Berufsbild Erwachsenenbildner/in

Die Erwachsenen- und Weiterbildungslandschaft in Österreich ist vielfältig. Diese Vielfalt schlägt sich auch in einem dementsprechend breiten Spektrum an erwachsenenbildnerischen Tätigkeiten nieder. Ein eindeutiges Berufsbild "ErwachsenenbildnerIn" anzugeben, scheint schwierig, da es weder einheitliche Richtlinien, noch eine allgemein geregelte bzw. standardisierte Berufsausbildung gibt. Allerdings gibt es ein Curriculum zur Anerkennung von Lernleistungen und Berufserfahrungen von ErwachsenenbildnerInnen. Dieses Curriculum wurde von der Weiterbildungsakademie Österreich (wba), einer Institution zur Anerkennung von Kompetenzen von ErwachsenenbildnerInnen entwickelt.

Kein einheitliches Ausbildungssystem

Diese Diffusität im Qualifizierungsangebot für MitarbeiterInnen der Erwachsenen- und Weiterbildung ist jedoch kein ausschließlich österreichisches Phänomen. Mit Ausnahme der Schweiz sind in ganz Europa die Standardisierungsbemühungen für eine einheitliche Ausbildung für ErwachsenenbildnerInnen erst am Anfang. Auch wenn bzw. vielleicht gerade weil solche Standards weitgehend fehlen, hat sich in Österreich ein sehr breit gefächertes Qualifizierungsangebot entwickelt, dessen Potenzial nicht unterschätzt werden darf.

Unterprofessionalisierung

Die hier umrissene Situation und die zunehmende Internationalisierung der Erwachsenenbildung hat die sich bereits seit Jahren im Gange befindliche Professionalisierungsdebatte weiter angeheizt. Eine bereits im Jahr 2000 durchgeführte Studie der Pädagogischen Arbeits- und Forschungsstelle (PAF) des Verbandes Österreichischer Volkshochschulen (VÖV) spricht in diesem Zusammenhang von einer "Unterprofessionalisierung (in Bezug auf Verberuflichung) in den Institutionen". Zum gleichen Ergebnis kommt das "Porträt Weiterbildung Österreich 2005": "Die österreichische Erwachsenenbildung erweist sich, wie die statistischen Daten zeigen, nur in geringem Grade verberuflicht und professionalisiert." 

Initiativen für Professionalisierung

Um dem anhaltenden Wachstum des Erwachsenen- und Weiterbildungssektors zu begegnen, führten vor allem große Anbieter interne Qualitätskriterien oder Qualifizierungsmaßnahmen ein. Doch es gilt vergleichbare Strategien zu entwickeln, die sowohl vorhandene Qualifizierungspotenziale nützen, aber auch neue erschließen. Als ein Beispiel für die vielfältigen Bemühungen, das Berufsbild der Erwachsenen- und WeiterbildnerInnen zu konkretisieren und durch ein Zertifizierungs- und Anerkennungssystem zu professionalisieren, kann die "Weiterbildungsakademie" (wba) gelten. Die wba überprüft und anerkennt Kompetenzen von ErwachsenenbildnerInnen nach definierten Standards.

Qualifiziert für die Erwachsenenbildung?

Für in der Erwachsenenbildung tätige Personen gibt es in Österreich wie auch in anderen Ländern kein einheitliches Berufsbild und keine standardisierte Aus- und Weiterbildung. Die Nummer 4 des "Magazin erwachsenenbildung.at" versucht, sowohl Situationsanalysen und Standpunkte zur Professionalität des Fachpersonals der Erwachsenenbildung aufzunehmen als auch bereits erprobte neue Ansätze der Qualifizierung der ErwachsenenbildnerInnen noch breiter sichtbar zu machen.

Fragmentiertes Berufsfeld

Das Berufsfeld der Erwachsenen-/Weiterbildung ist stark fragmentiert, sodass nur begrenzt von Berufsbildern im klassischen Sinne gesprochen werden kann. Hinzu kommt die sukzessive Erschließung weiterer Tätigkeitsfelder. Auch das Phänomen einer zunehmenden Entgrenzung, gepaart mit der fortschreitenden Ökonomisierung des Erwachsenenbildungssektors hat Auswirkungen auf die weitere Entwicklung dieses Berufsfeldes. Dies macht sich unter anderem auch in der steigenden Zahl an Anbietern auf dem freien Markt, aber auch in der weiteren Ausdifferenzierung der angebotenen "Dienstleistungen" im Bildungsbereich bemerkbar. Der durch verschärfte Konkurrenz einerseits und knappere Förderungsmittel andererseits verursachte Innovationsdruck tut sein Übriges, um neue Ideen und Betätigungsfelder zu generieren. Die neue Vielfalt an Betätigungsfeldern belebt die Bildungsbranche in jeder Hinsicht. Gleichzeitig bringt die angespannte Ressourcenlage aber auch weniger "marktfähige" Bildungsanbieter zunehmend in Bedrängnis.

Bei aller Buntheit des Spektrums an Berufsmöglichkeiten haften den verschiedenen Berufsbildern doch wesentliche Gemeinsamkeiten an. Die folgenden Seiten sollen Ihnen dabei helfen, sich ein Bild über wesentliche Aspekte der Profession des Erwachsenen- und Weiterbildners zu machen. Informieren Sie sich über die verschiedenen Herkunftsberufe, Funktions-, Tätigkeits- und Qualifikationsprofile.

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