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Beliebtheit österreichischer Büchereien steigt

07.01.2013, Text: Thomas Sommerer, Online-Redaktion
Die Bibliotheksstatistik zeigt: Die Büchereien in Österreich wachsen, müssen sich aber mit der Digitalisierung des Buchmarktes auseinandersetzen.
In der aktuellen Ausgabe der "Büchereiperspektiven" veröffentlichte der Büchereiverband Österreich vergangenen Herbst eine Auswertung der Bibliotheksstatistik für 2011. Die Statistik zeigt, dass öffentliche Bibliotheken in Österreich nach wie vor sehr gefragt sind. Keine andere Bildungseinrichtung außerhalb des Schulsystems erreicht so viele Menschen wie die öffentlichen Bibliotheken. Erhoben wurde die Nutzung der österreichischen Bibliotheken als auch der geographische Unterschied und die Geschlechterverteilung bei BibliothekarInnen und NutzerInnen. Allerdings gibt es auch Herausforderungen: Mit der Digitalisierung des Buchmarktes und finanziellen Einsparungen werden sich Österreichs Bibliotheken in Zukunft vermehrt auseinandersetzen müssen.

Steigende Zahlen
Wer glaubt, dass Bibliotheken in Zeiten des E-Books am Aussterben sind, hat weit gefehlt. Eine Erhebung des Bücherverbands Österreichs (BVÖ) hat gezeigt, dass die öffentlichen Bibliotheken im Jahr 2011 in allen Bereichen zulegen konnten. BesucherInnen und BenutzerInnen strömten dem Bericht zufolge mehr in die (öffentlichen) Bibliotheken des Landes als in den Jahren davor. Fast eine Million eingeschriebene NutzerInnen und fast 10 Millionen BesucherInnen zeigen einen deutlichen Anstieg von durchschnittlich 6,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch die Entlehnungen sind im Jahr 2011 angestiegen. Rund 21 Millionen verschiedene Medien wurden ausgeborgt. Die Auswahl ist durchaus vielfältig, neben dem bekannten Medium der Bücher zählen auch Audio-CDs, DVDs und BlueRays zu beliebten Ausleihmedien.

Bibliotheken sind weiblich
Fast zwei Drittel aller NutzerInnen sind weiblich. Während bei Kindern das Geschlechterverhältnis noch fast ausgeglichen ist, wächst das Ungleichverhältnis der Nutzung von Bibliotheken mit dem Alter. So sind über 70 Prozent der erwachsenen NutzerInnen weiblich. Dieses Bild zeigt sich auch verstärkt am Personal, das in den öffentlichen Bibliotheken tätig ist. Die Bibliotheken werden nämlich fast zur Gänze von Frauen betreut, nur 10 Prozent des Personals sind männlich.

Keine gesetzlichen Rahmenbedingungen
In Österreich gibt es, im Gegensatz zu europäischen Nachbarländern, keine Bibliotheksgesetze oder verpflichtende Standards für öffentliche Bibliotheken. Daher unterscheidet sich die Qualität der Bibliotheken je nach Träger und Bundesland. Die drei großen Träger von Bibliotheken sind kommunale Träger (wie bei Stadtbibliothek oder Gemeindebibliothek), die Kirchen und ArbeitnehmerInnenorganisationen. Immer öfter kommt es zu Kooperationen zwischen den Trägerschaften, um sich die Kosten teilen zu können. Aufgrund der fehlenden Regelungen gibt es auch einen hohen Unterschied hinsichtlich der Finanzierung zwischen den Bundesländern. An der "finanziellen Spitze" der Bibliotheken befinden sich Vorarlberg und Wien, Schlusslicht ist das Burgenland. Dort lagen die durchschnittlichen Gesamtausgaben im Jahr 2011 für öffentliche Bibliotheken bei 1,77 Euro pro EinwohnerIn während der österreichische Durchschnitt bei 6,87 Euro lag.

Zukünftige Herausforderungen
Gerald Leitner, Geschäftsführer des BVÖ, sieht zwei große Herausforderungen auf Österreichs Bibliotheken zukommen. Zum einen zeichnen sich Einsparungen an Bildungseinrichtungen ab. Leitner betont die Wichtigkeit von Bildung und, dass ohne Investition in Bildungseinrichtungen wie Bibliotheken die gesellschaftliche Entwicklung gebremst werde: "Der Politik das klarzumachen, wird unsere Aufgabe sein". Die Ausweitung des E-book Marktes ist eine weitere Entwicklung, die Leitner und sein Team fordern werden: "Wenn der E-book Anteil stark steigt, bringt das die Bibliotheken in eine dumme Situation", befürchtet Leitner. Denn urheberrechtlich betrachtet ist ein E-book etwas ganz anderes als ein normales Buch. Bei Büchern kann der/die BibliothekarIn bestimmen, was in die Bücherei kommt, darauf hat der Verlag keinen Einfluss. Das ist bei E-books anders: Hier kann der Verlag entscheiden, ob er die Lizenz an Büchereien weiter verkauft oder nicht. "Das zerstört eigentlich den sinnvollen Aufbau von E-book libaries" erklärt Leitner.

Quelle: Leitner, Gerald/Pascher, Franz: Büchereien legen weiter zu. Statistik Öffentlicher Bibliotheken und Schulbibliotheken in Österreich 2011. Büchereiperspektiven, 2012, Heft 3, S.38-44. - red. Zusfsg.
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