Häufig gestellte Fragen zur Nachholung des Pflichtschulabschlusses

Zulassung und Entfall von Prüfungsgebieten

1) Wie erfolgt die "Umrechnung/Einrechnung" bereits herkömmlich abgelegter Fächer ins neue System?

Unter Vorlage von Zeugnissen ist es möglich, den Entfall von Prüfungsgebieten zu beantragen. Dieser Antrag ist gleichzeitig mit dem Antrag auf Zulassung zur Pflichtschulabschluss-Prüfung an einer öffentlichen oder mit Öffentlichkeitsrecht ausgestatteten Neuen Mittelschule einzubringen. Vom Vorsitzenden der Kommission ist festzulegen, welche Prüfungsgebiete der Pflichtschulabschluss-Prüfung aufgrund der positiven Nachweise entfallen. Ein Prüfungsgebiet kann jedoch nur dann entfallen, wenn alle ihm zugeordneten Gegenstände positiv absolviert wurden.

siehe: § 2 Abs. 3 Z 5 und § 3 Abs. 4 Z 1 PflSchAbschl-PrG sowie Punkt 2.1.2. - G des Rundschreibens 20/2012

2) Wann entfällt ein Prüfungsgebiet? Beispiel: Jemand hat im Jahreszeugnis der 8. Schulstufe in Geschichte eine positive Note, in Deutsch aber ein "Nicht Genügend". Hat diese Person dadurch Anspruch auf eine Stoffeinschränkung im Prüfungsgebiet "Deutsch - Kommunikation und Gesellschaft"?

Ein Prüfungsgebiet kann nur entfallen, wenn alle ihm zugeordneten Unterrichtsgegenstände der Neuen Mittelschule oder Hauptschule positiv absolviert wurden. Ein teilweiser Entfall eines Prüfungsgebietes bzw. eine Stoffeinschränkung ist nicht möglich. In dem hier genannten Beispiel hätte die Kandidatin bzw. der Kandidat deshalb zwei Optionen:

1.) Absolvierung des Prüfungsgebiets "Deutsch - Kommunikation und Gesellschaft" der Pflichtschulabschluss-Prüfung unter fächerübergreifender Berücksichtigung der Teilgebiete aus Geschichte, Sozialkunde und Politischer Bildung. Das führt zu einem Zeugnis der Pflichtschulabschluss-Prüfung.

2.) Absolvierung des Gegenstands "Deutsch" nach dem Lehrplan der Neuen Mittelschule an einer Externistenprüfungskommission. Das führt zu einem Zeugnis der Neuen Mittelschule.

siehe: § 3 Abs. 4 Z 1 PflSchAbschl-PrG sowie Externistenprüfungsverordnung (BGBl. Nr. 362/1979 idF BGBl. II Nr. 125/1997)

Anerkennung des Abschlusses und Wahlgebiete

3) Welches Wahlfach muss positiv absolviert werden, um in ein Gymnasium aufgenommen zu werden?

Für die Aufnahme in ein Realgymnasium muss das Prüfungsgebiet "Natur und Technik" erfolgreich abgelegt oder eine Aufnahmeprüfung absolviert werden. Wird die Aufnahme in eine andere allgemein bildende höhere Schule angestrebt, muss jedenfalls eine Aufnahmeprüfung positiv bestanden werden, um aufgenommen zu werden. Beispiele hierfür sind humanistische Gymnasien, Spezialformen für musische oder sportliche Ausbildungen usw.

siehe § 2 Pflichtschulabschluss-Prüfungs-Verordnung sowie Punkt 2.1.2. - D des Rundschreibens 20/2012

4) Welche Fremdsprachen können als Wahlgebiet "Weitere Sprache" gewählt werden?

Analog zu den Lehrplanbestimmungen der Neuen Mittelschule (NMS) können folgende "Weitere Sprachen" als Wahlgebiet absolviert werden: Bosnisch, Französisch, Italienisch, Kroatisch, Polnisch, Russisch, Serbisch, Slowakisch, Slowenisch, Spanisch, Türkisch, Tschechisch und Ungarisch.

5) Welches Wahlfach bzw. welche Wahlfächer sind Voraussetzung für die Absolvierung einer Lehre?

Es ist kein Nachweis über die positive Absolvierung bestimmter Wahlfächer notwendig, um eine Lehre (duale Ausbildung) beginnen zu können. Ein Lehrverhältnis wird ausschließlich durch einen Lehrvertrag begründet. Das heißt, um eine duale Ausbildung anzutreten, ist an sich auch kein positiver Abschluss der 8. Schulstufe notwendig. Allerdings sind die Chancen, einen Lehrplatz zu erhalten bzw. zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden, ohne positiven Pflichtschulabschluss deutlich geringer. Die Kandidatinnen und Kandidaten sollten daher im Rahmen der Kompetenzfeststellung zu Beginn des Lehrganges ausführlich beraten werden. Die Wahlgegenstände sollten unter Berücksichtigung der weiteren beruflichen Ziele festgelegt werden, auch wenn rein rechtlich keine Notwendigkeit dafür besteht.

siehe § 12 Abs. 1 Berufsausbildungsgesetz (BAG)

6) Anerkennen die Betriebe den Pflichtschulabschluss für Erwachsene?

Der Pflichtschulabschluss für Erwachsene ist dem Abschluss der Neuen Mittelschule gesetzlich gleichgestellt. Sowohl die Bundesarbeitskammer als auch die Wirtschaftskammer Österreich waren in den Gesetzeswerdungsprozess eingebunden und die Anliegen der Sozialpartner wurden weitgehend berücksichtigt. Deshalb ist davon auszugehen, dass sich diese neue Prüfungsform auch rasch am Arbeitsmarkt durchsetzen wird.

siehe § 1 Abs. 4 PflSchAbschl-PrG

Pädagogik, Materialien und Behelfe

7) Wie und wo werden die Lehr(plan)inhalte für das neue Modell festgelegt?

Umfang und Inhalt der Prüfungsgebiete der Pflichtschulabschluss-Prüfung sind in einer eigenen Verordnung festgelegt (BGBl. II Nr. 288/2012). Um die praktische Umsetzung zu erleichtern, wurde vom bm:ukk unter Beteiligung zahlreicher ExpertInnen ein kompetenzbasiertes Curriculum erarbeitet, das als pädagogische Handreichung zur Verfügung steht. Den Externistenprüfungskommissionen und den anerkannten Lehrgängen zur Vorbereitung auf die Pflichtschulabschluss-Prüfung wird empfohlen, dieses Curriculum als gemeinsames Referenzdokument zu nutzen. Das Curriculum orientiert sich an den Lehrplänen der Neuen Mittelschule und der Polytechnischen Schule.

siehe Verordnung der Bundesministerin für Bildung und Frauen über die Prüfungsgebiete der Pflichtschulabschluss-Prüfung (BGBl. II Nr. 288/2012) sowie Punkt 3.2. des Rundschreibens 20/2012

8) Wird es Handreichungen und Unterlagen für TrainerInnen geben?

