Neuer Zertifikatslehrgang für ehrenamtliche Bildungswerkleitungen

19.10.2026, Text: Marlene Klotz, Salzburger Bildungswerk/Ring ÖBW
Wie lässt sich ehrenamtliches Engagement sichtbar machen und für die persönliche wie berufliche Entwicklung nutzen? Das Salzburger Bildungswerk hat ein neues Zertifizierungsprogramm für ehrenamtliche Bildungswerkleitungen entwickelt.
Die Bildungswerkleiterinnen (v.l.n.r.) Berta Altendorfer (Mattsee), Barbara Bachler (Abtenau), Theresia Innerhofer (Hollersbach) und Ursula Steingruber-Kaiser (Oberalm) haben als erste Absolventinnen ihr Zertifikat erhalten.
Foto: Alle Rechte vorbehalten, Michael Vogl, auf erwachsenenbildung.at

Ehrenamtliche Bildungsarbeit braucht gute Organisation, Kommunikationsfähigkeit, Kreativität und die Bereitschaft, auf Menschen zuzugehen. Bildungswerkleitungen, die Erwachsenenbildungsprogramme in ihren Gemeinden organisieren, erwerben somit vielfältige Kompetenzen. Doch vieles davon bleibt im Alltag unsichtbar – auch für die Engagierten selbst.
Hier setzt das neue und kostenlose Zertifizierungsprogramm des Salzburger Bildungswerks an. Es macht Erfahrungen und Kompetenzen sichtbar und bietet Ehrenamtlichen die Möglichkeit, die eigene Arbeit zu reflektieren und sich gezielt weiterzuentwickeln.

Was steckt im Zertifizierungsprogramm?

Das Zertifizierungsprogramm richtet sich an aktive ehrenamtliche Bildungswerkleitungen in den Salzburger Gemeinden, die seit mindestens eineinhalb Jahren in dieser Funktion tätig sind. Sie sind für die Organisation von Bildungsveranstaltungen – vom Vortrag zum Thema Künstliche Intelligenz bis hin zum Schreibworkshop – zuständig.
Der Weg zum Zertifikat umfasst mehrere Bausteine: Die Teilnehmenden dokumentieren ihre Bildungsangebote, reflektieren ihre Tätigkeit und nehmen an einem vierstündigen Kompetenzworkshop teil. Bei einer Hospitation in einem anderen örtlichen Bildungswerk lernen sie zudem neue Veranstaltungsformate und Arbeitsweisen kennen. Der Austausch mit anderen Ehrenamtlichen eröffnet dabei neue Perspektiven auf die eigene Bildungsarbeit.
Das Programm ist von der Weiterbildungsakademie Österreich (wba) mit 5,5 ECTS akkreditiert. Vier ehrenamtliche Bildungswerkleiterinnen aus Salzburg haben das Programm bereits erfolgreich absolviert.

Eigene Stärken erkennen und neue Formate kennenlernen

Wie wertvoll es sein kann, die eigene Arbeit genauer unter die Lupe zu nehmen, zeigt Absolventin Berta Altendorfer aus Mattsee: „Durch den Lehrgang sind mir meine Fähigkeiten in Kommunikation, Kooperation und Teamarbeit noch bewusster geworden.“ Zudem hat sie Inspirationen für die eigene Bildungsarbeit erhalten: Eine Hospitation bei den „Wallersee_Gesprächen“, einer Veranstaltungsreihe des Bildungswerks Seekirchen im Strandbad, inspirierte sie dazu, ein ähnliches Veranstaltungsformat mit Lesung und anschließender Diskussion künftig auch in ihrem Bildungswerk in Mattsee zu planen.
Altendorfer sieht im Programm einen Gewinn: „Ein Lehrgang wie dieser ist eine Bereicherung für alle, die sich in der Erwachsenenbildung engagieren – Bildung und Ehrenamt stärken einander.“

Neue Kompetenzen erwerben

Die Zertifizierung beschränkt sich nicht darauf, bereits vorhandene Fähigkeiten zu dokumentieren. Im Austausch mit hauptamtlichen Mitarbeiterinnen des Salzburger Bildungswerks wird überlegt, welche Weiterbildung für die jeweilige Person sinnvoll ist. Wer beispielsweise sicherer präsentieren, moderieren oder vor Publikum sprechen möchte, kann passende Angebote vom Salzburger Bildungswerk finanziert bekommen.
Barbara Bachler, Bildungswerkleiterin von Abtenau, hat diese Möglichkeiten als besonders hilfreich erlebt: „Zuerst meldete ich mich aus Neugier und mit einem Achselzucken unter dem Motto ‚Mach ich halt mal‘ für die Zertifizierung an. Danach war ich überrascht, was ich mir daraus mitnehmen konnte.“ 
Im Rahmen der Zertifizierung bildete sie sich in einem professionellen Coaching zu Präsentation, Sprache und Auftreten weiter: „Die Möglichkeit des Coachings war und ist für mich eine Hilfe beim Auftritt vor Publikum und stärkt das Selbstbewusstsein.“

Lernen kennt kein Alter

Dass persönliche Weiterentwicklung in jeder Lebensphase möglich ist, hebt Teilnehmerin Ursula Steingruber-Kaiser aus Oberalm hervor: „Die Möglichkeit, sich auch im Ruhestand ein erreichbares Ziel zu setzen und sich damit weiterzubilden, war neben dem optionalen Rhetorikseminar eine neue Herausforderung, um meine Arbeit als Bildungswerkleiterin sichtbar zu machen.“
Die Auseinandersetzung mit den eigenen Fähigkeiten und Erfahrungen empfand sie als bereichernd. Besonders der Kompetenzworkshop in einer Kleingruppe eröffnete ihr neue Perspektiven auf das eigene Potenzial.

Inspiration für andere Bildungsorganisationen mit Ehrenamtlichen

Dass das Zertifizierungsprogramm als bereichernd wahrgenommen wird, zeigen auch die Rückmeldungen aus den örtlichen Bildungswerken, bei denen Hospitationen stattgefunden haben. Eine der Entwicklerinnen des Zertifikatlehrgangs aus dem Salzburger Bildungswerk, Maria Zehner, hebt die vernetzende Funktion hervor: „Der Austausch zwischen örtlichen Bildungswerken ist für beide Seiten wertvoll und schafft Verbindungen zwischen ehrenamtlich Engagierten, eröffnet neue Möglichkeiten, voneinander zu lernen und sich gegenseitig zu inspirieren.“
Es profitieren somit nicht nur die einzelnen Bildungswerkleitungen. Neue Ideen, Kooperationen und Veranstaltungsformate können die Erwachsenenbildung in den Gemeinden stärken und allen Menschen zugutekommen.

Bildungsmanager:innen anderer Organisationen, die Ehrenamtliche betreuen, können sich per E-Mail an Maria Zehner wenden, um Inspiration für ein eigenes Zertifizierungsprogramm zu erhalten: maria.zehner@sbw.salzburg.

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