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Bildungsstand und -verwertung der Bevölkerung mit Migrationsgeschichte

Annette Sprung 2008, aktualisiert 2013

Die Statistik Austria veröffentlicht gemeinsam mit dem Österreichischen Integrationsfonds seit 2008 jährlich migrationsbezogene Daten in einem statistischen Jahrbuch ("migration & integration. zahlen. daten. indikatoren"). Das Kompendium gibt einen Überblick zu Demographie, Bildung, Arbeitsmarkt, Gesundheit und Soziales, Wohnen etc. Darüber hinaus liegen diverse Studien zu Themen wie Dequalifizierung, Diskriminierung am Arbeitsmarkt u.ä. vor. Mittels ausgewählter Daten werden hier einige bildungsrelevante Informationen vorgestellt.

 

Qualifikationsprofile der Bevölkerung

Der Bildungsstand der Bevölkerung, die statistisch als Personen mit Migrationshintergrund erfasst ist, unterscheidet sich deutlich von jener, die nicht zu dieser Kategorie gezählt wird. MigrantInnen verfügen zu 25% über einen höheren Bildungsabschluss (Matura und weiterführende Studien), davon 17% über ein Hochschulzertifikat. Aber auch 29% der Personen mit Migrationshintergrund haben einen Pflichtschulabschluss als höchsten Bildungsabschluss erlangt. In beiden Fällen sind diese Anteile höher als jene der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund. Der Bildungsstand der zweiten Generation nähert sich jenem der Nicht-MigrantInnen kontinuierlich an (vgl. Statistik Austria 2012).

Lage im Schulwesen

SchülerInnen mit ausländischer Staatsbürgerschaft sind in Haupt-, polytechnischen und Sonderschulen überrepräsentiert und zu geringeren Anteilen in maturaführenden Schulen vertreten. Während der Durchschnitt der AusländerInnen in österreichischen Schulen bei 10% liegt, beträgt er in Sonderschulen über 18%, in der AHS/BHS liegt er lediglich bei 7-8%. Diese Verteilung gestaltet sich jedoch je nach Herkunftsland unterschiedlich und trifft für manche Gruppen gar nicht zu. Diese Über- bzw. Unterpräsenz korreliert allerdings nicht im eigentlichen Sinne mit der nationalen Herkunft, sondern ist wesentlich mit dem sozioökonomischen Status der Familien verbunden. Rund 13% der nichtdeutschsprachigen SchülerInnen setzen ihre Ausbildung nach der achten Schulstufe (Hauptschule) nicht fort, umgekehrt betrifft das nur 4% der deutschsprachigen Kinder (Statistik Austria 2012).


In internationalen Vergleichsstudien wie PISA schneiden Kinder mit Migrationsgeschichte im Schnitt schlechter ab als ihre mehrheitsangehörigen KollegInnen, so Herzog-Punzenberger und Unterwurzacher (2009). Es gibt zu den Leistungsunterschieden mehrere Erklärungsansätze. Der soziale Status und die Verfügung über kulturelles Kapital seitens der Familie gelten als wesentliche Einflussfaktoren, ebenso die Wohnnachbarschaft, die Zusammensetzung der Schulklassen sowie nicht zuletzt ausgrenzende systemisch-strukturelle Aspekte des Schulwesens selbst.


Der Anteil ausländischer Studierenden an österreichischen Universitäten betrug im Jahr 2012 der Statistik Austria (2012) zufolge rund 23%. Mehr als zwei Drittel stammten aus der EU/EWR und davon wiederum der höchste Anteil aus Deutschland.

Dequalifizierung

Ausländische Arbeitskräfte sind häufiger unter ihrem Qualifikationsniveau beschäftigt. Bei einer Erhebung von Stadler und Wiedenhofer-Galik im Jahr 2008 gaben 29% der im Ausland Geborenen an, nicht entsprechend ihrer Bildungsabschlüsse beschäftigt zu sein. Im Vergleich dazu antworteten 10% der in Österreich geborenen RespondentInnen, von Dequalifizierung betroffen zu sein. Eine OECD-Studie (Krause/Liebig 2011) ergab, dass der Dequalifizierungsanteil von MigrantInnen in Österreich besonders stark ausgeprägt ist.


Ein Problem dequalifizierter Beschäftigung kann darin bestehen, dass es häufig zu einer Verstetigung in eben diesen Bereichen kommt und die ArbeitnehmerInnen mit zunehmender Dauer nicht-adäquater Beschäftigung immer schwerer eine angemessene Stelle finden. Für einen langfristigen Verbleib von MigrantInnen in unqualifizierten Bereichen des Arbeitsmarktes sind vielschichtige Faktoren verantwortlich, dazu zählen etwa rechtliche Aspekte (Fremdenrecht, Anerkennungsbestimmungen für Bildungsabschlüsse), Diskriminierung, Sprachkenntnisse, der Faktor Zeit, Informationsmangel sowie unangemessene Strategien der Arbeitsvermittlungsbehörden, welche im Ausland erworbene Qualifikationen nicht berücksichtigen.