Folgende Handreichungen stehen den ProgrammplanerInnen sowie TrainerInnen in den Einrichtungen der Erwachsenenbildung und den Externistenprüfungskommissionen online auf erwachsenenbildung.at zur Verfügung:

  • ein Methodenhandbuch für Lehrende
  • eine Sammlung mit Unterrichtsbeispielen und Materialien pro Gegenstand
  • eine Handreichung zur kompetenzorientierten, fächerübergreifenden Leistungsfeststellung bei Erwachsenen

Qualifikation von TrainerInnen und PrüferInnen

9) Welche Qualifikationserfordernisse müssen erfüllt werden, um den Gegenstand "Berufsorientierung" unterrichten zu dürfen? Welche Qualifikationen sind notwendig, um als PrüferIn fungieren zu können?

Vortragende und Prüfende an anerkannten Lehrgängen zur "Berufsorientierung" müssen den generellen gesetzlichen Bestimmungen entsprechen. Das bedeutet:

 

  • PrüferInnen müssen über den erfolgreichen Abschluss eines facheinschlägigen, zum Unterricht an Hauptschulen, Neuen Mittelschulen, Polytechnischen Schulen oder mittleren und höheren Schulen befähigenden Studiums an einer anerkannten postsekundären Bildungseinrichtung verfügen.
  • Vortragende müssen ein facheinschlägiges Studium an einer anerkannten postsekundären Bildungseinrichtung erfolgreich abgeschlossen haben. Zudem müssen sie eine zumindest zwölfmonatige Berufserfahrung als Vortragende in der Aus-, Fort- oder Weiterbildung aufweisen.


Das Gesetz bietet also einen relativ großen Ermessensspielraum, was die spezifischen Qualifikationen im Bereich von Beratung und Berufsorientierung betrifft. Somit können in diesem Bereich SozialarbeiterInnen ebenso zum Einsatz gelangen wie Personen mit non-formal und informell erworbener Kompetenz im Bereich der Information und Beratung. Oft werden Dienstgeberzeugnisse, einschlägige Weiterbildungsnachweise u.ä. zusätzlich zu den oben genannten gesetzlichen Erfordernissen ausreichend sein, um die Erfordernisse zu erfüllen.

siehe § 8 Abs. 2 Z 2 PflSchAbschl-PrG sowie Punkt 6.3. des Rundschreibens 20/2012

Beispiel a:
Eine Trainerin verfügt über einen Hochschulabschluss in Deutscher Philologie und Geschichte, aber keine Lehramtsausbildung. Sie ist seit mehreren Jahren in der Erwachsenenbildung im Bereich der Vorbereitungslehrgänge auf den Hauptschulabschluss tätig. Zu den Aufgaben dieser Trainerin zählte auch die per Dienstgeberzeugnis nachgewiesene Bildungsberatung. Diese Trainerin erfüllt somit die Voraussetzungen, um als Vortragende eines anerkannten Lehrgangs im Gegenstand "Berufsorientierung" tätig sein zu können (= postsekundäre Ausbildung + mindestens 12 Monate Berufserfahrung).
 
Beispiel b:
Ein Absolvent einer Sozialakademie bzw. FH für Sozialarbeit ist bereits seit mehr als 12 Monaten in der Erwachsenenbildung tätig. Er erfüllt in seinem Arbeitsgebiet auch Beratungs-, Coaching- und Orientierungsaufgaben. Darüber hinaus hat er das wba-Zertifikat als Berater erworben. Dieser Trainer erfüllt somit die Voraussetzungen, um als Vortragender eines anerkannten Lehrgangs im Gegenstand "Berufsorientierung" tätig sein zu können (= postsekundäre Ausbildung + mindestens 12 Monate Berufserfahrung).

Beispiel c:
Eine Trainerin, die über das Lehramt für Hauptschulen verfügt, befindet sich in einer familienbedingten Erwerbspause. Sie möchte jedoch einige Stunden pro Woche in der Erwachsenenbildung tätig sein. Im Rahmen ihrer Unterrichtspraxis hat sie auch den schulischen Gegenstand "Berufsorientierung" betreut. Diese Trainerin erfüllt somit die Voraussetzungen, um als Prüferin eines anerkannten Lehrgangs im Gegenstand "Berufsorientierung" tätig sein zu können (= Abschluss eines facheinschlägigen Studiums.)

10) Sind LehrerInnen, die über das Lehramt in Englisch verfügen, dazu berechtigt, im Gegenstand "Englisch - Globalität und Transkulturalität" auch die Inhalte aus Geografie zu prüfen?

Ja. Grundsätzlich wird davon ausgegangen, dass jeder der neuen Unterrichtsgegenstände von einer Prüferin bzw. einem Prüfer geprüft wird. Um unterschiedliche Kompetenzfelder in eine zusammenhängende Aufgabenstellung zu integrieren, ist dies jedenfalls explizit erwünscht und angestrebt. Denn andernfalls besteht die Gefahr, dass jede Prüferin bzw. jeder Prüfer auf "ihr" bzw. "sein" Gebiet fokussiert. Der der fächerübergreifende, kompetenzorientierte Ansatz ginge damit verloren. Das Pflichtschulabschluss-Prüfungs-Gesetz zielt aber auf fächerübergreifende Aufgabenstellen. Das heißt, auch jene Bildungsinhalte und Themenfelder sind adäquat zu berücksichtigen, die nicht dem jeweils eigenen Unterrichtsschwerpunkt entsprechen. Der fächerübergreifende Charakter wird eher im Unterricht als in der Prüfung zum Ausdruck kommen. Denn die Prüfungssituation selbst lässt aus zeitlichen Gründen nur einen beschränkten Spielraum für fächerübergreifende Ansätze zu.

siehe Punkt 4.2. des Rundschreibens 20/2012

Durchführung der Prüfungen, Projektarbeit und Portfolio

11) Wenn die Prüfungen nicht im Rahmen eines vom Bund und den Ländern geförderten und für die TeilnehmerInnen kostenfreien Lehrgangs absolviert werden: Wer trägt die Kosten dafür?

Im Rahmen des Zulassungsverfahrens zur Externistenprüfung ist eine Gebühr von € 14,30 (Eingabengebühr gemäß § 14 TP 6 Abs. 5 Z 3 des Gebührengesetzes) zu entrichten. Weiters ist bei der Ausfertigung des Abschlusszeugnisses eine Gebühr in Höhe von € 14,30 zu bezahlen (§ 14 TP 14 Abs. 2 Z 4 des Gebührengesetzes). Das gilt auch für die Ausstellung von Duplikaten). Bei der Absolvierung der einzelnen Teilprüfungen fallen hingegen keine Gebühren an. Das bedeutet, dass auch Personen, die sämtliche Teilprüfungen an einer Externistenprüfungskommission ablegen, über diese € 28,60 hinaus keine weiteren Kosten zu tragen haben.

