Online-Ringvorlesung zu polarisierenden Fragen der Gegenwart

16.03.2026, Text: ÖGPB, Redaktion: Heidi Buchecker, ÖGPB
Die Österreichische Gesellschaft für Politische Bildung (ÖGPB) setzt im Mai und Juni ihre Online-Ringvorlesung fort: An sechs Dienstagen beleuchten Expert:innen zentrale Fragen internationaler Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.
aufgeklapptes Notebook mit Kopfhörer und Notizbuch
Die ÖGPB setzt im Mai und Juni Online-Vorlesungen zu polarisierenden Themen um.
Foto: CC BY, ÖGPB, auf erwachsenenbildung.at

Dienstagsvorlesungen

Auch heuer greift die Österreichische Gesellschaft für Politische Bildung (ÖGPB) mit ihrer Online-Ringvorlesung polarisierende Themen der Gegenwart auf. Drei Expert:innen geben in je zwei Vorlesungen einen Überblick über ein politisches Thema, gehen auf Fragen ein und unterstützen die Hörer:innen mit Quellenempfehlungen zur nachhaltigen Beschäftigung mit der Materie.

Die Vorlesungen finden an sechs aufeinanderfolgenden Dienstagen im Mai und Juni 2026 statt und sind für alle interessierten Erwachsenen zugänglich.

Entsteht eine neue Weltordnung?

Am 12. und 19. Mai finden unter dem Titel „Vom liberalen Moment zur geopolitischen Zeitenwende“ zwei Vorlesungen mit Cengiz Günay (Direktor des Österreichischen Instituts für Internationale Politik, oiip, und Lehrbeauftragter an der Universität Wien) statt. Ausgehend vom scheinbaren Triumph eines liberalen Zeitalters nach dem Ende des Kalten Krieges – geprägt von Demokratie, Marktwirtschaft, offeneren Grenzen und der Hegemonie der USA – wird die heutige Verschiebung hin zu einer multipolaren, konfliktreicheren Weltordnung analysiert. Im Zentrum stehen der Bedeutungsverlust liberaler Normen und internationaler Institutionen, das Erstarken von Akteuren wie China, Indien, Brasilien, Südafrika, Saudi-Arabien und der Türkei sowie der Kampf um Macht und Rohstoffe.

Die Vorlesungen fragen nach den Ursachen dieses Wandels, seinen sozialen und gesellschaftlichen Hintergründen, der Stabilität der neuen Dynamiken und möglichen langfristigen Folgen.

Gehen die Preise jetzt wieder runter?

Am 26. Mai und 2. Juni steht das Thema „Teuerung: Ursachen der Inflation und Strategien zur Bekämpfung“ im Mittelpunkt. Vortragender ist Daniel Witzani-Haim (Ökonom in der Arbeiterkammer Wien, Vorsitzender im Beirat für gesellschafts-, wirtschafts- und umweltpolitische Alternativen, BEIGEWUM). Ausgangspunkt ist die jüngste Teuerungswelle in Österreich, die stärkste seit den Erdölpreisschocks der 1970er-Jahre.

In der ersten Vorlesung geht es um die Messung und Ursachen der Inflation: Wer legt Preise fest, wie reagieren Einkommen und Löhne auf steigende Preise, und welche Rolle spielte der Energiepreisschock für die Teuerungskrise? Die zweite Vorlesung widmet sich Strategien zur Inflationsbekämpfung, den unterschiedlichen Auswirkungen der Teuerung auf verschiedene Haushalte und sozioökonomische Gruppen, der historischen Preisbekämpfung in den 1970er-Jahren sowie einer kritischen Analyse der aktuellen Maßnahmen der Bundesregierung.

Ist China die Zukunft?

Am 9. und 16. Juni beleuchtet Susanne Weigelin-Schwiedrzik (Professorin i.R. für Sinologie an der Universität Wien, Programmdirektorin für China beim Center for Strategic Analysis) unter dem Titel „China und die Unordnung der Welt“ Chinas Rolle in der Gegenwart und Zukunft.

Die erste Vorlesung geht von aktuellen internationalen Entwicklungen aus und fragt, wie die Volksrepublik China die gegenwärtige „Unordnung“ in der Weltordnung wahrnimmt und nutzt, um ihre Rolle als Weltmacht zu definieren. Dabei wird Chinas Sicht auf eine künftige Weltordnung vorgestellt und diskutiert, ob und wie sich diese ohne kriegerische Auseinandersetzungen neu gestalten lässt.

Die zweite Vorlesung widmet sich Chinas wirtschaftlicher Entwicklung. Häufig wird China als „Labor der Zukunft“ beschrieben: Windräder, Solarpaneele, E‑Autos und andere Schlüsseltechnologien für die grüne Transformation werden dort entwickelt, produziert und weltweit exportiert. Zugleich zeigen sich jedoch Spannungen und Wachstumsgrenzen in der chinesischen Ökonomie, nicht zuletzt im Kontext geopolitischer Konflikte. Die Vorlesung untersucht den Zusammenhang von formeller und informeller Wirtschaft in China und fragt, warum die bisherige Erfolgsgeschichte des raschen wirtschaftlichen Aufstiegs nicht einfach fortgeschrieben werden kann.

Anmeldung zu den Online-Vorlesungen

Die Vorlesungen finden dienstags von 18:00 bis 19:30 Uhr in Zoom statt. Eine Anmeldung – zu einzelnen oder allen Vorlesungen – ist über E-Mail an die ÖGPB möglich, die Zugangsdaten werden nach der Anmeldung zugeschickt. Die Teilnahme ist kostenlos. Beim Absolvieren der gesamten Ringvorlesung (6 Vorlesungen) ist das Bildungsangebot mit 0,5 ECTS im Rahmen der wba akkreditiert.

Weitere Informationen:
Creative Commons License Dieser Text ist unter CC BY 4.0 International lizenziert.