Alphabetisierung und Basisbildung für Erwachsene

Monika Kastner (2013), aktualisiert 2015

Die Notwendigkeit von Alphabetisierung und Basisbildung für die Zielgruppe der bildungsbenachteiligten Erwachsenen mit grundlegendem Bildungsbedarf wird seit den 1970er Jahren in Industrienationen diskutiert und in der Praxis der Erwachsenenbildung in Form von Angeboten umgesetzt.


In Österreich begann die Alphabetisierungs-/ Basisbildungsarbeit Ende der 1980er/Anfang der 1990er Jahre mit Kursen in Wien. Diese Kurse richteten sich zum einen an Personen mit Deutsch als Erstsprache und zum anderen an MigrantInnen mit grundlegendem Bildungsbedarf.


Aktuell ist die Basisbildungsarbeit in Österreich auf einem sehr guten Stand, vor allem ab den 2000er Jahren wurden die Bemühungen intensiviert. Sie ist getragen von engagierten Personen in etablierten Einrichtungen sowie in neu geschaffenen Verbünden und Projekten. Diese Entwicklungen wurden und werden insbesondere von europäischen bildungsprogrammatischen Konzepten und daraus hervorgegangenen Initiativen und Förderprogrammen "befeuert". Aktuell werden Angebote im Bereich Basisbildung/Grundkompetenzen über die "Initiative Erwachsenenbildung" (2015-2017) bereitgestellt. Darüber hinaus werden weitere Projekte über den Europäischen Sozialfonds (2014-2020) finanziert. 

Welche Fragen werden mit dem Dossier beantwortet?

Grundlagen: Alphabetisierung und Basisbildung für Erwachsene

Basisbildungsangebote werden auf sozial- und bildungsbenachteiligte Zielgruppen abgestimmt und zugeschnitten. In diesem Zusammenhang sind die Benennungspraxen von Interesse: Zum einen wird die nicht-diskriminierende Bezeichnung der Zielgruppe als bildungsbenachteiligte Erwachsene mit Basisbildungsbedarf vorgeschlagen. Zum anderen wird der wissenschaftsgebundene Terminus des funktionalen Analphabetismus erläutert.


Danach werden soziale Ungleichheit und Benachteiligung im Bildungssystem skizziert. Hierbei geht es in erster Linie um Aspekte der sozialen "Vererbung" von Bildungsprivilegien und Nachteilen, die u.a. in den PISA-Ergebnissen sichtbar wird. Der "Matthäus-Effekt" in der Weiterbildung erklärt die Verstetigung von Bildungsbenachteiligung über die Lebensspanne. Der Zusammenhang zwischen Bildungsstand und Erwerbsarbeitslosigkeit(srisiko) wird im Daten-Monitoring des AMS deutlich.


Schließlich werden Ursachen für Basisbildungsbedarfe referiert. Diese sind komplex, vielgestaltig und relativ gut untersucht. Im Anschluss daran werden Fragen zur Größe der Zielgruppe und zur Angebotsstruktur thematisiert. PIAAC, die internationale Vergleichsstudie zu Alltagsfähigkeiten Erwachsener, an der Österreich 2011/2012 teilgenommen hat, lieferte belastbare nationale Daten. Ein noch zu etablierendes gesamtösterreichisches Angebots- und Teilnahme-Monitoring könnte vertiefte Analysen ermöglichen.


Im Abschnitt zu Forschung und Entwicklung im Bereich Alphabetisierung und Basisbildung werden österreichische Studien dokumentiert. Aktuell investiert Deutschland Millionen in Forschung zu Alphabetisierung/Grundbildung. Wesentliche Erkenntnisse aus diesem Förderschwerpunkt werden dargestellt. In einem Ausblick werden für Österreich Forschungs- und Entwicklungsthemen skizziert.

 

Bildungspraxis: Alphabetisierungs- und Basisbildungsangebote für Erwachsene

Das ALFA-Telefon ist die zentrale Beratungsstelle für Betroffene und deren Vertraute - erreichbar unter 0800 244 800. Die Website "Zentrale Beratungsstelle" dokumentiert das Kursangebot in Österreich, auch in Form einer Angebotslandkarte.

 

Der Abschnitt zu Basisbildungsinhalten und zum Lehren und Lernen informiert über die Lernbedürfnisse der Zielgruppen und die daraus resultierende Angebotsgestaltung.

 

Das Thema der Qualität in der Alphabetisierung/Basisbildung betrifft zum einen für das Praxisfeld erarbeitete Qualitätsstandards, zum anderen im Bereich der Professionalisierung die Aus- und Weiterbildung des im Feld tätigen pädagogischen Personals.

 

Bildungspolitik: Nationale und supranationale Bildungspolitik im Bereich Alphabetisierung/Basisbildung für Erwachsene

Ein Rückblick informiert über den österreichischen "bottom-up-Prozess", in dem engagierte Einzelpersonen Ende der 1980er/Anfang der 1990er Jahre die Initiative ergriffen und erste Angebote konzipierten. Der Beitritt Österreichs zur EU 1995 eröffnete den Zugang zu Fördermöglichkeiten. Die europäische Bildungsprogrammatik nimmt massiven Einfluss auf die nationalen Bedingungen und Entwicklungen. Aktuell ist die Alphabetisierung/Basisbildung Erwachsener ganz oben auf der politischen Agenda, nämlich im österreichischen Regierungsprogramm und in der Strategie zum lebensbegleitenden Lernen in Österreich (LLL:2020), zu finden. Die UN-Weltalphabetisierungsdekade (2003-2012) und die Tradition der internationalen Vergleichsstudien - aktuell: PIAAC - haben dazu einen wesentlichen Beitrag geleistet.

 

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