12) Steht es den Kandidatinnen und Kandidaten offen, Prüfungen an einer Erwachsenenbildungseinrichtung zu absolvieren, auch wenn sie zuvor keinen Vorbereitungslehrgang an dieser Einrichtung besucht haben?

Diese Möglichkeit steht den Kandidatinnen und Kandidaten nicht offen. Im Bereich der Erwachsenenbildung können gemäß den gesetzlichen Bestimmungen vom Unterrichtsministerium nur "Lehrgänge zur Vorbereitung" anerkannt werden, nicht aber die Institutionen als solche. Wird kein Vorbereitungslehrgang besucht (oder seitens der Einrichtung angeboten), fällt die maßgebliche Voraussetzung für eine Anerkennung weg. Der Zugang zur Externistenprüfung an einer öffentlichen oder mit dem Öffentlichkeitsrecht ausgestatteten Neuen Mittelschule (NMS) steht  KandidatInnen, die keinen Vorbereitungslehrgang absolvieren, uneingeschränkt offen.

siehe § 8 Abs. 1 und § 9 Abs. 1 PflSchAbschl-PrG sowie Punkte 2.1.1. und 6. des Rundschreibens 20/2012

Beispiel:
Eine Kandidatin absolviert an einer  Erwachsenenbildungseinrichtung einen anerkannten Lehrgang  im Gegenstand "Deutsch - Kommunikation und Gesellschaft" und legt an dieser Einrichtung auch die entsprechende Teilprüfung ab. Im Gegenstand "Kreativität und Gestaltung" hat sich diese Kandidatin im Selbststudium vorbereitet und keinen Vorbereitungslehrgang besucht. Die Erwachsenenbildungseinrichtung, an der die Kandidatin die Teilprüfung in "Deutsch - Kommunikation und Gesellschaft" absolviert hat, führt jedoch auch einen anerkannten Lehrgang in "Kreativität und Gestaltung". Deshalb möchte die Kandidatin ihre entsprechende Teilprüfung auch gleich an der Erwachsenenbildungseinrichtung ablegen. Dies ist rechtlich allerdings nicht möglich, d.h. in diesem Fall muss die Kandidatin die Teilprüfung in "Kreativität und Gestaltung" jedenfalls vor einer Externistenprüfungskommission ablegen.

13) In welcher Sprache wird die Prüfung im Gegenstand "Englisch - Globalität und Transkulturalität" abgehalten?

Eine kompetenzorientierte Prüfungssituation trägt der Individualität der Kandidatin bzw. des Kandidaten Rechnung. Art und Inhalt der Aufgabenstellung wie auch der Sprachmodus der Prüfungssituation bilden einen insgesamt adäquaten und in sich schlüssigen Rahmen für die Leistungsfeststellung. Je nach Aufgabenstellung und persönlichem Hintergrund der Kandidatin bzw. des Kandidaten wird sich dieser Rahmen unterschiedlich gestalten und sich zudem im Prüfungsverlauf auch unterschiedlich entwickeln. Aus diesem Grund sind sowohl Prüfungssituationen vorstellbar, in denen teils auf Englisch, teils auf Deutsch kommuniziert wird. Beispielsweise wenn es um inhaltliche Zusammenhänge geht, für die ein spezielles, über das Niveau von A2 hinausgehendes Vokabular benötigt wird. Es gibt aber auch Prüfungssituationen, in denen alle Aufgaben auf Englisch zu bearbeiten sind. Beispielsweise wenn der inhaltliche Schwerpunkt bei einer schriftlichen Klausur vertraute Dinge aus Arbeit, Schule, Freizeit usw. betrifft, wie die Pflichtschulabschluss-Prüfungs-Verordnung dies vorsieht.

Es ist es auch möglich, von Englisch auf Deutsch zu wechseln, ohne die erforderliche Qualität und Transparenz der Leistungsfeststellung herabzusetzen. Diese Möglichkeit besteht dann, wenn klare thematische Werpunkte gesetzt werden, die diesen Wechsel erfordern. Auch wenn die Prüfung in "Englisch - Globalität und Transkulturalität" absolviert wird, gilt diese Option. Die schriftliche Klausurarbeit besteht aus mindestens zwei Aufgaben mit voneinander unabhängigen Lösungen. Jede mündliche Prüfung umfasst mindestens zwei voneinander unabhängigen, auf die individuellen Kompetenzen der Kandidatin bzw. des Kandidaten eingehende Fragen. Daher lassen sich die Themenstellungen so formulieren, dass ein Wechsel der Prüfungssprache nicht innerhalb ein- und derselben Prüfungsaufgabe erforderlich ist. Dies sollte nämlich sowohl aus pädagogischen als auch aus rechtlichen Gründen vermieden werden. Denn zur Leistungsfeststellung in Englisch ist jedenfalls durchgehende Kommunikation auf Englisch erforderlich.

siehe § 3 Abs. 1 Z 2 PflSchAbschl-PrG und § 7 Abs. 4 und § 5 Abs. 1 Leistungsbeurteilungsverordnung (BGBl. Nr. 371/1974, zuletzt geändert mit BGBl. II Nr. 255/2012) sowie Punkt 4.3.1. und 4.3.2. des Rundschreibens 20/2012

Beispiel:
Eine Kandidatin entscheidet sich für die schriftliche Prüfungsform in "Englisch - Globalität und Transkulturalität". In der einstündigen schriftlichen Klausurarbeit wird als erste Aufgabe eine Beschwerde an ein Londoner Hotel verfasst, das eine vor längerer Zeit vorgenommene Reservierung verschlampt hat. In der zweiten Aufgabe muss der/die Kandidat/in einer fiktiven englischsprachigen Freundin, die in London lebt, ihren Besuch ankündigen, ein Treffen sowie gemeinsame Aktivitäten vorschlagen. Die dritte Aufgabe widmet sich dem Thema "Ballungsräume". Sie zielt insbesondere auf einen Vergleich von Wien mit dem Ballungsraum London anhand einiger markanter statistischer Vergleichsdaten ab. Die Daten liegen der Aufgabenstellung bei. Diese dritte Frage ist auf Grund der inhaltlichen Komplexität und des zur Bearbeitung erforderlichen Wortschatzes auf Deutsch formuliert. Sie kann auch auf Deutsch beantwortet werden.

