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Kulturarbeit „organisiert“ informelles Lernen

14.05.2015, Text: Karin Holzinger, Redaktion: Renate Ömer, BHW Niederösterreich
Sachkundig und spielerisch holt Basis.Kultur.Wien die Kunst in den Wald und auf die Straßen. (Serie: Kunst und Kultur)
  • Foto: Christian Tabakoff
    Haensel-und-Gretel Opernwanderung
  • Foto: Karin Gruber
    Hinter den Kulissen - Wasserturm
Das Teilnehmen am kulturellen Geschehen einer Gesellschaft stellt eine Schlüsselfunktion bei der Bewältigung von Zukunftsfragen wie Integration, demografischer Wandel und respektvolles Miteinander dar. Ein Leben ohne Kunst und Kultur ist für viele Menschen nicht denkbar. Immer mehr müssen allerdings erst dafür gewonnen werden.


Es ist offensichtlich, dass Menschen viel leichter in informellen als in formellen Prozessen und sehr viel leichter außerhalb als innerhalb der dafür vorgesehenen Institutionen lernen – ohne dass diese dadurch überflüssig werden.

Basis.Kultur.Wien als Bildungseinrichtung
Für Basis.Kultur.Wien ist Wien als Wirkungsort für kulturelle Bildung eine große Herausforderung. Gibt es doch eine Unzahl an Initiativen, die Kultur und Bildung zum Inhalt haben. In diesem Umfeld neue Initiativen zu setzen und Nischen zu finden, ist und bleibt jedoch eine spannende Aufgabe. Seit dem Relaunch des Wiener Volksbildungswerkes zu Basis.Kultur.Wien im Jahr 2009 sind viele neue Projekte mit dem Ziel entstanden, Menschen für Kunst und Kultur zu begeistern, sie mit aktuellen Strömungen im Kulturbereich vertraut zu machen und Möglichkeiten zu bieten, daran Anteil zu nehmen. 


„Lebensqualität, Qualität des Miteinander, Verständigung und Teilhabe stehen gleichberechtigt im Kontext zu künstlerischer Qualität“, hat Basis.Kultur.Wien auf seine Fahnen geheftet. Die folgende Auswahl von Basis.Kultur.Wien-Projekten bzw. Veranstaltungsreihen soll die Umsetzung dieses Mottos illustrieren.

WIR SIND WIEN.FESTIVAL
Das Wir Sind Wien.Festival bietet Begegnung mit Kunst und Kultur und lädt zu aktiver Teilhabe an künstlerisch-kreativen Prozessen ein. Es findet jährlich zwischen 1. und 23. Juni in allen Bezirken Wiens statt, animiert Menschen zum Mitmachen und bietet die Chance, interessante Kunstprojekte, innovative Kulturinitiativen, aber auch neue Orte und überraschende Kulturaspekte bei offenem Zugang und freiem Eintritt kennen zu lernen. Rund 200 Veranstaltungsangebote an 23 Tagen richten sich an alle in Wien lebenden Menschen aller Generationen; vor allem aber an jene, die in ihrem Alltag kaum Zugang zu Kunst und künstlerischer Kreativität haben, und die das Angebot nicht nur als Kulturkonsumierende, sondern auch als Agierende mitzuwirken, gerne annehmen. Besonders die Überraschungsmomente mitten im Alltag und mitten auf der Straße sind es, die Menschen neugierig machen auf neue Kulturformen. Ihr Blick wird geöffnet für unvorbereitete, spannende, spielerische, manchmal auch verblüffende künstlerische Aktionen.


Alle Veranstaltungen setzen sich mit der Stadt, ihren KünstlerInnen und BewohnerInnen auseinander. Beim Verweilen und spielerischen Ausprobieren wird Kunst und Kultur und das Entwickeln neuer Fähigkeiten emotional erfahrbar und sichtbar. Viele sind dabei „auf den Geschmack“ gekommen, lassen sich von der positiven Energie anstecken und interessieren sich für weitere Angebote.

