Magazin erwachsenenbildung.at
Autor*innen: Katrin Kraus

Zugänge zum Lebenslangen Lernen

Ambivalenzen einer gesellschaftlichen Leitidee

Kraus, Katrin (2026): Zugänge zum Lebenslangen Lernen. Ambivalenzen einer gesellschaftlichen Leitidee. In: Magazin erwachsenenbildung.at. Das Fachmedium für Forschung, Praxis und Diskurs. Ausgabe 57, 2026. Online: https://erwachsenenbildung.at/magazin/ausgabe-57.
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Lebenslanges Lernen hat sich als gesellschaftliche Leitidee etabliert, doch das wissenschaftliche Verhältnis dazu bleibt ambivalent. Katrin Kraus geht in ihrem Beitrag auf die Hintergründe dieses nicht widerspruchsfreien Verhältnisses ein, die auch im Lebenslangen Lernen selbst liegen. Sie analysiert die mit dem Lebenslangen Lernen einhergehenden Ambivalenzen im Kontext gesellschaftlicher Veränderungen. Die Autorin beleuchtet, wie internationale Organisationen (z.B. die EU oder die UNESCO) Bildungsprogramme prägen, und betont deren widerstreitende Interessen zwischen demokratischer Entfaltung und ökonomischer Verwertung. Lebenslanges Lernen entsteht aber auch über einen Zusammenhang verschiedener pädagogischer und sozialer Praktiken über alle Lebensphasen hinweg, wobei gerade Übergänge im Lebenslauf zentrale Lernanlässe darstellen und die Zugänge und Möglichkeiten des Lernens auch soziale Ungleichheiten spiegeln. Lernen findet nicht nur in Bildungsinstitutionen, sondern auch eingebettet in andere Kontexte wie Arbeit oder Familie statt. Iterative Bildung konkretisiert Lebenslanges Lernen in der Erwerbstätigkeit, indem sie Lernen wiederkehrend über die gesamte Erwerbsbiografie hinweg konzipiert. Mit dem Lebenslangen Lernen sind unauflösbare Widersprüche verbunden: Der Eröffnung von Gestaltungs- und Entwicklungsmöglichkeiten stehen steigender Anpassungsdruck, Individualisierung von Verantwortung und die Verstetigung sozialer Ungleichheit gegenüber. Final plädiert die Autorin für eine wissenschaftlich differenzierte Auseinandersetzung mit dem vielschichtigen Phänomen Lebenlangen Lernens. (Red.)

English Abstract

Access to Lifelong Learning. Ambivalence surrounding a guiding principle of society

Lifelong learning has established itself as a guiding principle of society, yet the academic relationship to it remains ambivalent. In her article, Katrin Kraus explores the background of this inconsistent relationship, which is also inherent to lifelong learning itself. She analyses the ambivalence associated with lifelong learning in the context of societal changes. The author illuminates how international organisations (e.g., the EU or UNESCO) shape educational programmes and emphasizes their conflicting interests between democratic development and economic exploitation. Yet lifelong learning also emerges from the interplay of different educational and social practices throughout all phases of life; transitions in one’s life course in particular represent central opportunities for learning, and access to and opportunities for learning also reflect social inequalities. Learning doesn’t take place just in educational institutions; it is also embedded in other contexts such as the workplace or family life. Iterative education puts lifelong learning in gainful employment in concrete terms by conceiving learning as a process that recurs throughout an individual’s entire professional biography. Unresolvable contradictions are associated with lifelong learning: The opening up of opportunities to shape and develop lifelong learning stands in opposition to a growing pressure to conform, an individualisation of responsibility and the perpetuation of social inequality. Finally, the author argues for an academically nuanced examination of the complex phenomenon of lifelong learning.
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