14) Wie wird die Prüfung in den fächerübergreifend konzipierten Prüfungsgebieten gestaltet? Werden einfach zu den unterschiedlichen Themen, die im Prüfungsgebiet enthalten sind, Fragen gestellt?

1. Pädagogische Kriterien:
Die Erläuterungen (Materialien) zur Verordnung, in der Umfang und Inhalt der Prüfungsgebiete der Pflichtschulabschluss-Prüfung festgelegt sind, halten dazu fest: Bei der Leistungsfeststellung bzw. Überprüfung des Kompetenznachweises kommt der fächerverbindenden Betrachtungsweise große Bedeutung zu. Fächerübergreifende Aufgabenstellungen sollen ein komplexes, lebens- oder gesellschaftsrelevantes Thema oder Vorhaben in den Mittelpunkt stellen. Sie sollen die Auseinandersetzung mit den Potenzialen und vorhandenen formalen, non-formal und informell erworbenen Kompetenzen der Prüfungskandidatinnen und -kandidaten ermöglichen. Dabei soll auch Bezug auf vorangegangene Erfahrungen der PrüfungskandidatInnen, ihre sozialen Lebenswelt und ihre aktuelle Lebenssituation genommen werden.

Im Sinne des exemplarischen Lernens und der Kompetenzorientierung sollen die PrüfungskandidatInnen ihre individuellen Einsichten, Einstellungen, Kenntnisse, Fähigkeiten, Fertigkeiten und Methoden darlegen können. Dies soll durch die Bearbeitung zeit- und lebensnaher Themen erfolgen. Materialien und Medien, die bei der Prüfung zur Anwendung kommen, sollen deshalb entsprechend aktuell und anschaulich sein.

 

Der Einsatz digitaler Technologien ist für zeitgemäße Präsentationen im Rahmen der Leistungsfeststellung wesentlich. Deshalb sind die Recherche und Verarbeitung von Informationen mit einer Textverarbeitung oder einem Präsentationsprogramm, die Erstellung von Kalkulationsmodellen, die Gestaltung von Medien und die Dokumentation und Präsentation von Projekten gezielt einzubeziehen.


Nur Fakten abzufragen bzw. Prüfungssituationen, die nur auf die Reproduktion von thematisch isolierten Teilen des Lernstoffs abzielen, sind somit nicht im Sinne des Pflichtschulabschluss-Prüfungs-Gesetzes.

2. Formale Kriterien:

  • Schriftliche Klausuren: Mindestens zwei Aufgaben mit voneinander unabhängigen Lösungen. Werden mehrere Aufgaben gestellt, so sind alle zu bearbeiten. Eine Wahlmöglichkeit besteht nicht.
  • Mündliche Prüfungen: mindestens zwei voneinander möglichst unabhängige, auf die individuellen Kompetenzen der KandidatIn eingehende Fragen, die der/dem KandidatIn die Möglichkeit bieten, ihre/seine Kenntnisse auf einem oder mehreren Stoffgebieten darzulegen. Die gestellten Aufgaben sind alle zu bearbeiten, eine Wahlmöglichkeit besteht nicht.

 

siehe § 3 Abs. 1 Z 2 PflSchAbschl-PrG und § 7 Abs. 4 und § 5 Abs. 1 Leistungsbeurteilungsverordnung (BGBl. Nr. 371/1974, zuletzt geändert mit BGBl. II Nr. 255/2012) sowie Punkt 4.3.1. und 4.3.2. des Rundschreibens 20/2012

15) Wie soll die im Gesetz vorgesehene Projektarbeit in den Wahlgebieten gestaltet sein bzw. welchen Umfang muss diese haben?

Die projektorientierte Arbeit ist in eigenständiger Weise zu erstellen und beinhaltet eine Präsentation sowie eine Diskussion unter Einbeziehung des fachlichen Umfelds. Der Gesetzgeber stellt auch in diesem Punkt die Altersgemäßheit und Zielgruppenorientierung in den Vordergrund.

a) Pädagogische Kriterien und Gesichtspunkte:
Wichtige Hinweise zur pädagogischen Zielsetzung und methodischen Einbettung der Projektarbeit in den gesamten Bildungsprozess finden sich in den Erläuterungen (Materialien) zum Pflichtschulabschluss-Prüfungs-Gesetz. Folgende Aspekte sind besonders zu berücksichtigen:
Die Kompetenzorientierung erfordert, ein lebens- oder gesellschaftsrelevantes Thema oder Vorhaben in den Mittelpunkt der Projektarbeit zu stellen. Darüber hinaus soll die Projektarbeit die Auseinandersetzung mit den Potenzialen und vorhandenen formalen, non-formal und informell erworbenen Kompetenzen der Prüfungskandidatinnen und
-kandidaten ermöglichen. Entsprechend den Bestimmungen in § 1 des Pflichtschulabschluss-Prüfungs-Gesetzes soll dabei auch Bezug auf vorangegangene Erfahrungen der PrüfungskandidatInnen, ihre soziale Lebenswelt und ihre aktuelle Lebenssituation genommen werden.

  • Die Themenstellungen sowieso eingesetzten Materialien sollen sich an der Lebenswelt und den Vorerfahrungen der Prüfungskandidatinnen bzw. Prüfungskandidaten orientieren. Wo dies nicht durchwegs möglich ist, sollen die Themen auf realistische Verwendungssituationen bezogen und offen für persönliche Bezugnahme seitens der Prüfungskandidatinnen und -kandidaten sein.
  • Kompetenz besteht aus dem Zusammenspiel von Wissen, Fähigkeiten, Fertigkeiten und Haltungen, welche in Handlungssituationen durch die Disposition der einzelnen Kandidatinnen und Kandidaten zur Geltung kommen. Eine kompetenzorientierte Aufgabenstellung muss diesem Zusammenspiel Rechnung tragen.
  • Neben der Darlegung der Sachkompetenz ist den Kandidatinnen und Kandidaten auch Raum für die Entfaltung ihrer Selbstkompetenz und Sozialkompetenz zu geben. Die Problemstellung sollte daher zum selbstständigen Definieren des Problems, eigenständigen Suchen von Lösungswegen und kritischen Hinterfragen des eigenen Handelns  anregen. Nicht die Reproduktion von Wissen und Fertigkeiten sollte im Vordergrund stehen, sondern die kritisch-prüfende Auseinandersetzung mit verfügbarem Wissen.

 

siehe § 3 Abs. 1 Z 4 PflSchAbschl-PrG sowie Materialien zur Verordnung über die Prüfungsgebiete der Pflichtschulabschluss-Prüfung (BGBl II Nr. 288/2012)

 
b) Formale Kriterien
Die Festlegung der Themenstellung sowie die inhaltliche Abgrenzung des fachlichen Umfeldes erfolgen auf Antrag des/der KandidatIn in Abstimmung mit dem/der PrüferIn.
Die schriftliche Projektarbeit umfasst folgende Teile:

1. Titelblatt
2. Inhaltsverzeichnis
4. Text (Einleitung, Hauptteil, Schluss)
5. Literaturverzeichnis/Quellenangaben (auch Internetquellen)
6. gegebenenfalls Anhang (Tabellen, Fragebögen, etc.)

