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Genderbias: Wahrnehmungsverzerrungen in Bezug auf Gender

Surur Abdul-Hussain (2014)

Genderintegritätsverletzungen beruhen sehr häufig auf Wahrnehmungsverzerrungen in Bezug auf Gender. Diese Wahrnehmungsverzerrungen nennen wir Genderbias und sie sind im Alltagsdenken und -wahrnehmen weit verbreitet. Wollen wir in der Erwachsenenbildung genderkompetent arbeiten, sind wir dazu aufgefordert, Genderbias zu reflektieren. Im Folgenden wird näher erläutert, wie Genderbias zu verstehen sind und welche Hauptformen erfasst werden können.

 

Definition Genderbias

Der Begriff Genderbias wurde von Judith Fuchs, Kris Maschewsky und Ulrike Maschewsky-Schneider (1988, zit. n. Bundesministerium für Familie, Senioren und Jugend 2007) geprägt. Sie benennen damit Wahrnehmungsverzerrungseffekte in Bezug auf Gender. Diese können aufgrund von Alltagstheorien, fehlendem Wissen oder mangelnder Auseinandersetzung usw. entstehen. In ihrer Studie konnten sie feststellen, dass meist drei grundlegende Annahmen das Fundament für Genderbias bilden:

 

  • "die Annahme der Unterschiedlichkeit von Frauen und Männern dort, wo (möglicherweise) keine besteht,
  • die Annahme der Gleichheit von Frauen und Männern dort, wo Gleichheit nicht vorhanden ist,
  • die unterschiedliche (Be-)Wertung von Faktoren, die bei beiden Geschlechtern auftreten" (ebd.).

Beispiele von Genderbias

Ein Beispiel für die Annahme der Unterschiedlichkeit: Im sonder- und heilpädagogischen Kontext arbeiten immer wieder in der Profession ausgebildete Frauen und über den Zivildienst quer eingestiegene Männer zusammen. Divergenzen in der Herangehensweise könnten in diesem Fall der Geschlechtszugehörigkeit unterstellt werden, obwohl sie mehr mit der unterschiedlichen Berufsausbildung zu tun haben.


Ein Beispiel für die Annahme der Gleichheit ist die sogenannte Normalerwerbsbiografie. Sie bildet die Grundlage für Reformen, Gesetzesnovellen, arbeitsmarktpolitische Maßnahmen etc. und trifft hauptsächlich auf Männer zu und in wesentlich geringerem Ausmaß auf Frauen. Denn mehr als die Hälfte aller erwerbstätigen Frauen sind teilzeitbeschäftigt, die Normalerwerbsbiografie definiert aber eine Vollzeitbeschäftigung.


Für die unterschiedliche Interpretation von gleichen Verhaltensweisen bei verschiedenen Geschlechtern möchte ich hier einen Auszug von Natasha Josefowitzs "Impressions from an office" vorstellen (zit.n. Gardenswartz/Rowe 2003):


"The family picture is on HIS desk.
Ah, a solid, responsible family man.

The family picture is on HER desk.
Umm, her family will come before her career.

HE's getting married.
He'll get more settled.
SHE's getting married.
She'll get pregnant and leave.

 

HE's having a baby.
He'll need a raise.
SHE's having a baby.
She'll cost the company money in maternity benefits."

Viele Frauen und Männer können sich mit Zuschreibungen dieser Art nicht identifizieren und empfinden sie möglicherweise auch als verletzend. In diesem Fall sprechen wir auch von einer Verletzung der Genderintegrität. In der gendersensiblen Erwachsenenbildung gilt es, Genderbias im individuellen, sozialen und strukturellen Lerngeschehen aufzudecken und aufzuklären.

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Weitere Informationen

Link

 

Quellen

  • Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2007): Gender Bias - ein zentrales analytisches Konzept »Link
  • Gardenswartz, Lee/Rowe, Anita (2003): Diverse Teams at Work. Capitalizing on the Power of Diversity. Alexandria: SHRM.

 

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