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Definition Diversitätsmanagement

Surur Abdul-Hussain und Roswitha Hofmann (2013)

Diversitätsmanagement soll grundsätzlich einen diskriminierungsfreien und nutzenbringenden Umgang mit menschlicher Verschiedenheit in Organisationen anleiten. Aufgrund der Unterschiedlichkeit von Menschen innerhalb und außerhalb der Organisationen können sich im Umgang mit Diversität Probleme und Herausforderungen ergeben. Mittels Diversitätsmanagement können diese erkannt und gelöst werden. Zudem soll durch den anerkennenden Umgang mit Verschiedenheit - nach innen wie nach außen - ein betriebswirtschaftlicher Nutzen für die Organisation entstehen.


Jede Organisation hat ihre spezifischen Herausforderungen, dementsprechend vielfältig gestaltet sich Diversitätsmanagement in der Praxis.


Diversitätsmanagement wird auch als Gender- und Diversitätsmanagement, Diversity Management, Managing Diversity, Vielfaltsmanagement oder Diversity & Inclusion bezeichnet.

 

Entstehungsgeschichte

Die ersten Ansätze des Diversitätsmanagements entstanden in den USA der 1960er Jahre. Eine der Pionier_innen war Mary McLeod-Bethune, Gründerin des NCNW (National Council of Negro Women). In ihrer Arbeit vereinte sie die Forderungen der Bürger_innenrechtsbewegung und der Frauenbewegung nach politischer Gleichberechtigung auch in der Erwerbsarbeit (Engel 2007). Antidiskriminierungsgesetze prägten zunehmend den Umgang von Organisationen mit Diversität. Die betriebswirtschaftliche Ausrichtung von Diversitätsmanagement wurde auch durch die Verschiebung der ethnischen Zusammensetzung der US-amerikanischen Arbeitnehmer_innenschaft geprägt.


In den zahlreich vorhandenen Definitionen von Diversitätsmanagement spiegeln sich die in der Entstehungsgeschichte des Managementkonzepts zentralen Diskussionen wider. Dabei geht es um Chancengleichheit für gesellschaftlich benachteiligte Gruppen und den betriebswirtschaftlichen Nutzen von Diversität. Je nach Zielsetzung werden unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt, wie die folgenden Beispiele zeigen.

Europäische Union

In der EU wird von der Europäischen Kommission vor allem der betriebswirtschaftliche Nutzen von Gleichbehandlung im Rahmen von Diversitätsmanagement betont:


"Effective Diversity Management is proven to produce significant benefits in terms of recruitment and staff retention, creativity, problem-solving and customer engagement." (European Commission 2012)


In der internationalen Diskussion wird Diversitätsmanagement zunehmend auch in Form einer Triple-Strategie gemeinsam mit Frauenförderung und Gender Mainstreaming eingesetzt.

Österreich

In Österreich wurde 2008 die ÖNORM S 2501:2008 zu Diversity Management veröffentlicht. Darin wird der Schwerpunkt auf die Verbesserung der Leistungsbedingungen zur Sicherstellung des Organisationserfolgs gelegt:


"Diversity Management ist ein strategischer Managementansatz zur gezielten Wahrnehmung und Nutzung der Vielfalt von Personen und relevanten Organisationsumwelten bzw. Stakeholdern, um strukturelle und soziale Bedingungen zu schaffen, unter denen alle Beschäftigten ihre Leistungsfähigkeit und -bereitschaft zum Vorteil aller Beteiligten und zur Steigerung des Organisationserfolges entwickeln und entfalten können." (ON - Österreichisches Normungsinstitut 2008)


Durch die zum Teil starke betriebswirtschaftliche Bewertung des Managementsystems treten Chancengleichheit und Antidiskriminierung häufig in den Hintergrund. Ein Beispiel für eine ausgewogenere Schwerpunktsetzung, nicht nur für den Bereich der Erwachsenenbildung, bietet hier folgende Definition:


"Diversity Management ist ein multidimensionaler Ansatz zur gezielten Wahrnehmung, Nutzung und Förderung von Vielfalt in sozialen Systemen wie Profit- und Non-profit-Unternehmen, öffentlichen Organisationen sowie Gruppen und Teams. Ziel von Diversity Management ist es, durch die Förderung von Chancengleichheit und den kompetenten Umgang mit Vielfalt personelle Kompetenz und Ressourcen in Organisationen optimal zu nutzen." (Austrian Society for Diversity - ASD)

 

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Weitere Informationen

Links

Quellen

  • Bendl, Regine/Hanappi-Egger, Edeltraud/Hofmann, Roswitha (Hg.) (2012): Diversität und Diversitätsmanagement. Ein vielschichtiges Thema. In: dies.: Diversität und Diversitätsmanagement. Wien: facultas.wuv.
  • ON - Österreichisches Normungsinstitut (2008): ÖNORM S 2501. Diversity Management - Allgemeiner Leitfaden über Grundsätze, Systeme und Hilfsinstrumente.
  • Vedder, Günther (2006): Die historische Entwicklung von Diversity Management in den USA und in Deutschland. In: Krell, Gertraude/Wächter, Hartmut (Hg.): Diversity Management. Impulse aus der Personalforschung. München und Mering: Rainer Hampp Verlag, S. 1-23.

 

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