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Auf den Menschen zugehen

09.07.2013, Text: Andreas Polsterer, Netzwerk Bildungsberatung - ÖSB
Wie Bildungsberatung mobil wird und KlientInnen vor Ort aufsuchen kann, war kürzlich Gegenstand eines Vernetzungstreffens.
Vergangenen Juni trafen sich die Bildungs- und BerufsberaterInnen zum 15. überregionalen Vernetzungstreffen in Graz, um unter dem Motto "Auf den Menschen zugehen" das Potential aufsuchender und mobiler Ansätze für die Bildungsberatung zu diskutieren. Für interessierte LeserInnen stehen die Konferenzdokumentation sowie die Projektunterlagen am Ende des Artikels zum Download bereit.

 

Jede Person, die Unterstützung bei Entscheidungen im Bereich Bildung und Beruf sucht, kann in Österreich kostenlose Bildungsberatung in Anspruch nehmen. Viele BildungsberaterInnen erleben jedoch, dass eine Gruppe von Menschen selten den Weg in die Bildungsberatung findet: Diejenigen, die wenig Vertrauen in institutionelle Bildung haben und von (formalen) Bildungsangeboten abstinent bleiben. Diese Personen sind überdurchschnittlich oft sozial benachteiligt bzw. stammen aus unterprivilegierten sozialen Milieus. Die dokumentierten KlientInnenzahlen zeigen, dass nur sechs bis acht Prozent der bildungsbenachteiligten Personen ohne Pflichtschulabschluss an Bildungsberatungen teilnehmen.

Gesellschaftliche Hinderungsgründe für benachteiligte Personengruppen
Im Rahmen des 15. überregionalen Vernetzungstreffens trafen sich Bildungs- und BerufsberaterInnen, um sich im Sinne des Mottos der Veranstaltung „Auf den Menschen zugehen“ über die Chancen und Herausforderungen von mobilen und aufsuchenden Ansätzen als neue Wege der Bildungs- und Berufsberatung für den Zugang zu diesen „bildungsabstinenten“ Gruppen auszutauschen. Sie befassten sich dabei unter anderem mit der Relevanz von soziokulturellen Faktoren und sozialen Milieus in Zusammenhang mit der Erreichung von tedenziell schwer fassbaren Zielgruppen.

Die bessere Erreichbarkeit sozial benachteiligter Gruppen durch öffentliche Bildungs(beratungs)angebote ist von allen beteiligten Akteuren als dringliche Herausforderung in Angriff zu nehmen. Dies wurde bereits durch die Begrüßungsworte von Regina Barth, Leiterin der Abteilung Erwachsenenbildung im BMUKK, und von Rudolf Götz, ÖSB Consulting, verdeutlicht.

Vielfältige Zugänge zum Thema – neue Aufgaben für die Beratung
Die bunte Mischung der Konferenzinhalte – sowohl Fachinputs als auch Präsentationen von laufenden Projekten mit individuellen Angeboten für spezifische Zielgruppen – sollte den TeilnehmerInnen verdeutlichen, auf welche Weise bildungsbenachteiligte Personen angesprochen werden können und warum das wichtig ist.

Zur Erreichung von sozial benachteiligten Zielgruppen können auch neue bundesweite Programme wie etwa fit2work und Jugendcoaching eine Rolle für die Bildungsberatung spielen. Aus diesem Grund nahmen Wolfgang Pammer (BSB Graz) und Katrin Fliegenschnee (KOST Übergang Schule und Beruf) an dem Vernetzungstreffen teil, um ihre Programme vorzustellen und auf Wechselwirkungen bzw. Spannungsfelder mit der Bildungsberatung hinzuweisen.

Vom theoretischen Diskurs…
Anregung zur Reflexion des eigenen Standpunkts bot der Impulsvortrag von Manfred Krenn (FORBA), der die Bedeutung des Zusammenhangs von sozialer Herkunft und individuellem Weiterbildungsverhalten für die Bildungsberatung klar herausstrich. Manfred Krenn sorgte mit seiner Präsentation über milieuspezifische Gründe für Bildungsabstinenz für den wissenschaftlich-theoretischen Rahmen der Veranstaltung. Als Grundlage dafür diente seine Studie „Weiterbildungsabstinenz und Milieuzugehörigkeit in Wien“, die im November 2012 erschienen ist.

Erika Kanelutti-Chilas (in between) ergänzte in ihrem Beitrag individuelle und milieubedingte Hinderungsgründe, die das Interesse an einer Teilnahme an Weiterbildung bzw. Bildungsberatung unterbinden, und präsentierte spezifische Lösungsvorschläge auf unterschiedlichen Ebenen, um einen „niederschwellige“ Zugang zur Bildungsberatung zu ermöglichen.

…zur praktischen Umsetzung
 Die Präsentation und Diskussion verschiedener Praxisbeispiele zeigte, dass die Anbieterorganisationen bereits vielfach neue Wege beschreiten um mittels mobiler und aufsuchender Ansätze Brücken in Lebenswelten zu bauen und auf Menschen zuzugehen, die mangels Vertrauen den Angeboten der formalen Bildung distanziert gegenüber stehen.

In fünf verschiedenen Workshops wurden unterschiedlichste Projekte und Ansätze vorgestellt und präsentiert:

 

  • Bildungsberatung mobil – Bildung in den öffentlichen Raum tragen
  • Hingehen statt kommen lassen – Mobile und aufsuchende Ansätze in der Bildungsberatung
  • Arbeit mit BildungslotsInnen und MultiplikatorInnen – Peer-Ansätze in der Bildungsarbeit mit MigrantInnen
  • Mobile und aufsuchende Bildungs-arbeit in ländlichen Regionen 
  • Für (Basis-)Bildung sensibilisieren

 

Die Unterlagen zu den Workshops stehen am Seitenende zum Download bereit.


Forum für Austausch und Reflexion
Das Vernetzungstreffen der Bildungs- und BerufsberaterInnen wird vom BMUKK, Abt. Erwachsenenbildung veranstaltet und findet alle zwei Jahre an wechselnden Veranstaltungsorten statt. Den zahlreich erschienen BildungsberaterInnen und ExpertInnen diente das am 3. und 4. Juni in Graz zum 15. Mal stattgefundene Treffen als Forum für Diskussionen, Reflexion und regen Austausch.

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