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AK-Studie zu Renditen betrieblicher Weiterbildung

16.04.2009, Text: Christina Pernsteiner, Online-Redaktion
ArbeitnehmerInnen und Unternehmen profitieren stark von Weiterbildungsinvestitionen, so die Ergebnisse einer Studie im Auftrag der AK Wien.
ArbeitnehmerInnen und Unternehmen profitieren
Die Universität Linz hat im Auftrag der Arbeiterkammer Wien erstmals untersucht, wie und für wen sich Weiterbildung rentiert. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass neben den ArbeitnehmerInnen insbesondere die Unternehmen stark von Weiterbildungsinvestitionen profitieren. Insgesamt komme es dadurch zu einer nachhaltigen Stärkung der Wirtschaft. Diesen Nutzen betont auch Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel in einer Presseaussendung zum Thema und streicht die Bedeutung der beruflichen Weiterbildung gerade in Krisenzeiten heraus.

Betriebliche Weiterbildung bringt höhere Löhne und Arbeitsplatzsicherheit
Laut Studie bezahlen Unternehmen, die jährlich rund 1000 Euro pro ArbeitnehmerIn für betriebliche Weiterbildung investieren, im Durchschnitt rund fünf bis sieben Prozent höhere Bruttostundenlöhne als Unternehmen, die dies nicht tun. Jeder Euro, den ein Unternehmen zusätzlich in Weiterbildung investiert, bringt demnach im Schnitt zwei Euro mehr Lohn für ArbeitnehmerInnen. Aber auch die Unternehmen selbst profitieren, denn jeder zusätzlich in Weiterbildung investierte Euro bringt den Betrieben wiederum 13 Euro zurück.

Außerdem schafft Weiterbildung mehr Arbeitsplatzsicherheit, denn je höher das Bildungsniveau ist, desto geringer ist die Gefahr arbeitslos zu werden. Dies bestätigen auch die aktuellen Arbeitsmarktdaten des AMS. Die Arbeitslosenquote 2008 lag im Schnitt bei 5,8 Prozent. Personen mit lediglich einem Pflichtschulabschluss hatten mit einer Arbeitslosenquote von 14% ein doppelt so hohes Risiko arbeitslos zu werden. Im Vergleich dazu lag die Arbeitslosenquote bei Personen mit Lehrabschluss bei 5 Prozent, bei AHS- und BHS-AbsolventInnen bei rund 3 Prozent (AMS Jahresschnitt 2008).

Ein wichtiger Schritt zur Anhebung der Qualifizierung ist hier beispielsweise die Kombination von Kurzarbeit und Weiterbildung, die erst seit März 2009 möglich ist. 

Barrieren in der Umsetzung
Ergebnisse anderer Studie zeigen allerdings, dass gerade in Klein- und Mittelunternehmen oft gar keine Möglichkeit zur betrieblichen Weiterbildung besteht. Von Unternehmen mit 10 bis 49 Beschäftigten bildet jedes fünfte seine Beschäftigten gar nicht weiter. Das zeigt die dritte Europäische Erhebung zur betriebliche Weiterbildung (CVTS). Wird die Gesamtheit aller ArbeitnehmerInnen betrachtet, so hat nur knapp ein Drittel (30 Prozent) Gelegenheit sich über den Betrieb weiterzubilden (SORA 2008). Zudem werden überwiegend die besser Qualifizierten weitergebildet.

Mangelnde Zeit
Als Grund für die fehlende Weiterbildung der MitarbeiterInnen gibt fast die Hälfte der Unternehmen (45 Prozent) zeitliche Belastung an. Doch selbst die Mehrheit der Betriebe (fast 75 Prozent), die MitarbeiterInnen weiterbilden, geben den Zeitfaktor als größtes Hindernis für mehr Aktivitäten in diesem Bereich an (Europäische Erhebung über Erwachsenenbildung, 2007 - AES).

Auch bei der staatlichen Unterstützung für das Nachholen von Bildungsabschlüssen liegt Österreich weit hinter den europäischen Spitzenreitern. So gibt es beispielsweise in Dänemark und Schweden keine Gebühren (bis 60 bzw. 55 Jahre) bzw. zusätzlich Stipendien, während österreichische ArbeitnehmerInnen oft tief in die Tasche greifen müssen, um einen Bildungsabschluss nachholen zu können. So betragen die Gebühren für die Vorbereitung auf einen Lehrabschluss im Schnitt etwa 1.000 Euro. Gerade gering Qualifizierte verdienen oft zu wenig um sich dies leisten zu können.

Mangelnde Information über Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten
Laut aktuellem Adult Education Survey von Eurostat gaben im Jahr 2007 mehr als die Hälfte (51,4 Prozent) der ÖsterreicherInnen an, dass sie keinen Zugang zu Information über Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten haben. Von jenen, die sich weiterbilden, wurde gerade einmal ein Viertel (24,4 Prozent) von ihren Unternehmen auf die Möglichkeit aufmerksam gemacht.
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