Wilhelm Filla ist für den Staatspreis Erwachsenenbildung 2015 nominiert
Wilhelm Filla ist für den Staatspreis Erwachsenenbildung 2015 nominiert

Zugänge zur Geschichte der Erwachsenenbildung in Österreich

16.10.2015, Bianca Friesenbichler, Online-Redaktion
Ein Studienbuch von Wilhelm Filla wurde für den Österreichischen Staatspreis für Erwachsenenbildung in der Kategorie "Wissenschaft und Forschung" 2015 nominiert.
In einer Serie von Beiträgen stellen wir die Nominierten zum Österreichischen Staatspreis für Erwachsenenbildung 2015 vor - hier in der Kategorie "Wissenschaft und Forschung".

 

Die Geschichte der Erwachsenenbildung ist kaum erforscht und beschrieben. Sich einem institutionell, inhaltlich und methodisch so vielfältigen und heterogenen Feld wie der Erwachsenenbildung historisch zu nähern, ist auch schwierig. Mit dem Studienbuch "Von der freien zur integrierten Erwachsenenbildung. Zugänge zur Geschichte der Erwachsenenbildung in Österreich" unternimmt Wilhelm Filla als Erster den Versuch, die Geschichte der österreichischen Erwachsenenbildung zu systematisieren. "Das Buch ist insofern als Pionierwerk zu bezeichnen, als dass es der erste Überblick über die Geschichte der Erwachsenenbildung insgesamt ist und etwa die Arbeiterbildung oder die bäuerlich-ländliche Bildungstätigkeit miteinschließt, nicht nur die Volkshochschulen", so Filla im Gespräch.

"Weiße Flecken" in der Geschichte der Erwachsenenbildung
Der Schwerpunkt der Publikation liegt auf der Geschichte der Volkshochschulen. Grund dafür ist, dass keine andere Erwachsenenbildungseinrichtung sich so tiefgehend mit ihrer eigenen Geschichte auseinandersetzt wie die Volkshochschulen. Ohne Quellen könne keine Geschichte geschrieben werden, so Filla in der Einleitung des Buches. So musste er die betriebliche Weiterbildung und den Bereich des informellen Lernens und weitgehend auch den Bibliotheksbereich aus seinem Buch ausblenden, weil es dazu an historischen Studien fehlt. Damit zeigt Filla forschungsmethodische Probleme und weiße Flecken der Geschichtsforschung zur Erwachsenenbildung auf.

Von den institutionellen Anfängen der Erwachsenenbildung bis 2012
Das Buch gliedert sich in sieben inhaltliche Kapitel und beinhaltet außerdem ein sehr ausführliches Literaturverzeichnis. "Diese Gliederung und auch, das vielfältige Material auf ein vernünftiges Ausmaß zu reduzieren, war eine große Herausforderung", so Filla. Nach einer Einführung beschreibt er die Grundlagen der Geschichte der Erwachsenenbildung, u.a. die geistesgeschichtlichen Grundlagen der Aufklärung. Es folgen Ausführungen zum Beginn einer dauerhaft institutionalisierten Erwachsenenbildung (Kapitel 2) und zur demokratischen Periode der Zwischenkriegszeit (Kapitel 3), in welche die ersten Volksbildungsheime, die Blütezeit der Wiener Stammvolkshochschulen und der Beginn emanzipatorischer Frauenbildung fallen. Kapitel 4 beschreibt die Erwachsenenbildung im Nationalsozialismus, Kapitel 5 die Erwachsenenbildung in der Zweiten Republik. Die Entwicklung der Theorie der Erwachsenenbildung steht im Fokus von Kapitel 6 und schließlich setzt Filla sich in Kapitel 7 mit der Erwachsenenbildungshistorie als Subdisziplin der Erwachsenenbildungswissenschaft auseinander.

Die Besonderheiten des Buches
Wilhelm Filla stellt in seinem Buch immer wieder Theoriebezuge her, zumal historische Forschung seiner Einschätzung nach ohne theoretische Reflexion nicht auskommt. Großteils kaum bekanntes Bild- und Dokumentenmaterial setzt er zur Veranschaulichung ein. Und er richtet seinen Blick exemplarisch auch über Österreichs Grenzen hinaus. Wilhelm Filla würde sein Buch insbesondere für Studierende, PraktikerInnen der Erwachsenenbildung und Lehrende an Universitäten empfehlen, die sich mit der Geschichte der Erwachsenenbildung vertraut machen wollen, "weil es die Besonderheit der Erwachsenenbildung gegenüber anderen Bildungssektoren sichtbar macht, ein Erklärungsmodell für die Entstehung moderner Erwachsenenbildungseinrichtungen bietet und Gründe liefert, sich mit der Geschichte der Erwachsenenbildung auseinanderzusetzen", so Filla im Gespräch. "Die Ausführungen gehen bis in die unmittelbare Gegenwart", beschreibt Filla eine weitere Besonderheit des Buches. So kommen etwa die wba oder die Initiative Erwachsenenbildung im Buch vor. "Für Österreich gibt es nichts Vergleichbares", so Filla weiter.

Wilhelm Filla, ein Erwachsenenbildungshistoriker
Wilhelm Filla (geb. 1947) war von 1974 bis 1984 Direktor der Volkshochschule Hietzing. In dieser Zeit entwickelte er auch sein besonderes Interesse an der Geschichte der Erwachsenenbildung: "Aus einer Unzufriedenheit mit der VHS-Tätigkeit heraus", wie er es beschreibt, habe er gemeinsam mit Friedrich Stadler (heute Professor für Zeitgeschichte, Universität Wien) und Johann Dvorák (heute Dozent am Institut für Politikwissenschaft, Universität Wien) ein Symposium zur Geschichte der Volkshochschulen veranstaltet. An diesem Thema sei er "hängen geblieben". Bald war es nicht nur die Geschichte der Volkshochschulen, sondern die Geschichte der Erwachsenenbildung insgesamt in Österreich und auch international, der er sich als Bildungsforscher widmete. Das Buch ist das Ergebnis seiner jahrzehntelangen Forschung zur Geschichte der Erwachsenenbildung.

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