungen an und ist im Auftrag des AMS auch Träger für arbeitsmarktpolitische Qualifizierungsprojekte.

Im Rahmen der Ich tu`s Initiative des Landes Steiermark hat alea + partner einen Klima-Check absolviert und zahlreiche Maßnahmen für die klimafitte Zukunft der beruflichen Erwachsenenbildung entwickelt.

Klimaschutz im Leitbild festlegen

Das Bildungsunternehmen alea + partner hat den Klimaschutz im Leitbild verankert: "Wir nutzen unser Potenzial als Multiplikator_in zur Bewusstseinsbildung und Informationsverbreitung, um im Bereich Klimaschutz und Klimawandelanpassung unseren Beitrag zum Green Deal zu leisten." Bei der Programmentwicklung sowie bei Projektabschlüssen wird überprüft, ob die geplanten Aktivitäten mit dem Leitbild konform gehen.

 

Die Geschäftsführung sowie die Projektleitungen kommunizieren das Leitbild und die daraus direkt resultierenden Aktivitäten und Informationen laufend in Besprechungen, Veranstaltungen und Fortbildungen und machen es im Alltag sichtbar:

Info-Nuggets und Weiterbildungen für Kund_innen und Mitarbeiter_innen

Mit ca. 120 Kolleg_innen erreicht alea + partner jährlich etwa 6000 Menschen in den unterschiedlichsten Zielgruppen. Gemäß dem Leitbild ist Ziel der internen Ich tu´s-Bildungsangebote, alle Mitarbeiter_innen zu informieren und über sie die Informationen an die Zielgruppen weiterzugeben sowie eine Verhaltensänderung zu bewirken. Das verfolgt alea + partner u.a. mit folgenden Maßnahmen:

 

Neu entwickelte Ich tu´s-Plakate in Form von Info-Nuggets informieren und motivieren in allen Bildungsstandorten sowohl die Kund_innen/Teilnehmer_innen, als auch die Kolleg_innen für mehr Klimaschutz. Die Infoständer befinden sich im Eingangsbereich und im Aufenthaltsraum.

 

Interaktive interne Infoveranstaltungen wie "Bye, bye Standby" zum Thema Strom sparen finden online statt und vermitteln folgende Ziele:

  • Mitarbeiter_innen können den Energieverbrauch und die damit verbundenen Kosten ihrer Geräte berechnen bzw. gut einschätzen – mithilfe einfacher Rechnungen oder Online-Rechner
  • Sie kennen energiesparende Alternativen und wissen, wo man sie ressourcenschonend besorgen kann
  • Sie kennen zuverlässige Quellen für Informationen

 

Damit Erkenntnisse sofort in die Tat umgesetzt werden können, wurden Strommessgeräte für jeden Standort angeschafft. Mitarbeiter_innen können diese ausborgen und sowohl zuhause als auch in der Arbeit den Stromverbrauch kontrollieren bzw. aufgrund des Verbrauchs über Alternativen nachdenken und diese einbringen.

Klimaschutz als Querschnittsthema in Lehr-/Lernprozessen

Als Querschnittsmaterie integrieren die Trainer_innen Klimaschutz in Lehr- und Lernprozessen, indem bewusst Methoden und didaktische Materialien mit klimasensiblem Wording überarbeitet als auch Fach-Information weitergegeben werden. So hat z.B. eine Trainerin aus dem Bereich Pflichtschulabschluss in der Lerneinheit "Gesunde Ernährung" die Bedeutung regionaler Lebensmittel für den Klimaschutz bearbeitet.

 

Im Unternehmensgründungsprogramm (UGP) ist der Einsatz des Ich tu´s Klimaplanspiel geplant. Es bietet Teilnehmer_innen Gelegenheit zur Kompetenzerweiterung in den Bereichen "Kooperation und Kommunikation" – eine Kompetenz, die bei Unternehmensgründung besonders relevant ist. Beim Klimaplanspiel nehmen die Spielenden die Rollen von Verantwortlichen in vier Gemeinden einer Region ein. Spielziel ist, gemeinsam die Gesamtregion klima-fit zu gestalten und dabei die wirtschaftliche und soziale Entwicklung im Auge zu behalten.

Klimaschutz in Bildungsprogrammen und Projekten verankern

In einem Geschäftsfeld beteiligt sich alea + partner auch an öffentlichen Ausschreibungen und bringt das Thema Klima und Nachhaltigkeit zunehmend in diese Projekte ein. Im Projekt Akademiker_innen-Zentrum in Wien wird beispielsweise ein Universitätskurs Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeitsmanagement mit 196 UE durchgeführt.

 

Neu entwickelt wurde der Universitätskurs Green & Smart in Kooperation mit dem AMS Steiermark. Der Kurs mit 785 UE befähigt Teilnehmer_innen, in Unternehmen Kreislaufwirtschafts- bzw. Nachhaltigkeitsprojekte sowie strategische Vorgaben umzusetzen. Er beinhaltet eine theoretische Ausbildung mit den neuesten Erkenntnissen und Innovationen des Fachbereiches und ermöglicht das Sammeln von Praxiserfahrung in einem Unternehmen, einer Gemeindeverwaltung oder einer gemeinnützigen Organisation.