Anerkennung von Bildungsabschlüssen

Stadler und Wiedenhofer-Galik (2009) zeigen, dass 2008 70% der im Ausland geborenen Personen im Alter von 15 bis 74 ihren höchsten Bildungsabschluss nicht in Österreich erworben haben. 17,7% der befragten MigrantInnen dieser Altersgruppe hatten zum Erhebungszeitpunkt bereits einen formalen Anerkennungsantrag für ihre Abschlüsse gestellt. Der höchste Anteil der Anträge wurde in der Gruppe der EU-15 gestellt (30%), stark vertreten waren ferner die neueren Mitgliedstaaten. Von den beantragten Anerkennungen wurden 85,6% bewilligt, der Rest war entweder noch nicht abgeschlossen oder wurde negativ beendet. Besonders hoch war die Quote der positiven Erledigungen bei Deutschen. 27,5% der AntragstellerInnen gaben an, Zusatzprüfungen absolvieren zu müssen.

 

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Weitere Informationen

Links

 

Literatur

  • Biffl, Gudrun (2012): Migration and Labour Integration in Austria, SOPEMI Report on Labour Migration Austria 2011-12. »Link
  • Biffl, Gudrun/Pfeffer, Thomas/Skrivanek, Isabella (2012): Anerkennung ausländischer Qualifikationen und informeller Kompetenzen in Österreich. Endbericht. »Link
  • Biffl, Gudrun/Pfeffer, Thomas/Altenburg, Friedrich (2013): Diskriminierung in Rekrutierungsprozessen verstehen und überwinden. Forschungsbericht, Donau-Uni Krems. »Link
  • Dahlvik, Julia/Fassmann, Heinz/Sievers, Wiebke (Hg.) (2012): Migration und Integration - wissenschaftliche Perspektiven aus Österreich. Jahrbuch 1/2011. Wien: Vienna University Press.
  • Fassmann, Heinz (Hg.) (2011): Migrations- und Integrationsforschung - multidisziplinäre Perspektiven. Göttingen: Vienna University Press.
  • Gächter, August (2006): Qualifizierte Einwanderinnen und Einwanderer in Österreich und ihre berufliche Stellung. ZSI Discussion Paper. »Link
  • Girlasu, Mioara/Zitz, Edith (2013): Anerkannt! Projekt zur Anerkennung von im Ausland erworbenen Berufsqualifikationen.
  • Herzog-Punzenberger, Barbara/Unterwurzacher Anne (2009): Migration - Interkulturalität - Mehrsprachigkeit. Erste Befunde für das österreichische Bildungswesen. In: Specht, Werner (Hg.): Fokussierte Analysen bildungspolitischer Schwerpunktthemen (Nationaler Bildungsbericht Österreich 2009, Band 2). Graz: Leykam, S. 161-182.
  • Herzog-Punzenberger, Barbara/Schnell, Philipp (2012): Die Situation mehrsprachiger Schüler/innen im österreichischen Schulsystem - Problemlagen, Rahmenbedingungen und internationaler Vergleich. In: Herzog-Punzenberger, Barbara (Hg.): Nationaler Bildungsbericht Österreich 2012. Band 2. Fokussierte Analysen bildungspolitischer Schwerpunktthemen. Graz, S. 229-276.
  • Hofer, Konrad (2013): OHNE ARBEIT. Über die eingeschränkten Arbeits- und Erwerbsmöglichkeiten von AsylwerberInnen. Eine qualitative Studie im Auftrag der AK. Forschungsbericht. Wien.
  • Krause, Karolin/Liebig, Thomas (2011): The Labour Market Integration of Immigrants and their Children in Austria. OECD Social, Employment and Migration Working Paper No. 127. »Link
  • Riesenfelder, Andreas/Schelepa, Susanne/Wetzel, Petra (2011): Beschäftigungssituation von Personen mit Migrationshintergrund in Wien. Endbericht. I.A. der Kammer für Arbeiter und Angestellte Wien.
  • Stadler, Bettina/Wiedenhofer-Galik, Beatrix (2009): Arbeits- und Lebenssituation von Migrantinnen und Migranten in Österreich. Modul der Arbeitskräfteerhebung 2008. Wien: Verlag Österreich.
  • Stadlmayr, Martina (2012): Arbeitsmarktintegration und Dequalifizierung von Menschen mit Migrationshintergrund. Unveröffentlichte Dissertation, Universität Linz.
  • Statistik Austria (2012): migration & integration. Schwerpunkt Frauen. zahlen. daten. indikatoren 2012. Wien. »Link
  • Statistik Austria (2013): migration & integration. zahlen. daten. indikatoren 2013. Wien. »Link
  • Weiss, Sylvana/Kapeller, Doris (2012): Miquam. Migration - Qualifizierung - Arbeitsmarkt. Forschungsbericht, Graz. »Link

 

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