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Integration und Partizipation

Annette Sprung 2008, aktualisiert 2013

Konzepte für die Gestaltung des Zusammenlebens in einer Migrationsgesellschaft stellen ein politisch umstrittenes Terrain dar und werden, international gesehen, unterschiedlich formuliert. Die Basis bildet zunächst das jeweilige Selbstverständnis einer Nation, woraus sich dann entsprechende Konzeptionen und Gesetze ableiten. Diese definieren, welche Optionen der Teilhabe für unterschiedliche MigrantInnengruppen zur Verfügung gestellt werden (Beispiel EU-Angehörige versus Drittstaatsangehörige). Einige Gesetze regeln die Frage des Zuzuges und Aufenthaltes, andere die Teilhabemöglichkeiten - etwa am Arbeitsmarkt oder in Bezug auf die politische Beteiligung. In Österreich wird eine diesbezügliche politische und öffentliche Debatte unter dem Schlagwort der Integration geführt. Die Politikwissenschaft unterscheidet zumeist zwischen einer systemischen, sozialen, kulturellen sowie politischen Ebene von Integration.

 

Integrationsbegriff - Diskurs und Kritik

Das gebräuchlichste Schlagwort in politischen und pädagogischen Programmen hinsichtlich des Einbezugs eingewanderter Personen und ihrer Nachkommen lautet "Integration". Der aus dem Lateinischen stammende Terminus kann mit "Wiederherstellung, Eingliederung" übersetzt werden - und suggeriert damit die Vorstellung eines homogenen Ganzen, in das die "Hinzukommenden" eingegliedert werden sollen.


Die Tatsache, dass sich moderne globalisierte Gesellschaften permanent verändern und in sich hochdifferenziert - also keine homogene Einheit - sind, verweist auf einen möglichen Kritikpunkt am erwähnten Integrationsbegriff. Des Weiteren wird mit der Idee der Eingliederung in einen bestehenden Kontext nahegelegt, dass sich die Aufnahmegesellschaft selbst nicht wandeln müsste, womit notwendige strukturelle Veränderungen tendenziell unberücksichtigt bleiben. Es wird zugleich ignoriert, dass MigrantInnen stets auch AkteurInnen sind, die durch ihr Handeln die sogenannten Aufnahmegesellschaften faktisch mitprägen.


Im öffentlichen Diskurs finden wir - je nach politischer Position  -  unterschiedlichste Verwendungsweisen von Integration - sie kann sowohl als weitgehende Assimilation der MigrantInnen oder aber als ein wechselseitiger Anpassungsprozess definiert werden, bei dem MigrantInnen u.a. auch der Erhalt einer eigenständigen kulturellen Identität zugestanden wird. Zu einem beidseitigen Prozess sollten nach dieser Auffassung sowohl EinwanderInnen (individuelle Leistungen) als auch die Gesellschaft (struktureller Wandel) und ihre Mitglieder aktiv beitragen.

Partizipation

Klarer als der Integrationsbegriff bringt "Partizipation" die Idee eines aktiven Mitgestaltens und der dafür erforderlichen Chancengerechtigkeit in allen gesellschaftlichen Bereichen zum Ausdruck. Ein solcher Ansatz erfordert sowohl den Abbau struktureller und institutioneller Barrieren wie auch die Unterstützung der Handlungsfähigkeit von MigrantInnen - zu der Erwachsenenbildung einen Beitrag zu leisten vermag. Dieser Beitrag reicht von kompensatorischen Angeboten wie der Unterstützung beim Anpassen von Qualifikationen über die Förderung der Mehrsprachigkeit bis hin zum Empowerment, der Unterstützung beim Aufbau sozialer Netzwerke sowie der Förderung aktiver gesellschaftlicher Teilhabe. Partizipation an Bildung meint nicht nur den Einbezug von MigrantInnen als TeilnehmerInnen, sondern ebenso die Eröffnung von Optionen der Erwerbstätigkeit auf allen Hierarchieebenen des Bildungswesens.

Integrationspolitiken

Das Feld Migration/Integration/Partizipation kann als eine politische Querschnittsmaterie bezeichnet werden. Gestaltungsaufgaben betreffen Arbeitsmarkt, Bildung, Soziales, die Wirtschaft, das Gesundheitswesen, politische Partizipation uvm. In Österreich werden migrationsbezogene Agenden traditionell dem Bundesministerium für Inneres (BMI) zugeordnet. Die Einrichtung eines Staatssekretariates für Integration in diesem Ministerium im Jahr 2011 gilt als erster Schritt einer Akzentuierung der Integrationsagenden als dezidiert zu gestaltendes Politikfeld. Im Erwachsenenbildungsbereich werden diverse, häufig projektbezogene Schwerpunkte zur Förderung integrativer Maßnahmen gesetzt (Beispiel: ESF-Projekte).


Die wichtigsten gesetzlichen Grundlagen bilden das Asylgesetz, das Niederlassungs- und Aufenthaltsgesetz (NAG), die Integrationsvereinbarung zum verpflichtenden Erwerb von Deutschkenntnissen als Teil des NAG, das Ausländerbeschäftigungsgesetz und das Staatsbürgerschaftsgesetz. Im Nationalen Aktionsplan Integration wurden unter Federführung eines vom BMI eingesetzten ExpertInnenrates Handlungsfelder und Maßnahmen für die zukünftige Integrationspolitik in Österreich formuliert. Im Rahmen einer kritischen Debatte zum Nationalen Aktionsplan gründete sich im Oktober 2012 ein unabhängiger ExpertInnenrat und präsentierte der Öffentlichkeit 125 alternative Vorschläge. In beiden Dokumenten wird die Erwachsenenbildung allerdings kaum explizit berücksichtigt.


Mit dem Migration Integration Policy Index (MIPEX) liegt eine internationale Studie vor, die vergleichende Einblicke in Integrationspolitiken in 34 Ländern, darunter auch Österreich, bereitstellt (vgl. British Council 2007).

 

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Weitere Informationen

Links

 

Literatur

  • Ataç, Ilker/Rosenberger, Sieglinde (Hg.) (2012): Politik der Inklusion und Exklusion. Wien: Vienna University Press.
  • Biffl, Gudrun/Dimmel, Nikolaus (Hg.) (2011): Migrationsmanagement. Grundzüge des Managements von Migration und Integration. Bad Vöslau: Omnium.
  • Burtscher, Simon (2009): Zuwandern, aufsteigen, dazugehören. Etablierungsprozesse von Eingewanderten. Innsbruck, Wien, Bozen: Studien-Verl.
  • Gulis, Wolfgang (2013): Migrationsdiskurs in Österreich. Saarbrücken: Akademikerverlag.
  • Langthaler, Herbert (Hg) (2010): Integration in Österreich. Sozialwissenschaftliche Befunde. Innsbruck/Wien/Bozen.
  • Leibetseder, Bettina/Weidenholzer, Josef (Hg.) (2008): Integration ist gestaltbar. Strategien erfolgreicher Integrationspolitik in Städten und Regionen. Wien: Braumüller.
  • Oberlechner, Manfred (Hg.) (2006): Die missglückte Integration? Wege und Irrwege in Europa. Wien: Braumüller.

 

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