Teilen und beteiligen
Paradebeispiele von Beteiligung
Auch in Bibliotheken wird Partizipation immer öfter zum Thema. Mehr noch, in Österreich sind sie geradezu Paradebeispiele der Beteiligung. Das öffentliche Bibliotheksnetz ist erst durch eine besondere Form der Beteiligung, nämlich das Ehrenamt, so dicht gespannt. Laut der österreichischen Büchereistatistik 2018 sind 8.654 MitarbeiterInnen – von insgesamt 10.049 – ehrenamtlich in öffentlichen Bibliotheken tätig. Mit 1.119 Standorten sind über 80 Prozent der 1.383 öffentlichen Bibliotheken ehrenamtlich oder nebenberuflich geführt. Das starke Engagement macht eine flächendeckende Literaturversorgung in diesem Land möglich.
Bibliothek und Gesellschaft mitgestalten
Beteiligung umfasst vieles: das grundlegende freiwillige Engagement von Menschen, die ehrenamtlich eine Bibliothek ins Leben rufen, betreiben oder darin arbeiten; die Zeitspenden von Menschen, die dort als Lesepatin oder Bücherbote aktiv sind. Ebenso umfasst es Beteiligungsformate, die Bibliotheken ihren NutzerInnen in den letzten Jahren vermehrt anbieten: das Jugendteam, das sich selbst einen eigenen Bereich schafft, Medien auswählt, Veranstaltungen organisiert; die Gruppe von BürgerInnen, die an der Gestaltung der neuen Bibliothek mitwirkt.
Neben Beteiligungsprojekten "in eigener Sache" können auch Themen abseits der Bibliothek im Zentrum stehen. So stellen manche Bibliotheken Räume zur Verfügung, wo beispielsweise ein Stadtplanungsprojekt oder eine Zukunftswerkstatt durchgeführt werden.
Aktiv werden, teilen und tauschen
Das Bild der Bibliothek als reiner stiller Leseort ist schon lange nicht mehr aktuell. Öffentliche Bibliotheken charakterisieren sich vermehrt als Orte der Begegnung, an denen Menschen aufeinandertreffen und gemeinsam unterschiedliche Aktivitäten durchführen. Indem sie etwa gemeinsames Gärtnern, Repair-Cafés oder Makerspaces anbieten, rufen Bibliotheken ihre NutzerInnen zur Beteiligung auf. Auf diese Weise kommen Menschen zusammen, werden aktiv, teilen Materialien, Werkzeug und Wissen. Beteiligung vermischt sich in der gemeinsamen Nutzung von Raum, Infrastruktur und Know-how zunehmend mit einem anderen Phänomen, in dem sich Bibliotheken ganz traditionell bewähren: dem des Teilens, das mit der "Sharing"-Bewegung aktuell im Trend liegt.
Niederschwellig und nachhaltig
Informationen und Wissen zu teilen ist die Grundidee von Bibliotheken. Heute werden neben Büchern auch andere Dinge geteilt: Zusätzlich zu einer Vielzahl von Medien kann man in manchen Bibliotheken alltagspraktische, aber selten benötigte Gegenstände wie eine Bohrmaschine ausleihen. Offene Bücherkästen laden zum freien Austausch von Literatur. Während in der wachsenden "Sharing Economy" mit großen Plattformen wie den bekannten Beispielen Uber und Airbnb vor allem geschäftliche Interessen im Vordergrund stehen, liefern Bibliotheken auch hier gekonnt ein niederschwelliges, nachhaltiges und nicht kommerzielles Angebot.
Gesellschaftspolitische Verantwortung
Teilen und beteiligen: In der aktuellen Ausgabe der Büchereiperspektiven werden in unterschiedlichen Beiträgen aus Theorie und Praxis zwei gesellschaftliche Bewegungen beleuchtet, die sich aktuell in der Bibliothek widerspiegeln, aber auch traditionell fest dort verankert sind. ExpertInnen erklären die Hintergründe, das Spektrum der Fallbeispiele reicht von Mitmachformaten bis zu nachhaltigen Tausch- und Teilangeboten.
Öffentliche Bibliotheken zeigen einmal mehr ihr Verständnis und ihre Präsenz als offene, demokratische Orte. Sie ermöglichen Teilhabe, Beteiligung und Austausch. Dabei erreichen sie eine breite Vielfalt von Menschen aller Altersgruppen, Herkünfte und Hintergründe – und beweisen erneut, dass sie gesellschaftspolitische Verantwortung übernehmen und für ein Mehr an sozialem Kontakt und Miteinander stehen.
Die Ausgabe können Sie über den Bestellservice anfordern oder online lesen.
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