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Diversitätskompetenz

Surur Abdul-Hussain und Roswitha Hofmann (2013)

Diversitätskompetenz ist ein Bündel von Kompetenzen, das sich auf den Umgang mit Gemeinsamkeiten und Unterschiedlichkeiten bezieht. Sie erfordert fundiertes diversitätstheoretisches Wissen sowie systematische und laufende Selbstreflexion der eigenen Diversität. Zudem benötigt Diversitätskompetenz hohe soziale Kompetenz und die Fähigkeit, diese Qualitäten in der Anwendung von Diversitätsmanagement umzusetzen. Diversitätskompetenz ist somit eine Grundvoraussetzung für diversitätssensible Erwachsenenbildung.

 

Definition Diversitätskompetenz

Diversitätskompetenz in der Erwachsenenbildung bedeutet, erwachsenenbildnerische Kompetenzen mit Diversitätskompetenz zu verknüpfen. Diversität wird dabei als selbstverständlicher Aspekt menschlichen Miteinanders verstanden. Diversitätskompetenz beschreibt die Fähigkeit, bewusste und theoriegeleitete Analysen und systematische Reflexionen aus Diversitätsperspektive vornehmen zu können. Analyse und Reflexion können sich auf die Gruppensituation, Strukturen, Denksysteme, Organisationen und Institutionen beziehen. Darüber hinaus geht es um die Fähigkeit, aus diesem Prozess adäquate und diversitätssensible Handlungen und Interventionen entwickeln zu können. Dieses Vorgehen erfordert multidimensionale (Vielfalt von Dimensionen) und intersektionale Perspektiven (verbundene und verflochtene Identitätsaspekte). Voraussetzung dafür sind Kompetenzen auf der Wissens- und der Selbstreflexionsebene, soziale Kompetenz und diversitätssensible Einstellungen sowie Handlungskompetenz (Fähigkeit) und -performanz (Umsetzung).

 


 Abbildung: Diversitätskompetenz (eigene Darstellung)


Fundiertes Wissen ist eine zentrale Voraussetzung für Analyse und Reflexionen und umfasst folgende Bereiche: Unterschiedsdimensionen und ihre Dynamik, Diversitätstheorien, sozialpsychologische Aspekte wie Exklusions- und Inklusionsprozesse, Diskriminierungsprozesse, Einstellungen und Kognitionen ("Bilder im Kopf"), Gruppendynamik, Konstruktionsprozesse von Diversität, Empowermentbewegungen und Entstehungsprozesse von gesellschaftlichen Differenzen, die aktuelle Datenlage, rechtliche Grundlagen etc.


Selbstreflexion bezieht sich auf die eigene Diversität, den persönlichen Umgang mit Diversität und "Fremdem", die persönlichen Prägungen und Sozialisationsprozesse, das eigene Handeln, die eigenen Entwicklungsfelder in Bezug auf Diversität etc.


Soziale Kompetenz und diversitätssensible Einstellungen umfassen eine mitmenschliche Grundhaltung, Integrität, Anerkennung von Diversität als selbstverständlichen Aspekt sozialen Miteinanders, Interesse an und Offenheit in Bezug auf Vielfältigkeit, Empathiefähigkeit, Beobachtungs- und Wahrnehmungskompetenz, Kommunikationskompetenz, Kompetenz zum Aufbau von Beziehungen, Konfliktklärungskompetenz, Reflexionskompetenz, Analysekompetenz, Fähigkeit zum Perspektivenwechsel, Ambiguitätstoleranz etc.


Handlungskompetenz und -performanz meint die Fähigkeit, konstruktive inklusive Lernräume und -atmosphären zu schaffen, in denen alle am Lernprozess partizipieren können, Vielfaltspotenzial zugänglich zu machen, Programme zur Schaffung von diversitätssensiblen strukturellen und sozialen Rahmenbedingungen zu entwickeln, Rollenvorbild zu sein, diversitätssensibel zu sprechen, die Umsetzung von Methoden zur Thematisierung von Unterschieden und zur Entwicklung von konstruktiver Zusammenarbeit etc.


Wird Diversitätsmanagement in Organisationen implementiert, erfordert Diversitätskompetenz auch Methodenkompetenz zur konkreten Einführung von diversitätsspezifischen Maßnahmen und Managementkonzepten (u.a. Analyse- und Evaluierungsverfahren, partizipative Organisationsgestaltungskonzepte) (Hanappi-Egger/Hofmann 2012).

Weitere Modelle und Systematisierungen von Diversitätskompetenz

 

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Weitere Informationen

Quellen

  • Abdul-Hussain, Surur (2012): Genderkompetenz in Supervision und Coaching. Mit einem Beitrag von Ilse Orth und Hilarion G. Petzold zu "Genderintegrität". Wiesbaden: Springer VS Verlag.
  • Appiano-Kugler, Iris/Kogoj, Traude (Hg.) (2008): Going Gender and Diversity. Ein Arbeitsbuch. Wien: facultas.wuv.
  • Egger-Subotitsch, Andrea/Fellinger-Fritz, Alfred/Meirer, Monika/Steiner, Karin/Voglhofer, Margit (2011): Praxishandbuch Train-the-Trainer-Methoden in der Berufs- und Arbeitsmarktorientierung. Wien: AMS-Österreich. »Link
  • Fellinger-Fritz, Alfred (2011): Diversity-Kompetenz von Trainer_innen. In: Egger-Subotitsch, Andrea/Fellinger-Fritz, Alfred/Meirer, Monika/Steiner, Karin/Voglhofer, Margit: Praxishandbuch Train-the-Trainer-Methoden in der Berufs- und Arbeitsmarktorientierung. Wien: AMS-Österreich. S. 53-71. »Link
  • Hanappi-Egger, Edeltraud/Hofmann, Roswitha (2012): Diversitätsmanagement unter der Perspektive organisationalen Lernens: Wissens- und Kompetenzentwicklung für inklusive Organisationen. In: Bendl, Regine/Hanappi-Egger, Edeltraud/Hofmann, Roswitha (Hg.): Diversität und Diversitätsmanagement. Wien: facultas.wuv, S. 327-349.
  • Perko, Gudrun/Czollek, Leah Carola (2008): Gender und Diversity gerechte Didaktik: ein intersektionaler Ansatz. In: Magazin erwachsenenbildung.at: Gender und Erwachsenenbildung - Zugänge, Analysen und Maßnahmen, 3, S. 07-1-07-25. »Link
  • Tschenett, Roswitha (2008): Warum - Wozu - Was meint Gender- und Diversitätskompetenz im Bereich Ausbildung. In: Appiano-Kugler, Iris/Kogoj, Traude (Hg.): Going Gender and Diversity. Ein Arbeitsbuch. Wien: facultas.wuv, S. 99-112.

 

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