Umfang der schriftlichen Projektarbeit:
Der Textteil (ohne Titelblatt, Inhaltsverzeichnis und Literaturverzeichnis bzw. Anhang) sollte zwischen 4 und 6 Seiten umfassen. (Arial 11pt, Zeilenabstand 1,5fach, Seitenränder 2,5 cm)

siehe § 3 Abs. 1 Z 4 PflSchAbschl-PrG sowie Punkt 3.3. des Rundschreibens 20/2012

c) Projektpräsentation
Die Projektarbeit und die Projektpräsentation sollen als Teil des gesamten Bildungsprozesses erfahrbar gemacht werden. Dies bedingt eine aktivierende und umsichtige Begleitung der Betreuerinnen und Betreuer im Bearbeitungsprozess sowie ein wertschätzendes Rückmeldeverfahren von Seiten der Prüferinnen und Prüfer. Im Sinne des lebensbegleitenden Lernens soll die Projektarbeit als Teil der persönlichen Entwicklung erfahrbar sein. Sie soll darüber hinaus zur weiteren Auseinandersetzung mit dem Thema bzw. weiteren selbstständigen Lernprozessen motivieren. Präsentationsmedien (alternativ nach Wahl der Kandidatin bzw. des Kandidaten):

  • Plakatpräsentation
  • Portfolio (Präsentationsmappe)
  • Power Point-Präsentation


Ablauf und Dauer der Präsentation:
Den Kandidatinnen und Kandidaten sollten in 5 Minuten die inhaltlichen Eckpunkte und wichtigsten Ergebnisse ihrer Projektarbeit darstellen. Anschließend findet ein fünfminütiges Prüfungsgespräch statt.

siehe § 3 Abs. 1 Z 4 PflSchAbschl-PrG sowie Punkt 4.3.3. und 4.4.3. des Rundschreibens 20/2012
 
d) Handreichung
Eine Handreichung für Externistenprüfungskommissionen und anerkannte Lehrgänge zum Thema "Projektarbeit im Rahmen der Pflichtschulabschluss-Prüfung" ist in Vorbereitung.

16) Wie soll das im Fach "Berufsorientierung" geforderte Portfolio gestaltet sein bzw. welchen Umfang muss dieses haben?

Das Portfolio soll den Übergang in die Berufswelt oder weiterführende Bildungsgänge vorbereiten und der persönlichen Profilbildung dienen. Die Arbeit und Entwicklung der Lernenden wird anhand ausgewählter Arbeiten dargestellt, reflektiert und bewertet. Es soll aber auch direkt in das Unterrichtsgeschehen hineinwirken, indem es ein dialogisches, stärker differenziertes, individualisiertes, förderorientiertes Arbeiten in einem entsprechenden Lehrgang ermöglicht. Es dient der Ausbildung der Reflexion im unmittelbaren Lernzusammenhang. Der Unterricht muss daraufhin geplant und zugeschnitten sein.


Eine grundlegende Orientierung über die Funktion von Berufsorientierungs-Portfolios bieten Felix Winter und Martin Keller in ihrer Publikation "Stärken zeigen bei der Berufswahl. Berufswahl- Bewerbungs- und Abschlussportfolio für die Sekundarstufe I". Wichtige pädagogische und inhaltliche Eckpunkte sind demzufolge:

  • Das Portfolio, das entsteht, gehört den Kandidatinnen und Kandidaten. Es soll etwas sein, auf das sie stolz sind, weil es etwas Positives von ihnen zeigt.
  • Das Wichtigste am Portfolio sind die Gespräche und Klärungen, die entstehen, wenn es angelegt, gestaltet und weitergeführt wird.
  • Das Portfolio hat drei hauptsächliche Bezugspunkte: Erstens die Person der Kandidatin bzw. des Kandidaten mit ihren jeweiligen Interessen, Fähigkeiten, Talenten und Vorlieben. Zweitens die Berufsvorstellungen der Kandidatin bzw. des Kandidaten und die Anforderungen und Tätigkeiten, die mit diesem Beruf verbunden sind. Drittens die Dokumente, welche belegen können, was die Kandidatin bzw. der Kandidat können, wofür sie Interesse aufbringen und wie sie sich selbst sehen. Diese Dokumente müssen gefunden und auf ihre Aussagekraft hin untersucht werden. Der weitaus wichtigste Bezugspunkt ist der erste. Er soll im Mittelpunkt der Arbeit stehen.
  • Die Erstellung des Portfolios soll bewirken, dass die Kandidatinnen und Kandidaten sich selbst erkunden, vor allem ihre Interessen, Fähigkeiten, Talente und Vorlieben. Es geht nicht darum, dass sie sich nur verorten und rasch festlegen.
  • Das Portfolio entsteht in dialogischen Prozessen. Die Kandidatinnen und Kandidaten sollen über sich und ihre Berufsvorstellung mit anderen Personen sprechen. Sie sollen aber auch mit sich selbst in einen Dialog kommen - sie sollen reflektieren. Dafür ist das Portfolio besonders geeignet, denn es kann anderen Personen gezeigt werden und eine Gesprächsgrundlage bieten.
  • Es geht bei der Erstellung des Portfolios nicht einfach darum, sich selbst in Bezug zu Berufsvorstellungen und Berufsanforderungen einzuschätzen. Es müssen Belege dafür gefunden oder erst erstellt werden, die zeigen können, dass man bestimmte Interessen, Fähigkeiten, Talente und Vorlieben besitzt. Das ist gar nicht so einfach - regt aber zum Nachdenken und Arbeiten an. Die entsprechenden Dokumente können aus dem Bereich der Schule, aus Praktika, ehrenamtlicher Tätigkeit usw. stammen.
  • Idealerweise soll es möglich sein, dass aus dem Berufsorientierungsportfolio ein Bewerbungsportfolio hervorgeht bzw. mehrere Bewerbungsportfolios. Dabei werden einige Belege so ausgewählt und neue angefertigt, die mit einer Bewerbung eingereicht werden können. In diesem Prozess müssen die bekannten oder vermuteten Anforderungen des erstrebten Arbeits- oder Ausbildungsplatzes stärker berücksichtigt werden als zuvor.


siehe § 3 Abs 1 Z 5 PflSchAbschl-PrG

17) Wie sieht die Prüfung im Prüfungsgebiet "Berufsorientierung" aus? Worin liegt der Unterschied zwischen der im Gesetz vorgesehenen "Bewertung" dieses Prüfungsgebiets gegenüber einer "Beurteilung" in den anderen Prüfungsgebieten der Pflichtschulabschluss-Prüfung?

