Magazin erwachsenenbildung.at
Autor*innen: Hannah Rosenberg

Kinderverschickung als kritisches Lebensereignis

Prägende Erfahrung im Lebensverlauf

Rosenberg, Hannah (2026): Kinderverschickung als kritisches Lebensereignis. Prägende Erfahrung im Lebensverlauf. In: Magazin erwachsenenbildung.at. Das Fachmedium für Forschung, Praxis und Diskurs. Ausgabe 57, 2026. Online: https://erwachsenenbildung.at/magazin/ausgabe-57.
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Hannah Rosenberg befasst sich in ihrem Beitrag mit den biografischen Lern- und Bewältigungsprozessen ehemaliger „Verschickungskinder“, die in ihrer Kindheit oft Unrecht und Gewalt in Kurheimen erfuhren. Als „Verschickungskinder” werden jene Kinder bezeichnet, die nach dem Kriegsende 1945 bis in die 1990er Jahre in bundesdeutsche Kinderkurheime entsandt wurden. Theoretisch fundiert im Life Course Approach, wird dargelegt, wie diese kritischen Lebensereignisse die gesamte Biografie beeinflussen und oft erst Jahrzehnte später umfassende Bewältigungsprozesse initiieren. Empirisches Material aus biografisch-narrativen Interviews verdeutlicht die lebenslangen Lern- und Bewältigungsprozesse im Erwachsenenalter. Ein zentraler Fokus liegt auf der sozialen Interaktion, da Betroffene Heilung und Handlungsautonomie vor allem durch den Austausch in Selbsthilfegruppen und durch die kollektive Aufarbeitung finden. Die Suche nach Beweisen und der Besuch ehemaliger Heime dienten laut Hannah Rosenberg dabei als wichtige Schritte, um die eigene Vergangenheit zu validieren und das Erlebte in den zeitgeschichtlichen Kontext einzuordnen. Letztlich betont die Autorin, dass die gesellschaftliche Anerkennung des Unrechts und der Gewalt eine essenzielle Ressource für die individuelle Bewältigung darstelle. Die Untersuchung verdeutlicht zudem, dass Lernen im Erwachsenenalter oft jenseits von Institutionen als tiefgreifende Auseinandersetzung mit der eigenen Lebensgeschichte stattfindet. (Red.)

English Abstract

Kinderverschickung (sending away of children) as a critical life Event - A formative experience in the life course

In this article, Hannah Rosenberg is concerned with the biographical learning and coping processes of former Verschickungskinder, children who often experienced wrongdoing and violence in sanatoriums during their childhood. Verschickungskinder refers to children who were sent to live in sanatoriums for children run by the West German government from the end of the war in 1945 to the 1990s. The life course approach explains the theory behind how these critical life events influence a person’s overall biography and extensive coping processes are often not initiated until decades later. Empirical material from biographical and narrative interviews clearly show the lifelong learning and coping processes during adulthood. Because the individuals affected find healing and autonomy of action above all through exchange in self-help groups and collective reappraisal, the focus is on social interaction. According to Rosenberg, the search for evidence and the visit to former homes served as important steps towards validating their own past and fitting what they had experienced into the context of contemporary history. Finally, the author emphasises that societal recognition of this wrongdoing and violence represents an essential resource for individual coping. Her examination also makes clear that learning in adulthood often takes place outside of institutions as an in-depth analysis of one’s own life history. (Ed.)
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