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Frauengesundheit in the air: Gesundheitskompetenz über das Radio

27.04.2022, Text: Jennifer Friedl, Redaktion/CONEDU
Einmal pro Monat informieren Expert*innen über Themen rund um die Gesundheit von Frauen.
  • Aufnahmestudio mit Mikrofon Foto: Pixabay Lizenz, Benjamin Hartwich, https://pixabay.com
    "Frauengesundheit in the air" wird jeden ersten Mittwoch im Monat ab 17:30 Uhr über die Radiofabrik ausgestrahlt.
Die von Aline Halhuber-Ahlmann und Marietta Hajek (FrauenGesundheitsZentrum Salzburg) gestaltete Sendung "Frauengesundheit in the air" wird jeden ersten Mittwoch im Monat ab 17:30 Uhr über die Radiofabrik ausgestrahlt. Die Sendung stammt aus der Reihe "Frauen*zimmer" und möchte über Themen, die die Frauengesundheit betreffen, informieren, aber auch einen kritischen Blick auf den Zusammenhang von Gesundheitskompetenz und Geschlecht werfen. Interessierte können bereits ausgestrahlte Sendungen nachhören. Ein Einblick in das Programm:

Gesundheitsnormen stellen männlichen Körper ins Zentrum

Anlässlich des 8. März, an dem jährlich der internationale feministische Kampftag stattfindet, widmete sich eine Sendung dem Zusammenhang von Feminismus und Frauengesundheit. Im Gespräch berichtet Aline Halhuber-Ahlmann über ihre Erfahrungen aus 25 Jahren Frauengesundheitsarbeit. Feminismus bezeichnet sie als theoretisches Konzept, das gesellschaftliche Verhältnisse hinterfragt und eine grundlegende Voraussetzung für die Verbesserung von Frauengesundheit darstellt.

Besonders in den letzten Jahren fänden laut Halhuber-Ahlmann vermehrt Diskussionen zu Gender und Gesundheit statt, die aufzeigen, dass Gesundheitsnormen und die damit zusammenhängende Forschung ihren Fokus lange Zeit auf den männlichen Körper legten. Ein Umdenken diesbezüglich im öffentlichen und gesellschaftspolitischen Diskurs kann für Frauen und non-binäre Personen sogar lebensrettend sein, so die Mitarbeiterin des Frauengesundheitszentrums Salzburg.

Als wichtige Meilensteine für die selbstbestimmte Gesundheit von Frauen in Österreich nennt sie z.B. die Errungenschaften in der Amtszeit der ehemaligen Frauenministerin Johanna Dohnal, wie z.B. die Eröffnung des ersten Frauenhauses in Österreich (1978), die Straffreiheit für Schwangerschaftsabbruch (1975) oder Vergewaltigung in der Ehe als Straftatbestand (1989).

Psychische Gesundheit im Arbeitsleben: Frauen stellen Weiterentwicklung in den Hintergrund

In einer weiteren Sendung thematisieren die Sendungsgestalterinnen gemeinsam mit Karin Hagenauer von der Arbeiterkammer Salzburg psychische Gesundheit im Arbeitsleben. Laut Hagenauer hat sich die Arbeitswelt durch die Corona-Pandemie in den letzten zwei Jahren für viele Menschen grundlegend geändert. Frauen sehen sich durch Homeoffice, Betreuung von Homeschooling und Arbeit im Haushalt mit verstärkten Vereinbarkeitsfragen konfrontiert. Dies mündete für die meisten Frauen in massiver psychischer Belastung. Ein Aspekt, der dabei häufig übersehen wird, ist laut den Sendungsgestalterinnen der zusätzliche gesellschaftliche Druck auf Frauen, nach außen die eigene Funktionsfähigkeit und die Handhabbarkeit des eigenen Alltags zu demonstrieren.

Die Arbeiterkammer Salzburg erhebt jedes Jahr den Arbeitsklimaindex. Dieser zeigt z.B., dass sich jede fünfte Frau für ihre derzeitige Arbeitsstelle überqualifiziert wahrnimmt, allerdings aufgrund von wenig optimistischen Zukunftsaussichten keinen Wechsel der Arbeitsstelle in Erwägung zieht. Jede zweite Frau erwartet, keinen angemesseneren Job zu finden, berichtet Hagenauer weiter über den Index. Frauen zeigen sich außerdem dankbar, wenn der Job mit der Arbeit im Haushalt vereinbar ist. Entwicklungschancen und persönliche Entfaltung stehen im Hintergrund. Dies hänge mit der weiblichen Geschlechterrolle zusammen, die vorsieht, sich mit möglichst wenig zufrieden zu geben, so Hagenauer. Weitere Gründe dafür sind fehlende Unterstützung auf persönlicher und politischer Ebene.

Arbeitspsychologische Beratungen der Arbeiterkammer verfolgen das Ziel, Frauen in belastenden Situationen zu unterstützen und ihnen Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen und damit zusammenhängende Kompetenzen zu fördern, so Hagenauer in der Folge. Gemeinsam besprechen die Mitarbeiterinnen und Klientinnen, wie Gespräche mit Arbeitgeber*innen ablaufen können, welche Änderungen es braucht, um Ausgleiche zu schaffen und inwiefern eine Besserung der Situation erreichbar wird.

Projekt "SelbstWert": Junge Frauen dort erreichen, wo sie sind

Ein Projekt des Frauengesundheitszentrums Salzburg möchte junge Frauen dabei unterstützen, mehr Selbstwert aufzubauen. In Beratungen und Workshops haben die Frauen die Möglichkeit, sich über z.B. Sexualität, Prävention von Essstörungen oder Verhütung zu informieren und persönliche Fragen aus ihrem Leben an eine klinische Psychologin zu stellen. In einer Folge wird das Projekt vorgestellt.

In der Sendung widmen sich die Sprecherinnen einem kritischen Blick auf die Auswirkungen des Internets, und insbesondere Social Media, auf junge Frauen. Besonders in den letzten Jahren führe die erhöhte Bedeutung von Social Media zu einem permanenten Selbstoptimierungsdruck und einer Wettbewerbsmentalität, die sich nicht nur auf den beruflichen Bereich, sondern auch auf z.B. Hobbies ausweitet und zu Frustration und anderen negativen Emotionen führt, die Bearbeitung brauchen.

Eine Methode, die die Mitarbeiterinnen des Projekts anwenden, ist der sogenannte Erste-Hilfe-Koffer, über den Julia Fallend und Laura Trattner (Frauengesundheitszentrum Salzburg) berichten. Dieser kommt zum Einsatz, wenn sich junge Frauen in einer psychisch belastenden Situation wiederfinden. Mithilfe des Koffers werden sie dazu angehalten, sich selbst besser kennenzulernen und herauszufinden, was ihnen guttut. Wichtig sei hier, einen großen Pool an Möglichkeiten zu kreieren, um auf unterschiedliche Ressourcen zurückgreifen zu können. Eine weitere Initiative ist das "SelbstWert-Mobil", ein Auto, in dem die Mitarbeiterinnen kostenlose Hygieneartikel für Frauen ausliefern. Das SelbstWert-Mobil kann in Kombination mit Workshops, Beratungen oder persönlichen Gesprächen von z.B. Einrichtungen in Anspruch genommen werden.

Quelle: EPALE E-Plattform für Erwachsenenbildung in Europa
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