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Geschichte

Surur Abdul-Hussain und Roswitha Hofmann (2013)

Die Entstehung und Verbreitung von Diversitätsmanagement (DM) hat verschiedene Ursprünge im US-amerikanischen und europäischen Kontext. Aufgrund historischer Entwicklungen und demografischer Gegebenheiten verläuft die Auseinandersetzung mit und die Entwicklung von Diversitätsmanagement regional sehr unterschiedlich. Meist handelt es sich um ein Zusammenspiel von historischen, politischen und rechtlichen Entwicklungen, demografischen Gegebenheiten und wirtschaftlichen Überlegungen. Die folgenden Eckpunkte waren in der Entstehung von Diversitätsmanagement besonders bedeutsam.

 

 

Diversitätsmanagement nahm seinen Ausgang in den USA. Besonders die folgenden sozialen Bewegungen forcierten Diversitätsmanagement sowie Diversitätstheorien und erwirkten rechtliche Errungenschaften.

Erste Empowermentbewegungen in den USA

Die ersten Empowermentbewegungen in den USA thematisierten gesellschaftliche Konfliktlinien entlang gesellschaftlich gesetzter Differenzen wie Geschlecht, Hautfarbe, Ethnizität, Alter, sexueller Orientierungen, Behinderungen und Beeinträchtigungen.


Schon die frühe Frauenbewegung in den USA Mitte des 19. Jahrhunderts kämpfte für die Rechte der Frauen und gegen die Sklaverei. Ihre Akteurinnen beteiligten sich unter anderem aktiv an der entstehenden Bürger_innenrechtsbewegung Anfang des 20. Jahrhunderts. Beide Bewegungen fanden große Verbreitung und werden zusammen mit weiteren Empowermentbewegungen auch als "Grassroots Movement" bezeichnet.

Black Women's Liberation/Schwarze Frauenbewegung

Auf die Verflochtenheit (Intersektionalität) von Geschlecht und Hautfarbe und damit verbundene Auswirkungen machte die sogenannte Black Women's Liberation/Schwarze Frauenbewegung aufmerksam. Afroamerikanerinnen kritisierten, dass sie als Frauen in der Bürgerrechtsbewegung und als "Schwarze" in der Frauenrechtsbewegung ausgeschlossen und missachtet wurden: "But Some of Us are Brave. All the Women Are White, All the Blacks Are Men" (Buchtitel von Gloria T. Hulls, Barbara Smith und Patricia Bell Scotts 1982). In den 1930er Jahren gründeten sich erste Organisationen. Die Schwarze Frauenbewegung gilt als Ausgangspunkt von Diversitätsmanagement, weil sie erstmals Intersektionalität thematisiert. Zudem vermittelt sie ein komplexes Identitätsverständnis, das über die Kategorisierung von sozialen Gruppen hinausgeht.

Weitere Empowermentbewegungen in den USA

Ab Mitte der 1960er Jahre wurden weitere einflussreiche Empowermentbewegungen in den USA gegründet, wie zum Beispiel das American Indian Movement (AIM) (1968) oder die Grey Panthers gegen Altersdiskriminierung (1970). Bei den Stonewall Riots in New York (1970) leisteten Lesben, Schwule und transidente Personen erstmals Widerstand gegen die Polizei. Diese wollte wie so oft ein von Lesben, Schwulen und transidenten Personen frequentiertes Lokal räumen und alle in Gewahrsam nehmen. Das Stonewall Inn in der Christopher Street wurde mit diesem Ereignis ein Bezugspunkt der Lesben- und Schwulenbewegungen auf der ganzen Welt.  


Die Bürgerrechts-, die Frauen- und die Schwarze Frauenbewegung waren mit ihren rechtlich durchgesetzten Erfolgen ausschlaggebend für den Civil Rights Act (1964) in den USA. Dieses Gleichbehandlungsgesetz verbot die Diskriminierung aufgrund des Geschlechts und der Hautfarbe. Um Strafzahlungen aufgrund des Civil Rights Acts zu vermeiden, waren Unternehmen herausgefordert, Diversitätsmanagement zu betreiben. Ein weiterer wichtiger Auslöser für die Beschäftigung mit Diversitätsmanagement in Organisationen war der "Workforce 2000"-Bericht von 1985. Dieser prognostizierte für 2050 einen Anteil von 75% Frauen und Minoritäten in den USA. Dieser Befund regte einerseits dazu an, neue Zielgruppen zu erschließen ("market based view"). Andererseits stellte sich auch die Frage nach der Personalakquise und dem Umgang mit Diversität in Organisationen.


Darüber hinaus entwickelten alle genannten Empowermentbewegungen mit ihren Gesellschaftsanalysen, Theorien und Forschungen die Grundlagen für jene Theoriebildung, die heute unter dem Begriff Diversity Studies steht.

Diversitätsmanagement in Österreich

Die Anlässe für Diversitätsmanagement in Österreich sind verschiedenartig:

 

  • Die fortschreitende Internationalisierung, die wirtschaftliche und kulturelle Globalisierung, demografische Veränderungen und sich ändernde Lebensbedingungen verlangen nach einem konstruktiven Umgang mit Diversität.
  • Politische Prozesse werden in EU-Richtlinien (Vertrag von Amsterdam) und Antidiskriminierungsgesetzen (Gleichbehandlungsgesetz, GlBG) umgesetzt und erfordern die Implementierung von Diversitätsmanagement.
  • Multinational tätige Konzerne ordnen häufig die Implementierung von Diversitätsmanagement in ihren europäischen Unternehmen an.

 

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Weitere Informationen

Links

Quellen

  • Abdul-Hussain, Surur/Baig, Samira (2009): Diversity - eine kleine Einführung in ein komplexes Thema. In: Abdul-Hussain, Surur/Baig, Samira (Hg.): Diversity in Supervision, Coaching und Beratung. Wien: facultas.wuv, S. 15-60.
  • Engel, Roland (2004): Die "Diversität" des Diversity Managements: Geschichte & Landkarten. In: Managing Diversity. Hernsteiner 17/2, S. 15-18.
  • Engel, Roland (2007): Die Vielfalt der Diversity Management Ansätze. Geschichte, praktische Anwendungen in Organisationen und zukünftige Herausforderungen in Europa. In: Koall, Iris/Bruchhagen, Verena/Höher, Friederike (Hg.): Diversity Outlooks. Managing Diversity zwischen Ethik, Profit und Antidiskriminierung. Hamburg: LIT-Verlag, S. 97-110.
  • Hull, Gloria T./Smith, Barbara/Scott, Patricia Bell (Hg.) (1982): But Some of Us Are Brave. All Women Are White, All Blacks Are Men. Black Women's Studies. New York: Feminist Press.
  • Vedder, Günther (2006): Die historische Entwicklung von Diversity Management in den USA und in Deutschland. In: Krell, Gertraude/Wächter, Hartmut (Hg.): Diversity Management - Impulse aus der Personalforschung. Trier Beiträge zum Diversity Management, Band 7. München und Mering: Rainer Haupp Verlag, S. 1-23.

 

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