geschichte

Birgit Aschemann (2016)*

Die Geschichte der Bildungspolitik in der Europäischen Union steht in engem Zusammenhang mit dem europäischen Integrationsprozess der letzten 50 Jahre. Als Wirtschaftsgemeinschaft gegründet, fokussierte die Gemeinschaftspolitik primär auf eine so genannte Berufsbildungspolitik. Es ging insbesondere darum, die Qualifikationen den Bedürfnissen der Wirtschaft anzupassen und auf ein vergleichbares Niveau zu bringen. Diese Schwerpunktsetzung hängt mit den Grundprinzipien der Freizügigkeit zusammen, dem Recht der UnionsbürgerInnen, am Arbeitsmarkt in allen Mitgliedsstaaten gleichberechtigt teilzunehmen.

 

Historische Entwicklung

Erste Institutionalisierungsschritte

In den 1970er Jahren kam es zu einer Weiterentwicklung der Zusammenarbeit auf europäischer Ebene: Die Treffen der BildungsministerInnen der Mitgliedsstaaten mündeten in gemeinsame Beschlüsse, und zwar in Form zwischenstaatlicher Abkommen. Die Gemeinschaft verfügte nach wie vor über keine spezifische Rechtsgrundlage für ihre Bildungspolitik. 1975 wurde zur wissenschaftlich-fachlichen Unterstützung der gemeinsamen Politik das europäische Zentrum zur Förderung der Berufsbildung, Cedefop, gegründet. Die Aktivitäten von Cedefop wurden ab 1980 durch Eurydice - das Informationsnetzwerk zum Bildungswesen in Europa - ergänzt, das mit der gezielten Aufbereitung von Informationen zu einem besseren Verständnis der europäischen Bildungssysteme und -politiken beiträgt.

 

Bereits im Jahr 1983 erfolgte ein wichtiger Konsolidierungsschritt in Form der Leitlinien der Europäischen Gemeinschaft, in denen Berufsbildung als Instrument der aktiven Beschäftigungspolitik aufgefasst wurde. De facto wurde Bildung jedoch erst 1993 mit den Maastrichter Verträgen als Handlungsfeld der europäischen Politik etabliert. Damit wurde nicht nur berufliche, sondern auch allgemeine Bildung zum europäischen Politikfeld.

Finanzielle Förderung & Bildung als Aufgabe der Gemeinschaft

Mit den 1980er Jahren starteten zahlreiche Aktionsprogramme der Europäischen Gemeinschaft zur Förderung der Verbesserung der beruflichen Weiterbildung, zur Zusammenarbeit im Hochschulbereich oder auch zur Unterstützung der Vermittlung von Fremdsprachenkenntnissen. Mit zunehmendem Aktivitätsniveau auf EU-Ebene nahmen auch die Diskussionen um die Kompetenz-Abgrenzung zwischen den Mitgliedsstaaten und der europäischen Ebene an Intensität zu. Diese mündeten im Rahmen des Vertrages von Maastricht in der Aufnahme der Bildungspolitik in den Aufgabenkatalog der Gemeinschaft. Der Vertrag von Maastricht trat mit 1. November 1993 in Kraft, und seine inhaltlichen Festlegungen bilden weiterhin mit einigen kleineren Änderungen eine rechtliche Grundlage der allgemeinen und beruflichen Bildungspolitik der Europäischen Union.

Weitere Informationen

Eurydice: Das Netzwerk zum Bildungswesen in Europa
Informationen zur Tätigkeit von Eurydice in Brüssel, das von der EU Education, Audiovisual and Culture Executive Agency, koordiniert und gemanaged wird.
The history of European education and training
Die Europäische Kommission publizierte 2006 ein Buch, das die Geschichte der Bildung und Weiterbildung Europas erzählt. Es beinhaltet die Entwicklung der politischen Zusammenarbeit im Bezug auf Bildungsfragen sowie die Geschichte von Bildungsprogrammen wie Cornett, Erasmus, Lingua, Socrates und Leonardo da Vinci. Die Publikation ist nur im Print in den Sprachen Englisch und Französisch verfügbar.
CEDEFOP: Ausführliche Informationen im Internet
Das europäische Zentrum zur Förderung der Berufsbildung (CEDEFOP) in Thessaloniki stellt auf seiner Webpage sich selbst und seine Aktivitätsschwerpunkte vor.

 

*unter Verwendung des E-Books von Sylvia Amann

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