Im Prüfungsgebiet "Berufsorientierung" findet keine Prüfung im eigentlichen Sinne statt. Vielmehr ist es eine schriftliche Dokumentation von Projekten und Arbeiten in einem Portfolio und eine mündliche Auseinandersetzung mit allgemein bildenden Aspekten der Berufsorientierung. Eine herkömmliche Prüfung es das deshalb nicht, weil die Bestimmungen der Leistungsbeurteilungsverordnung hier nicht greifen. Denn diese zielen stets auf die in einem Lehrplan festgelegten Bildungs- und Lehraufgaben ab. In individuell erstellten, die biographischen Besonderheiten spiegelnden Portfolios können keine allgemeingültigen Lehraufgaben und somit keine allgemeingültigen Lehrpläne formuliert werde. Daher ist auch eine Beurteilung gemäß den Bestimmungen der Leistungsbeurteilungsverordnung und damit eine Prüfung im herkömmlichen Sinn nicht möglich.

Die mündliche Präsentation des Portfolios dient dazu, den reflektierten Umgang mit den persönlichen Interessen, Neigungen und Begabungen darzulegen. Insbesondere im Hinblick auf berufliche und arbeitsmarktbezogene Potenziale. Aus diesem Grund kann auch keine Benotung des Portfolios erfolgen. Dafür gibt es eine kurze verbale Bewertung in Form einer Leistungsbeschreibung. Beurteilt werden etwa die formale Aufbereitung, die inhaltliche Vollständigkeit und Übersichtlichkeit und das Reflexionsniveau.

siehe § 3 Abs 1 Z 5, Abs. 2, § 6 Abs 1 und 2 PflSchAbschl-PrG

Kooperation Schulaufsicht - Externistenprüfungskommission - Erwachsenenbildung

18) Wer entscheidet, welche Teilprüfung an einer Externistenprüfungskommission abzulegen ist bzw. welche Teilprüfungen an einer Einrichtung absolviert werden müssen, die über anerkannte Vorbereitungslehrgänge verfügt?

Die Entscheidung, welche Teilprüfung an welcher Institution absolviert wird, trifft ausschließlich die Kandidatin bzw. der Kandidat selbst.

Die Pflichtschulabschluss-Prüfung kann laut Gesetz nach Wahl des/r Kandidaten/in an einem Prüfungstermin oder in Teilprüfungen an verschiedenen Prüfungsterminen abgelegt werden. Auf Antrag des/der Kandidaten/in entfällt ein Prüfungsgebiet, wenn sie/er die erfolgreiche Absolvierung von Teilprüfungen nachweist, die als gleichwertig anerkannt sind. Daraus folgt, dass Teilprüfungen, die an Erwachsenenbildungseinrichtungen mit anerkannten Lehrgängen absolviert wurden, jedenfalls anzuerkennen sind. Daraus folgt weiters, dass der/die KandidatIn auch "festlegt", welche und wie viele der Teilprüfungen er/sie an einer Externistenprüfungskommission ablegt.

siehe § 5 Abs. 1, § 3 Abs. 4 Z 2 PflSchAbschl-PrG sowie Punkt 4.1. des Rundschreibens 20/2012

19) Wie erfahren Externistenprüfungskommissionen, ob private Anbieter zu Recht Prüfungen abnehmen?

Gemäß den gesetzlichen Bestimmungen sind nur solche Erwachsenenbildungseinrichtungen prüfungsberechtigt, die einen "anerkannten" Lehrgang führen. Die Anerkennung erfolgt durch das Unterrichtsministerium nach Anhörung des zuständigen Landesschulrates bzw. Stadtschulrats für Wien. Das heißt, die örtliche Schulaufsicht ist von Anfang an in dieses Anerkennungsverfahren eingebunden. Die Anerkennung wird per Bescheid ausgesprochen, d.h. die betreffenden Einrichtungen verfügen über einen entsprechenden Nachweis, mit dem sie im Bedarfsfall ihre Prüfungsberechtigung belegen können. Ein Gesamtverzeichnis aller anerkannten Lehrgänge wird von der zuständigen Rechtsabteilung des Unterrichtsministeriums geführt.

siehe § 8 PflSchAbschl-PrG sowie Punkt 6.1. des Rundschreibens 20/2012

20) Muss die örtlich zuständige Landesschulbehörde/Stadtschulrat für Wien einem Anbieter von Vorbereitungslehrgängen eine Externistenprüfungskommission zuweisen, die die Teilprüfungen verbindlich abnimmt?

Nein. Grundsätzlich steht es dem Prüfungskandidaten/der Prüfungskandidatin frei, selbst jene Schule zu wählen, an welcher er/sie die Pflichtschulabschluss-Prüfung ablegen möchte. Im Sinne der Serviceorientierung und Bürgernähe sollte dieser Wahlfreiheit der KandidatInnen in größtmöglichem Umfang Rechnung getragen werden. Insofern sind alle Externistenprüfungsschulen aufgerufen, motivierende Rahmenbedingungen für die KandidatInnen zu schaffen und entsprechende Anfragen förderlich zu handhaben.

Sofern ein/e KandidatIn Schwierigkeiten hat, eine geeignete Externistenprüfungsschule zu finden, muss die örtliche Schulaufsicht diese/n unterstützen und Lösungen anbieten. Dies kann beispielsweise der Fall sein, weil sie/er eine Prüfung im Wahlgegenstand "Weitere Sprache" ablegen möchte, es jedoch schwierig ist, eine/n PrüferIn für die gewählte Sprache zu finden. Darüber hinaus gibt es an manchen Orten bzw. örtlichen Umfeldern von KandidatInnen gar keine Externistenprüfungskommissionen. Gegebenenfalls ist in diesem Fall auch eine Externistenprüfungskommission mit der Durchführung der Prüfung durch die örtliche Landesschulbehörde bzw. den Stadtschulrat für Wien zu beauftragen.

siehe § 1 Abs. 2 PflSchAbschl-PrG sowie Punkt 2.1. des Rundschreibens 20/2012

Anerkannte Lehrgänge

21) Muss eine Erwachsenenbildungseinrichtung, die ihre Vorbereitungslehrgänge anerkennen lassen will, alle Gegenstände anbieten? Ab wie vielen TeilnehmerInnen kommt ein Lehrgang zustande?

