„Selbstbestimmt Frau sein“: Bildungsprojekt stärkt Frauen in der Oststeierm
Das Projekt „Selbstbestimmt Frau sein“ beinhaltet Workshops, Coachings, Vernetzungstreffen und ein offenes BarCamp und schafft Räume für Austausch, Reflexion und Empowerment. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung (BMFWF) gefördert, alle Veranstaltungen sind kostenlos nutzbar.
Frauen und ihre Aufgaben im ländlichen Raum
Im ländlichen Raum übernehmen Frauen häufig vielfältige Aufgaben: beruflich, familiär, ehrenamtlich. Viele davon bleiben unsichtbar. Etwa erledigen Frauen in Paarhaushalten Statistik Austria zufolge rund zwei Drittel der Kinderbetreuung und doppelt so viel Hausarbeit wie Männer (unabhängig vom Erwerbsausmaß). Der Zeitaufwand für unbezahlte Arbeit beträgt bei Frauen und Mädchen durchschnittlich knapp 4 Stunden, bei Männern und Buben durchschnittlich knapp 2 ½ Stunden, so die Statistik Austria. Je jünger die Kinder, desto ungleicher die Verteilung.
Kinderbetreuungsangebote sind unzureichend vorhanden: in der Steiermark im Vergleich zu anderen Bundesländern und in ländlichen Regionen im Vergleich zu Städten noch weniger. Das zeigt der 12. Kinderbetreuungsatlas der Steirischen Arbeiterkammer für das Jahr 2025 auf.
Darüber hinaus sind in ländlichen Regionen traditionelle Rollenvorstellungen stärker ausgeprägt als im urbanen Raum, so eine Studie aus Oberösterreich.
All das erschwert den Frauen in ländlichen Regionen der Steiermark die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Folge ist, dass viele überqualifiziert, in Teilzeit oder auch gar berufstätig sind.
Frauen stärken, vernetzen und fördern
Das Projekt „Selbstbestimmt Frau sein“ setzt hier an und verfolgt vier zentrale Anliegen:
- Frauen stärken: Die Veranstaltungen machen die Arbeit von Frauen sichtbar, stärken ihr Selbstvertrauen und eröffnen den Frauen neue Perspektiven.
- Bewusstsein für finanzielle Unabhängigkeit fördern: Eigene finanzielle Mittel erweitern die persönlichen Handlungsspielräume. Die Veranstaltungen machen finanzielle Themen greifbar und zeigen Wege zu mehr ökonomischer Selbstständigkeit auf.
- Vereinbarkeit reflektieren: Die Veranstaltungen schaffen Impulse und vermitteln Werkzeuge, um Vereinbarkeit realistisch, alltagstauglich und ohne Perfektionsdruck zu gestalten.
- Frauen vernetzen: Die Veranstaltungen bieten Räume für Solidarität, Inspiration und gemeinsames Lernen.
Das Projekt richtet sich an Frauen aller Lebensphasen, die beruflich, familiär oder ehrenamtlich viel leisten und sich selbst dabei oft zu wenig Raum geben.
Breites Spektrum an Bildungsformaten
Das Projekt umfasst eine Vielzahl an Angeboten, die unterschiedliche Bedürfnisse und Lebenssituationen berücksichtigen:
Den Kern bilden sechs ganztätige Workshops mit Expertinnen zu Themen wie Finanzen, Mental Load, digitale Präsenz und Selbstwirksamkeit. Sie sind methodisch sehr unterschiedlich ausgestaltet, um möglichst viele Frauen gut anzusprechen, darunter theaterpädagogische oder schreibpädagogische Methoden. Darüber hinaus stehen den Frauen Einzel- und Gruppencoachings mit einer systemischen Coachin zur Verfügung. In der traditionell eher männlich geprägten „Stammtisch“-Tradition erfolgen mit den „FrauenNetzwerkTischen“ regelmäßige Austauschtreffen für Vernetzung, Kooperation und gegenseitige Unterstützung.