 

… und schon ist man mitten in Wien auf offener Straße in einer Oper gelandet
Unkomplizierte Zugänge zu Kunst, Kultur und Bildung bauen Ängste ab. Zuerst ist da nichts und plötzlich steht man mitten in der Pop-Up-Oper "La Bohème"! An beliebten, aber auch unbekannten und ungewöhnlichen Orten in der ganzen Stadt taucht plötzlich Puccinis Oper auf, überrascht und bezaubert. Junge MusikerInnen und SängerInnen, die in Wien studiert haben, und eine junge Regisseurin stellen im Auftrag von Basis.Kultur.Wien diese Produktion auf die Beine und bringen sie im Rahmen des Festivals unter die Menschen.

 

Hänsel und Gretel live im Wald erleben
Im Rahmen eines neuen Modells der Kunst- und Kulturvermittlung verknüpft die Kinder-Opern-Wanderung "Hänsel und Gretel" von Oper-Rund-Um Märchenerzählung, Musik und Naturerlebnis zu einer abenteuerlichen Reise. Das Angebot ist für Kinder konzipiert und basiert auf der klassischen Oper von E. Humperdinck, die in eine Fassung für vier SängerInnen und vier MusikerInnen gebracht wurde. Bei diesem Familienabenteuer durch die Wiener Wälder, kann man exotische Fabelwesen und süß-schaurige Hexenhäuser entdecken und sich verzaubern lassen! Auf spielerische Art und Weise werden dabei die Bewegung in der Natur und das Interesse an literarischen Figuren gefördert sowie Kontakt mit klassischer Musik in kindgerechtem Rahmen ermöglicht.

 

Architekturgenuss und Bewegung
Wissenserweiterung und Erkenntnisgewinn durch Theorie, Bewegung und Kommunikation ist das Ziel des Projekts "Architecture on bicycle". Es kombiniert Bewegung mit architektonischer Stadterkundung. Bei geführten Exkursionen auf dem Fahrrad, kann das Publikum die Wiener Baukultur "erradeln" und bestaunen. Die sachkundige Vorstellung der Werke durch Architekturschaffende ermöglicht eine kritische Auseinandersetzung mit den Gebäuden und hinterfragt Aspekte des Planens.

 

Das künstlerische Potential der Mobiltelefone erforschen
Bei HANDYfilmen und WALKperformances mit einer bildenden Künstlerin wird das künstlerische Potential der Mobiltelefone erforscht und das Gehen im öffentlichen Raum aus ungewohnten filmischen Perspektiven neu entdeckt. Tolle Kurzfilme entstehen bei den Workshops HANDYfilmen/GASSIgehen für Hundebesitzer, bei HANDYfilmen/LUFTgehen für Eltern mit kleinen Kindern und bei HANDYfilmen/WALKperformance für Jugendliche. Sich neue Kompetenzen spielerisch anzueignen macht den besonderen Reiz dieser Veranstaltung aus.

 

Serie "Kunst und Kultur in der Erwachsenenbildung"
In einer Serie von Berichten, Interviews, Essays und programmatischen Beiträgen berichten Korrespondentinnen und Korrespondenten aus Verbänden, Netzwerken und Einrichtungen 2015 über die künstlerischen und kulturellen Aspekte von Erwachsenenbildung. In dieser Gemeinschaftsinitiative soll sichtbar werden, wie wichtig kreative Zugänge zur Welt und deren Aneignung sind. Bildung fungiert hier ebenso sehr als Kulturträger wie auch Innovator. Sie eröffnet Freiräume im Denken und Handeln, schafft Verständigung zwischen den Menschen und Kulturen und hilft uns Identität im Wandel zu begreifen und immer neu zu entwickeln. Alle Beiträge zur Serie finden Sie hier.

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