Nur die entsprechende Erwachsenenbildungseinrichtung kann entscheiden, welche bzw. wie viele Vorbereitungslehrgänge angeboten werden und für welche Lehrgänge (Gegenstände) beim Unterrichtsministerium um Anerkennung angesucht wird. Die Entscheidungsautonomie der Erwachsenenbildungsinstitutionen wird durch das Pflichtschulabschluss-Prüfungs-Gesetz also in keiner Weise eingeschränkt. Somit entscheiden die Erwachsenenbildungseinrichtungen auch wie bisher darüber, ab welcher Personenanzahl ein Lehrgang eröffnet wird.

siehe § 8 PflSchAbschl-PrG sowie Punkt 6. des Rundschreibens 20/2012

Beispiel:

Eine Erwachsenenbildungseinrichtung bietet Vorbereitungslehrgänge in allen vier Pflichtgegenständen sowie drei Wahlgegenständen an. Der Wahlgegenstand "Gesundheit und Soziales" wird nicht angeboten. Für 6 der angebotenen Vorbereitungslehrgänge liegt eine Anerkennung des Unterrichtsministeriums vor, für den Vorbereitungslehrgang in "Mathematik" liegt keine Anerkennung vor.

Für den Vorbereitungslehrgang "Kunst und Kreativität" haben sich nur 5 TeilnehmerInnen angemeldet, der Lehrgang wird deshalb abgesagt. Somit werden an dieser Einrichtung sechs Lehrgänge angeboten. In fünf davon besteht auch die Möglichkeit, die Teilprüfungen durchzuführen. Im Vorbereitungslehrgang für "Mathematik" müssen aber alle KandidatInnen eine Externistenprüfung absolvieren, weil hier keine Anerkennung vorliegt.

22) Wie sieht die Verteilung der Übungseinheiten auf die einzelnen Gegenstände aus? Muss bzw. kann der Vorbereitungslehrgang "Kreativität und Gestaltung" gleich viele Einheiten wie der Vorbereitungslehrgang "Natur und Technik" aufweisen?

Auch diesbezüglich liegt die Entscheidung im Verantwortungsbereich der einzelnen Erwachsenenbildungseinrichtung. Die konkrete Anzahl der Unterrichtseinheiten, die zur Vorbereitung auf die einzelnen Teilprüfungen sinnvoll ist, wird allerdings nicht nur vom betreffenden Gegenstand abhängen. Vielmehr ist sie abhängig vom Einstiegsniveau der KandidatInnen sowie vom pädagogischen Konzept, das im Rahmen des Vorbereitungslehrgangs umgesetzt werden soll.

Bei Lehrgängen, die vom Unterrichtsministerium anerkannt werden sollen, muss jedenfalls glaubhaft gemacht werden, dass das Bildungsziel mit dem geplanten Stundenausmaß erreicht werden kann.

Vorbereitungslehrgänge, die im Rahmen der Länder-Bund-Förderinitiative Erwachsenenbildung gefördert werden, müssen zusätzlich zu den gesetzlichen Bestimmungen mindestens 20 UE für das Clearing und mindestens 600 UE für das Kerncurriculum in den 6 Prüfungsgegenständen der KandidatInnen anbieten. Der Gesamtrahmen (inkl. Vertiefung, Zusatzangebote usw.) muss mindestens 986 UE betragen. Es obliegt der Einrichtung, das Stundenausmaß der einzelnen Module unter Berücksichtigung der zielgruppenspezifischen Erfordernisse flexibel auszugestalten.

siehe § 8 Abs. 2 Z 1 PflSchAbschl-PrG sowie BGBl. I, 39/2012, Art. 4 Abs. 2 (Vereinbarung gemäß Art. 15a-B-VG)

23) Welches Stundenausmaß müssen die Vorbereitungslehrgänge für die einzelnen Prüfungsgebieten mindestens umfassen, damit eine Anerkennung, d.h. die Erteilung des Prüfungsrechts möglich ist?

Die Vorbereitungslehrgänge für die einzelnen Teilprüfungen müssen folgendes Mindeststundenausmaß aufweisen:

  • Deutsch - Kommunikation und Gesellschaft: 140 Stunden
  • Englisch - Globalität und Transkulturalität: 140 Stunden
  • Mathematik: 140 Stunden
  • Kreativität und Gestaltung: 100 Stunden
  • Gesundheit und Soziales: 100 Stunden
  • Weitere Sprache: 100 Stunden
  • Natur und Technik: 100 Stunden
  • Berufsorientierung: 60 Stunden


Die angegebenen Stunden beziehen sich auf das minimale Unterrichtsangebot. Das heißt, Lernphasen und projektbezogene Arbeitsschritte außerhalb des organisierten Unterrichts, Selbststudium u.ä. sind darin nicht enthalten. Insbesondere im Gegenstand "Berufsorientierung" wird selbstständigen Arbeits- und Rechercheprozesse außerhalb des organisierten Unterrichts sowohl qualitativ als auch quantitativ ein hoher Stellenwert zukommen.

Umfang der Maßnahmen und förderbarer Rahmen

24) Bleibt der im Programmplanungsdokument festgelegte maximal förderbare Gesamtrahmen von 1.160 Unterrichtseinheiten (bzw. der Minimalwert von 986 UE) aufrecht? Wenn ja, bezieht sich dieser Wert auf den Aufbau der gesamten Bildungsmaßnahme (alle 4 Wahlgebiete)? Oder bezieht er sich auf ein für die einzelnen TeilnehmerInnen individuell zu erstellendes Angebot mit den geforderten 2 Wahlfächern?

Am förderbaren Gesamtrahmen ändert sich nichts, d.h. der förderbare Gesamtrahmen zwischen 986 UE und 1.160 UE bleibt aufrecht. Auch an der Berechnungslogik ändert sich nichts, d.h. dieser Rahmen bezieht sich auf das Gesamtangebot und nicht auf den individuellen Bildungsbedarf. Auch bisher war es so, dass Vertiefungs- und Zusatzangebote, Coaching-Maßnahmen usw. in den maximal 1.160 UE enthalten sein mussten. Dies war unabhängig davon, ob der/die einzelne TeilnehmerIn das in Anspruch genommen hat oder nicht. Daran ändert sich auch im neuen Prüfungsmodell nichts. Auch hier wählt der/die TeilnehmerIn aus dem Gesamtangebot von bis zu 1.160 UE jene Teile aus, die dem persönlichen Bildungsbedarf und -wunsch entsprechen.

25) Bleiben die im Programmplanungsdokument festgelegten Werte (min. 600 UE Kerncurriculum, max. 400 UE Vertiefung, max. 120 UE Zusatzangebote) aufrecht?

Ja, und zwar unabhängig davon, ob die betreffende Institution über eine Anerkennung im Sinne des Pflichtschulabschluss-Prüfungs-Gesetzes (Prüfungsrecht) verfügt oder nicht.