Ein BarCamp mit anschließendem Expertinnengespräch für die Diskussion offener Problemstellungen und Fragen und eine Abschlussveranstaltung mit Frauenfrühstück, Zertifikatsverleihung und einer Frauentheater-Performance runden das kostenlose Veranstaltungsangebot ab.
BarCamp: Offener Raum für Ideen, Expertise und Mitgestaltung am 7. November
Ein besonderes Highlight des Projekts ist das FrauenBarCamp, das am 7. November 2026 stattfindet. Als offenes, partizipatives Format lädt es Frauen ein, selbst Themen einzubringen, Sessions zu gestalten und ihre Erfahrungen und Expertise zu teilen. Im Mittelpunkt stehen dabei die vielfältigen Rollen und Aufgaben von Frauen sowie Fragen der Vereinbarkeit. Das BarCamp bietet außerdem Raum für spontane Diskussionen und Vernetzung. Das Format wurde gewählt, da es gut zum Projektziel passt: Frauen zu ermutigen, ihre Stimme zu erheben, eigene Anliegen einzubringen und gemeinsam neue Perspektiven zu entwickeln.
Im Anschluss werden die Expertinnen Nora Tödtling-Musenbichler, Präsidentin der Caritas Österreich, Sarah Bauernhofer, Obfrau des Vereins „Von Mama zu Mama“ und Stefanie Brottrager, Regionalleiterin von zam Oststeiermark, die erarbeiteten Themen und Inhalte mit den Teilnehmerinnen besprechen und aus ihren Erfahrungen in der Frauenarbeit erzählen.
Was gut gelang …
Nachdem fünf von sechs Workshops, aber auch einige Einzel- und Gruppencoachings und FrauenNetzwerkTische bereits durchgeführt wurden, lässt sich ein erstes Zwischenresümee ziehen:
Frauenförderung erfolgt im Projekt in zwei Richtungen: Einerseits profitieren die Teilnehmerinnen stark von der großen Expertise der Workshopleiterinnen und der Coachin, das zeigen die Evaluationsergebnisse sehr deutlich. Andererseits können aufgrund der Fördermittel angemessene Honorare an die Erwachsenenbildnerinnen bezahlt werden. Bei nicht geförderten, kostendeckenden Bildungsveranstaltungen würde dies zu sehr hohen Teilnahmegebühren oder zu einem Preisdruck auf die Erwachsenenbildnerinnen führen.
Die Berücksichtigung der individuellen Lebenssituationen der Teilnehmerinnen trägt laut Evaluationsergebnissen zu einem Zugewinn an Selbsterkenntnis und Selbstbewusstsein bei.
Die Wahl von Präsenzformaten und der dadurch entstehende Raum für direkten, persönlichen Austausch ermöglichen eine intensive Vernetzung, die über die Projektveranstaltungen hinausreichen kann, z. B. in Form von privaten Freundschaften oder beruflichen Kooperationen.
Mit dem Projekt konnten Teilnehmerinnen gewonnen werden, die sich einen kostenpflichtigen Workshop nicht hätten leisten können. Besonders im Finanzbildungsworkshop kam zur Sprache, mit wie wenig Geld Einzelne wöchentlich tatsächlich auskommen müssen – für diese Frauen wäre die Teilnahme an einer kostenpflichtigen Weiterbildung schlicht unmöglich.
… und die Herausforderungen
Obwohl alle Workshops frühzeitig ausgebucht waren und Wartelisten geführt wurden, kam es wiederholt zu kurzfristigen Absagen und unangekündigter Nichtteilnahme. Dadurch konnten frei gewordene Plätze teilweise nicht mehr nachbesetzt werden.
Eine weitere Herausforderung waren bislang die Vernetzungstreffen, die sogenannten „FrauenNetzwerkTische“. Sie wurden intern moderiert, teils wurden die Fachexpertinnen aus den Workshops für einen weiteren kurzen Input dazu eingeladen. Das Interesse an den Vernetzungstreffen war, ob mit oder ohne Fachexpertinnen, gering bzw. die Hürde für eine Teilnahme zu groß.
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