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Berufsreifeprüfung und Lehre mit Matura am BFI: aktuelle Entwicklungen

18.12.2014, Text: Katharina Moser, bfi Österreich
Immer mehr Lehrlinge profitieren von der Lehre mit Matura. Die Vorbereitungen auf die teilzentrale standardisierte Berufsreifeprüfung 2016 sind in vollem Gang.
  • TeilnehmerInnen an der Lehre mit Matura 2009-2014, insgesamt und am BFI Quellen: Statistiken des BMBF und des BFI, Diagramm: BFI Österreich
    Teilnahme am Programm "Lehre mit Matura"
Teilnahme am Programm "Lehre mit Matura"
Die Anzahl der österreichischen Lehrlinge, die schon während der Lehrzeit mit der Vorbereitung auf die Berufsreifeprüfung beginnen, stieg auch im sechsten Jahr des Programms "Lehre mit Matura" (LMM) weiter an. Die aktuelle Statistik des Bildungsministeriums weist 10.447 TeilnehmerInnen aus, das entspricht 8,7% aller Lehrlinge. Marktführer ist das BFI, das seinen Anteil von 30% im Jahr 2009 kontinuierlich auf nunmehr 37% steigern konnte. Die übrigen 63% verteilen sich auf Volkshochschulen (VHS), Wirtschaftsförderungsinstitut (WIFI) und einige schulische Anbieter.

 

Die Lehre mit Matura aus Sicht der TeilnehmerInnen
Nicht nur die stetig steigenden Teilnahmezahlen sprechen für die Attraktivität der Lehre mit Matura. Im Zuge einer Evaluierung durch das Österreichische Institut für Berufsbildungsforschung (öibf) wurden 2.443 Jugendliche (23 % aller TeilnehmerInnen) über ihre Erfahrungen befragt. Die Lehrlinge äußerten sich zu 78% "sehr zufrieden" mit dem Angebot. Drei Viertel der Befragten sahen ihre Erwartungen "sehr gut erfüllt". Bei vielen Lehrlingen bewirkten die Vorbereitungslehrgänge neben dem fachlichen Wissenszuwachs auch eine Erweiterung der personalen und Handlungskompetenzen: Die Mehrzahl erkannte an sich eine Steigerung der Lernbereitschaft und eine verstärkte Übernahme von Eigenverantwortung und Initiative sowohl im Lernprozess als auch im beruflichen Alltag. Die TeilnehmerInnen trauten sich außerdem mehr zu. Für den Lernerfolg erwies sich neben der eigenen Motivation die Unterstützung durch den Lehrbetrieb als wichtiger Faktor: Lehrlinge, die sich gut unterstützt fühlten, bewältigten die Anforderungen erfolgreicher. Auch die verschiedenen Angebote an Einzel- und Gruppencoachings fanden die Befragten hilfreich. Als Hauptmotive für die Lehre mit Matura wurden vielfältigere Berufsmöglichkeiten und bessere Karriereaussichten genannt. Der Zugang zum tertiären Bildungsbereich spielt für diese Zielgruppe eine vergleichsweise geringe Rolle.

 

Förderung der Vielfalt in der Berufsreifeprüfung
Einen erheblichen Anteil der Zielgruppen für die Berufsreifeprüfung (BRP) und die Lehre mit Matura stellen Personen aus anderen Herkunftsländern als Österreich und/oder mit anderen Muttersprachen als Deutsch. In den Vorbereitungskursen sind sie jedoch immer noch deutlich unterrepräsentiert. Das aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) und des Bildungsministeriums geförderte Projekt "Berufsreife 2020" zielte darauf ab, die Berufsreifeprüfung für diese Gruppen attraktiver zu gestalten, Zugangshürden und Benachteiligungen abzubauen und Multilingualität zu fördern. Im Zuge des Projekts wurden am BFI Oberösterreich kompetenzbasierte Curricula und Leitfäden für BRP-Lehrgänge in Bosnisch/Kroatisch/Serbisch (BKS) und Türkisch als lebende Fremdsprachen entwickelt. In Pilotlehrgängen an den BFIs Oberösterreich und Wien bereiteten sich 44 TeilnehmerInnen auf die jeweiligen Sprachprüfungen auf Maturaniveau (B2 im Europäischen Referenzrahmen) vor. Türkisch und BKS werden in der Regel an österreichischen Schulen nicht unterrichtet und selbst die Kompetenz in der Muttersprache ist bei manchen nur bescheiden. Der Besuch der Lehrgänge half den Teilnehmenden, Grammatik, Wortschatz und Ausdrucksfähigkeit in Wort und Schrift deutlich zu verbessern. Im Rahmen desselben Projekts erstellte das öibf einen Leitfaden zu diversitätsorientiertem Handeln in der Konzeption und Durchführung von BRP-Vorbereitungslehrgängen sowie bei der Beratung, Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit rund um die Berufsreifeprüfung.

 

Teilzentrale standardisierte Berufsreifeprüfung ab 2016
Die Berufsreifeprüfung wird, zeitgleich mit der Einführung der standardisierten kompetenzorientierten Reife- und Diplomprüfung (SRDP) an den berufsbildenden höheren Schulen, erstmals im Mai 2016 ebenfalls normiert durchgeführt. Die schriftlichen Teilprüfungen in Mathematik und Deutsch werden österreichweit an einem Haupttermin im Mai 2016 und zwei Nebenterminen im September 2016 und Jänner 2017 mit einheitlichen, vom Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation & Entwicklung des österreichischen Schulwesens (BIFIE) erstellten Prüfungsfragen stattfinden. Für mündliche Teilprüfungen und die Fachbereichsprüfungen gelten ebenfalls einheitliche formale und inhaltliche Kriterien, es gibt jedoch keine zentral vorgegebenen Termine und Prüfungsfragen. Der Unterricht und die BRP-Teilprüfungen finden am BFI wie an den meisten Erwachsenenbildungseinrichtungen schon jetzt kompetenzorientiert statt. Das Bildungsministerium verordnete bereits mit 1. Jänner 2010 kompetenzbasierte Curricula für alle ab diesem Zeitpunkt neu anerkannten Vorbereitungslehrgänge. 2011 veröffentlichte das Ministerium die ersten Leitfäden für die kompetenzorientierte BRP in Deutsch, Englisch und Mathematik. Im Juni 2014 erschien die letzte, aktualisierte Version.

 

Pilottests für den Echtbetrieb 
Im Dezember 2013 und im März 2014 fanden an mehreren Standorten von BFI, WIFI und VHS erste Pilottests für die standardisierte BRP in Mathematik und Deutsch statt. Anfang März 2015 wird das BIFIE eine breit angelegte BRP-Prüfungssimulation im Fach Deutsch durchführen, die bereits völlig analog zum Echtbetrieb ablaufen soll. 15 BFI-Standorte in allen Bundesländern haben sich dazu angemeldet. Die Vorbereitungen auf die teilzentrale standardisierte BRP laufen am BFI schon seit geraumer Zeit. Für viele Vorbereitungskurse, die im kommenden Jahr beginnen, werden die Abschlussprüfungen bereits als SRDP durchgeführt werden. Michael Sturm, Geschäftsführer des BFI-Dachverbands, ist überzeugt: "Die Berufsförderungsinstitute haben mit der Umstellung auf Kompetenzorientierung und Standardisierung rechtzeitig begonnen und werden inhaltlich und organisatorisch gut vorbereitet sein. Die TeilnehmerInnen werden von den Änderungen gar nichts merken."