Sofern es sich um einen anerkannten Lehrgang handelt, ergibt die vorgegebene Mindestzahl an Unterrichtsstunden ohnehin mehr als die im Programmplanungsdokument geforderte Mindestanzahl von 600 Unterrichtseinheiten. Diese Mindestzahl gilt aber auch nicht im Sinne des Pflichtschulabschluss-Prüfungs-Gesetztes anerkannte Lehrgänge, die auf eine Externistenprüfung vorbereiten. Angesichts des speziellen Bildungsbedarfs der Zielgruppe brauchen auch diese min. 600 Unterrichtseinheiten für die Erarbeitung des Kernstoffes zur Verfügung stehen.

Die Differenz zwischen den min. 600 Unterrichtseinheiten für die Vermittlung des Kernstoffs und den im Programmplanungsdokument geforderten min. 986 Unterrichtseinheiten kann auch künftig mit zielgruppenspezifischen Zusatzangeboten abgedeckt werden. Auch ein umfangreicheres Angebot zur Vermittlung des Kernstoffs ist selbstverständlich möglich. Über die konkrete Ausgestaltung des Angebots im Rahmen der geforderten Mindestanforderungen entscheidet somit auch in Zukunft der Bildungsanbieter.

Akkreditierung und Anerkennung eines Lehrgangs

26) In welcher Reihenfolge ist vorzugehen, wenn für einen Vorbereitungslehrgang sowohl eine Förderung im Rahmen der Initiative Erwachsenenbildung als auch das Prüfungsrecht angestrebt wird?

Die Grundvoraussetzung für die Prüfungsbefugnis einer Erwachsenenbildungseinrichtung ist ihre Anerkennung durch den Bund als Förderungsempfänger. Daher sollte im ersten Schritt immer die Akkreditierung durchlaufen und ein Fördervertrag mit dem jeweiligen Bundesland abgeschlossen werden. Mit der erfolgreichen Akkreditierung sind die grundlegenden Voraussetzungen erfüllt, um eine Förderung aus Bundesmitteln zu erhalten. Mit der Förderzusage durch das Land ist diese Anerkennung auch praktisch vollzogen, da der Bund dem jeweiligen Land 50 Prozent der Fördermittel refundiert.

Sowie die Mitteilung über die Akkreditierung und die Förderzusage vorliegen, kann beim zuständigen Landesschulrat/SSR für Wien der entsprechende Antrag auf Anerkennung eingebracht werden. Die Landesschulbehörde leitet diesen Antrag samt einer pädagogischen Stellungnahme an die zuständige Rechtsabteilung im Unterrichtsministerium weiter. Sofern alle gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind, erstellt dann die Rechtsabteilung des Unterrichtministeriums den Bescheid, mit dem die Anerkennung ausgesprochen wird.

Eine Sonderstellung nehmen Einrichtungen ein, die einem der KEBÖ-Verbände angehören. Diese Einrichtungen können ihren Antrag um Anerkennung eines Vorbereitungslehrgangs auch einbringen, bevor sie das Akkreditierungsverfahren durchlaufen bzw. eine Förderzusage erhalten haben. Da KEBÖ-Einrichtungen gemäß Erwachsenenbildungsförderungsgesetz jedenfalls als Förderungsempfänger anerkannt sind, muss diese Anerkennung nicht erst im Wege der Akkreditierung und des Förderverfahrens festgestellt werden.

siehe § 8 Pflichtschulabschluss-Prüfungs-Gesetz (BGBl. I Nr. 72/2013) sowie Kundmachung der Bundesministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur gemäß § 7 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Förderung der Erwachsenenbildung und des Volksbüchereiwesens aus Bundesmitteln (BGBl. II Nr. 228/2001) und § 7 Bundesgesetz vom 21. März 1973 über die Förderung der Erwachsenenbildung und des Volksbüchereiwesens aus Bundesmitteln (BGBl. Nr. 171/1973 i.d.g.F.)

27) Müssen die bei der Akkreditierung bereits genehmigten TrainerInnen durch den Landesschulrat bzw. SSR für Wien noch einmal bestätigt werden, wenn für einen Vorbereitungslehrgang eine Anerkennung beantragt wird?

Die TrainerInnen müssen nicht noch einmal "bestätigt" werden. Es handelt sich im Prinzip um zwei unterschiedliche Anerkennungsverfahren: In einem Fall geht es um das Erreichen einer Förderzusage, m anderen um die Erlangung einer Prüfungsberechtigung.

Wird die Anerkennung eines Vorbereitungslehrgangs im Sinne des Pflichtschulabschluss-Prüfungs-Gesetzes (= Prüfungsrecht) beantragt, müssen andere bzw. strengere Voraussetzungen erfüllt werden, als wenn lediglich eine Förderung im Rahmen der Initiative Erwachsenenbildung beantragt wird. So ist es im Rahmen der Initiative Erwachsenenbildung möglich, eine positive Akkreditierung zu erlangen, wenn die Vortragenden das wba-Zertifikat, aber kein Lehramt nachweisen. Für eine Anerkennung im Sinne des Pflichtschulabschluss-Prüfungs-Gesetzes ist dies nicht ausreichend. Denn für die Prüfungsberechtigung ist der Nachweis einer Unterrichtsbefähigung an einer Hauptschule, Neuen Mittelschule, Polytechnischen Schule oder mittleren und höheren Schule erforderlich.

Es wird also unterschieden, ob ein Lehrgang ausschließlich auf eine Externistenprüfung vorbereitet oder nicht. Weil mit der Prüfungsbefugnis einer Erwachsenenbildungseinrichtung eine höhere Verantwortung verbunden ist, sind auch strengere Auflagen zu erfüllen. Deren Einhaltung wird vom jeweiligen Landesschulrat/SSR für Wien überprüft.

28) Bleiben die geforderten formalen Qualifikationen für die einzusetzenden LernberaterInnen (S. 65 des Programmplanungsdokuments) aufrecht?

Ja, an den Qualifikationen für Lernberaterinnen und -berater ändert sich nichts.

Kosten und Verrechnung

29) Wie viele Unterrichtseinheiten muss ein Teilnehmer bzw. eine Teilnehmerin absolviert haben, damit der Bildungsträger 80% der kalkulierten Kosten pro TN mit den Fördergebern verrechnen kann?

Auch in diesem Punkt ändert sich nichts gegenüber dem bisherigen Modell: Die Bildungseinrichtungen können für jede/n AbbrecherIn maximal 80% der kalkulierten Kosten je TN mit dem Fördergeber abrechnen. Diese Möglichkeit ist unabhängig von den tatsächlich besuchten Übungseinheiten.

Sowohl die Abbrüche als auch die Abschlussquoten scheinen im Monitoring-System auf. Daher können die Fördergeber die Abbruchquoten der unterschiedlichen Bildungsanbieter vergleichen und Rückschlüsse für die zukünftige Vergabe von Fördermitteln daraus ziehen.

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