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Die Neudefinition dessen, was wir wissen müssen

11.07.2017, Text: Birgit Aschemann, Online-Redaktion
Kürzlich wurde die Revision der 8 EU-Schlüsselkompetenzen auf einer internationalen Konferenz präsentiert und diskutiert.
  • Bild: CC0 Public Domain congerdesign/pixabay.com
    EU-Schlüsselkompetenzen: Einige Änderungen sind zu erwarten
Am 14. Juni 2017 fand in Brüssel eine Stakeholder-Konferenz zur Revision des Key Competences Framework statt. Dabei wurden die Ergebnisse einer öffentlichen Konsultation von 489 Befragten präsentiert und in Workshops weiter bearbeitet. Konsultation und Workshops zeigten einen leichten Änderungsbedarf der Schlüsselkompetenzen auf. Im Anschluss an die Konferenz wird die Generaldirektion für Bildung, Jugend, Sport und Kultur bis Ende Oktober 2017 die Neufassung der Schlüsselkompetenzen ausarbeiten.

 

Die Schlüsselkompetenzen und ihr Revisionsprozess

Die acht EU-Schlüsselkompetenzen sind seit 2006 ein wichtiges Strukturierungselement und zugleich eine inhaltliche Zielvorgabe in der europäischen Bildungspolitik. Sie werden im „European Framework of Key Competences for Lifelong Learning" (Key Competences Framework, KCF) zusammengefasst. Dieser Kompetenzrahmen soll einen zukunftsorientierten Kompetenzerwerb für alle unterstützen und wird quer durch alle Bildungsbereiche genützt.

 

Da neue gesellschaftliche Entwicklungen nach einer Revision des Kompetenzrahmens verlangen, fand von Februar bis Mai 2017 eine öffentliche Konsultation dazu statt. Die Ergebnisse dieser Konsultation wurden auf der Konferenz vorgestellt und vor der Ausarbeitung einer Neufassung zur Diskussion gestellt. Die Konferenz versammelte rund 120 internationale Stakeholder der Bildungspolitik.

 

Konsultation zeigt Überarbeitungsbedarf und Lernfelder

An der Konsultation zum KCF nahmen insgesamt 489 Personen teil. 44% davon arbeiten im Bildungsbereich, 23% in öffentlichen Einrichtungen bzw. Regierungseinrichtungen. Von ihnen wünschten sich 65% geringfügige Änderungen der Schlüsselkompetenzen und 23% umfassendere Änderungen. Da es sich um einen gut eingeführten Kompetenzrahmen handelt, werden die Änderungen in der Praxis mit Augenmaß erfolgen.

 

Was die Konsultation noch zeigte: die Kompetenzorientierung als solche muss noch mehr gefördert und gelebt werden - beim Lehren und Lernen, aber vor allem beim Prüfen. Während Curricula und Lehr-Lern-Prozesse stärker auf Kompetenzen ausgerichtet sind, umfassen Prüfungen weiterhin meistens nur Wissen. Die Kommissionsdienststelle arbeitet daher an Möglichkeiten, alternative Kompetenzüberprüfungen zu fördern. Standardisierte digitale Simulationen sind dabei stärker in Diskussion als die bewährten, aber aufwändigen Assessments.

 

Schlüsselkompetenzen: Was sich ändern dürfte

„Muttersprache und Fremdsprache" entsprechen nicht mehr der gesellschaftlichen Realität. Daher sollen die Schlüsselkompetenzen 1 und 2 möglichst zusammengeführt werden. Mehrsprachiges Aufwachsen bedeutet in der Praxis einen großen Kompetenzvorteil, auch wenn es vom formalen Bildungssystem oft nicht optimal unterstützt wird - so die Linguistin Le Pichon-Vorstman von der Universität Utrecht in ihrem Vortrag.

 

Naturwissenschaften/Technik soll stärker auf Nachhaltigkeit hin ausgerichtet werden.

 

Digitale Kompetenz soll auch so heißen und inhaltlich mit dem „European Digital Competence Framework" abgeglichen werden. Dieser dient auch schon als Selbsteinschätzungstool im Europass.

 

Kulturbewusstsein und kultureller Ausdruck inkludieren die eigene kulturelle Identität genauso wie eine positive, offene Haltung zur Diversität.

 

Initiative und unternehmerische Kompetenz umfasst viele Lebensbereiche und soll mit dem „European Entrepreneurship Competence Framework" abgeglichen werden.

 

Die Querschnittskompetenzen sollen im Kompetenzrahmen prominenter hervorgehoben werden. Eine Idee dazu lautet, eine neue Schlüsselkompetenz namens „persönliche und soziale Kompetenz" zu schaffen. Sie würde sich aus den bisherigen Schlüsselkompetenzen 5 und 6 zusammensetzen und aus vier Teilkompetenzen bestehen: „Physische und psychische Gesundheit", „Selbstbewusstsein und Resilienz", „Zwischenmenschliche Kompetenz" und „Lernstrategien". Ob Lernkompetenz tatsächlich den Status einer eigenen Schlüsselkompetenz verliert, ist jedoch noch in Diskussion.

 

Diskutiert wurde auch, ob Bürgerkompetenz mit den gemeinsamen Europäischen Werten wie Respekt, Antidiskriminierung, Gewaltfreiheit etc. eine eigene Kompetenz werden soll. Die Bedenken der DiskutantInnen dazu lauteten, dass Werte nicht präskriptiv vermittelt werden können und sollen.

 

Wie geht es weiter?

Was die neuen Schlüsselkompetenzen wirklich bedeuten, wird sich erst im Spätherbst zeigen. Die Generaldirektion für Bildung verarbeitet alle Beiträge und formuliert auf dieser Basis einen Vorschlag, der noch politischer Akzeptanz bedarf. Erst dann kann eine Empfehlung des Bildungsrats und des Europäischen Parlaments entstehen. Es bleibt also bis mindestens Ende Oktober spannend.

Quelle: EPALE E-Plattform für Erwachsenenbildung in Europa