Klimacheck im technischen und organisatorischen Bereich

Das Leitungsteam hat auch die technischen und organisatorischen Rahmenbedingungen auf CO2-Einsparungspotenzial sowie Nachhaltigkeit laut dem österreichischen Umweltzeichen überprüft. Folgende Veränderungen haben sie daraufhin verwirklicht:

  • Weniger Papier: Das Bildungsunternehmen verwendet nur mehr 100% chlorfrei gebleichtes Papier und verringerte den Papierverbrauch in einem knappen Jahr um fast 70%. Bildungs- und Beratungsunterlagen werden digital übermittelt, es wird ressourcenschonend gedruckt.
  • Angepasste Entsorgung: Papierhandtücher kommen ins Altpapier und können somit wiederverwertet werden.
  • Zertifizierte Reinigungsmittel: Für Reinigungsmittel sowie Raumduft sind nur mehr mit EU ecolabel zertifizierte Produkte im Einsatz.
  • Mehr Bahn und Fahrrad: Nach Auswertung von typischen Mobilitätsszenarien gibt es erste Alternativen für Dienstreisen der Geschäftsführung und Kund_innenbetreuung. Für häufig befahrene Strecken, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln ohne bedeutsamen Zeitverlust zurückgelegt werden können, wird vermehrt Bus und Bahn gewählt. So sparen zentrale Bereiche bei Dienstreisen zwischen Graz und Wien etwa 62 kg CO2 auf einer Strecke. Die Geschäftsführung legt innerstädtische Wege vermehrt zu Fuß oder mit dem Rad zurück und gibt damit eine wichtige Vorbildwirkung.
  • Effiziente Elektrogeräte: Für Foto- und Kamerastudio gibt es nur mehr energieeffiziente LED-Beleuchtung. Ein Gerät für unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) wurde ausgetauscht - es braucht weniger Strom und hat die gleiche Leistung.
  • Schneller in den Standby-Modus: Computer/Laptops sind so eingestellt, dass sie sich nach einer gewissen Zeit ohne Nutzung in den Standby-Modus versetzen.

Ausblick und Anregungen

Nach dem intensiven Start mit spürbaren Veränderungen plant das Unternehmen für das kommende Jahr noch weitere Aktivitäten für den Klimaschutz - insbesondere in den Bereichen externe Kommunikation und Verankerung der Thematik im Qualitätsmanagementsystem. Nach dem Pilotprojekt in der Zentrale werden die Maßnahmen auf alle Geschäftsbereiche des Unternehmens ausgeweitet werden. Auch weitere Schritte zur klimafreundlichen Mobilität soll es geben.

 

alea + partner weist in Bildung- und Beratungskonzepten zudem stets auf Umwelt- und Klimaaktivitäten des Unternehmens hin, um anzustoßen, diese in zukünftigen öffentlichen Ausschreibungen mehr Bedeutung zuzumessen. Bisher ist dies noch nicht der Fall. Parkplätze für Elektroautos, geschützte Fahrradabstellplätze, Workshopangebot mit Klima-Thematik, überfachliche Kompetenzen im Klimabereich, Infoschilder zu Klima-Fakten etc. könnten zukünftig vermehrt Berücksichtigung in öffentlichen Ausschreibungen finden, damit Klimaschutz in der Erwachsenenbildung gefördert wird.

 

Über die Autorinnen

Éva Kristofori-Wallek ist als pädagogische Leitung in der alea Gruppe tätig und als Trainerin nach wie vor in Train-the-Trainer_innen Formaten engagiert. Als Teilnehmerin im Projekt Klimaschutz in Training und Beratung wurde sie bei der Ich tu´s Fachtagung des Landes Steiermark als Ich-tu´s-Bildungspartnerin ausgezeichnet. Andrea Widmann koordiniert das Projekt Klimaschutz in Training und Beratung gemeinsam mit Ecoversum.

Éva Kristofori-Wallek (links) und Andrea Gössinger-Wieser, Klimaschutzkoordinatorin Land Steiermark (rechts), bei der Auszeichnung von Kristofori-Wallek als Ich-tu´s-Bildungspartnerin. (Foto: Alle Rechte vorbehalten, Helmut Lungerhammer, http://www.lunghammer.at/)

 

Serie zu Klima- und Umweltschutzbildung auf erwachsenenbildung.at

Hochwasser, Waldbrände, Hungersnot – Expert*innen der Klimaforschung warnen vor den Folgen extremer Wettereignisse durch den Klimawandel. Verschiedene politische Strategien wie etwa der UN-Aktionsplan Agenda 2030 versuchen, dieser Herausforderung zu begegnen. Dabei sehen sie auch Bildungsinstitutionen gefordert, Aufklärungsarbeit zu leisten, Diskurse zu ermöglichen und "grüne" Kompetenzen zu fördern. Wo setzt hier die Erwachsenenbildung an? In der Serie "Klima- und Umweltschutzbildung" versammeln wir Beiträge, die sich dieser Frage widmen und Antworten geben.

Creative Commons License Dieser Text ist unter CC BY 4.0 International lizenziert.
Verwandte Artikel
esf logoESF 2014-2022