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BFI-Bildungsstatistik 2016

04.05.2017, Text: Katharina Moser, bfi Österreich
Fast 200.000 TeilnehmerInnen absolvierten an den Berufsförderungsinstituten (BFIs) rund 17.000 Aus- und Weiterbildungen mit fast 2,4 Mio. Unterrichtseinheiten.
  • Grafik: BFI Österreich
    Anzahl der im Kalenderjahr 2016 durchgeführten Unterrichtseinheiten
  • Foto: BFI Tirol
    Trainerin bei der praktischen Ausbildung für Basisbildung im Betrieb
Breite Palette an Fachausbildungen

 

Mit 2.360.056 Unterrichtseinheiten (UE) liegt das BFI an der Spitze der österreichischen Erwachsenenbildungseinrichtungen. Den Großteil machen Fachausbildungen und Weiterbildungen in verschiedenen Berufsfeldern aus. Fast ein Viertel (563.291 UE) entfiel 2016 auf die überbetrieb-liche Lehrausbildung, Tendenz steigend. Mit über 4.900  Ausbildungsplätzen in 96 Lehrberufen ist das BFI auch einer der größten österreichischen Lehrlingsausbilder. In den Fachbereich Berufsreife/2. Bildungsweg mit 330.294 UE fielen neben der Vorbereitung auf die Berufsreifeprüfung auch eine steigende Anzahl an Lehrgängen zur Vermittlung von Basisbildung sowie zur Vorbereitung auf den Pflichtschulabschluss und fast 600 Vorbereitungskurse für außerordentliche Lehrabschlüsse in 74 Lehrberufen. Der Bereich Technik/Ökologie/Sicherheit blieb mit 344.196 UE ebenfalls einer der umfangreichsten. Das BFI führt auch 20 Werkmeisterschulen, in denen 2016 14 verschiedene technische Fachausbildungen von Bauwesen über Logistik, Elektrotechnik und Maschinenbau bis zur technischen Chemie und Umwelttechnik durchgeführt wurden. Bereits 16 % der angehenden WerkmeisterInnen waren Frauen.

 

Zuwächse in den Sparten Sprachen, Training und neue Technologien

 

Die Verteilung der Unterrichtseinheiten über die Fachbereiche blieb ähnlich wie in den Vorjahren, mit einigen erwähnenswerten Verschiebungen: Die Sprachkurse erfuhren einen beachtlichen Zuwachs von 3 % bzw. 62.500 Unterrichtseinheiten auf nunmehr 13 % des Schulungsvolumens. Ein großer Teil davon ist auf eine ? auch durch den Zustrom an Flüchtlingen und neuen Asyl- und subsidiär Schutzberechtigen ? rasant gestiegene Nachfrage nach Deutschkursen zurückzuführen. Im Zusammenhang damit wuchs auch die Nachfrage nach TrainerInnenaus- und -weiterbildungen, insbesondere für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache (DaF/DaZ). Ein deutliches Plus schrieben auch die Werkmeister-schulen, wo die Anzahl der Ausbildungen um 27 % und jene der Unterrichtsstunden um 38 % (+10.775 UE) stieg. Die Anzahl der Teilnehmer stieg um 14 % auf 2.013, jene der Teilnehmerinnen um stolze 62 % auf 376 Personen. Die überbetrieblichen Lehrausbildungen verbuchten einen Zuwachs von 9 % oder 48.477 Unterrichtseinheiten und um 13 % bzw. 1.202 mehr Teilnahmen als im Jahr davor. Im Bereich EDV/IT standen einem Rückgang bei ECDL-Schulungen Steigerungen in den Zukunftsbereichen Onlinekommunikation und -marketing, Programmiersprachen und Automatisierungstechnik gegenüber.

 

Rückgänge bei vermittlungsunterstützenden Maßnahmen

 

Spürbare Einbußen gab es bei den vermittlungsunterstützenden Maßnahmen. Hier wirkte der Sparstift weiter, den das Arbeitsmarktservice bereits 2015 angesetzt hatte: Waren im Jahr 2014 noch 24 % des BFI-Schulungsvolumens auf öffentlich finanzierte Maßnahmen zur Unterstützung Arbeitsuchender bei der (Wieder-)Eingliederung in den Arbeitsmarkt entfallen, so waren es 2015 noch 20 % und 2016 nur noch 17 %. Der Rückgang betrug innerhalb von zwei Jahren fast 193.000 Unterrichtseinheiten und über 20.600 Kursteilnahmen. Insgesamt schrumpfte das Segment der öffentlich finanzierten Unterrichtseinheiten gegenüber 2015 um 4,2 %. "Die Rückgänge konnten jedoch durch einen Zuwachs von 7,5 % bei den frei finanzierten Unterrichtsstunden ausgeglichen werden", berichtet der Geschäftsführer des BFI Österreich, Michael Sturm. "Sieben von zehn Bildungsveranstaltungen und sechs von zehn Kursteilnahmen entfielen auf das frei finanzierte Kurssegment."

 

Herausforderungen Migration und Digitalisierung

 

Sturm sieht derzeit zwei große Herausforderungen für den Arbeitsmarkt, auf welche die Erwachsenenbildung reagieren muss: "Das ist einerseits die Verbesserung der Jobchancen für Personen mit Migrationshintergrund ? sowohl für neu Zugezogene als auch für Jugendliche der zweiten und dritten Generation. Andererseits erfordern neue digitale Technologien neue Kompetenzen, im Zusammenhang mit der Industrie 4.0, aber auch mit digitalen Lernformaten." Für TrainerInnen, die in den zahlreichen Deutsch-, Basisbildungs- und Integrationskursen oder in den zunehmend multiethnisch besetzten Lehr- und FacharbeiterInnenausbildungen tätig sind, wurde ein Zertifikatslehrgang "Intercultural Trainer" angeboten. Ein weiterer neuer Lehrgang befähigt interessierte TrainerInnen, Basisbildung direkt in Betrieben mit Bezug auf konkrete berufliche Anforderungsprofile umzusetzen. Immerhin 60 % der erwachsenen ÖsterreicherInnen mit geringen Grundkompetenzen sind erwerbstätig. Die Angebote an Blended- und E-Learning-Formaten wurden ausgeweitet und weiterentwickelt, für TrainerInnen gab es Weiter-bildungen zum Einsatz digitaler Lernformen. Die meisten BFIs führen eigene E-Learning-Plattformen. An den BFIs Wien und Oberösterreich wurden erste Inhalte für Mikro- lernen entwickelt und von KursteilnehmerInnen wie TrainerInnen sehr positiv aufgenommen. Vor allem in den industriell geprägten Bundesländern Steiermark und Oberösterreich, aber zunehmend auch in Wien bereiten BFI-Schulungen in Automatisierungstechnik, 3-D-Druck, Robotik und neuen Technologien wie digitalSTROM und Wartung von Elektro- und Hybridfahrzeugen auf die Anforderungen der Industrie 4.0 vor.