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Was Freiwillige in der Erwachsenenbildung brauchen

21.12.2016, Text: Lucia Paar, Online-Redaktion
Viele Menschen bieten Flüchtlingen ehrenamtliche Hilfe an. Aber auch die Freiwilligen selbst sollte man in ihrem Engagement stützen und wertschätzen.
  • Foto: CC0 by skeeze/pixabay.com
    Freiwillige unterstützen: Ihr Engagement sichtbar machen und wertschätzen
Viele Menschen in Österreich sind ehrenamtlich für Flüchtlinge und MigrantInnen tätig und bieten ihnen Unterstützung an. Aber wie kann man die freiwillig Tätigen in ihrem Engagement stützen und ihre Arbeit wertschätzen? 

 

Freiwillige unterstützen – aber wie?

 

Renate Ömer vom Bildungs- und Heimatwerk Niederösterreich (BHW NÖ) engagiert sich für Freiwillige, die Flüchtlinge in Deutsch unterrichten. Sie erzählt, dass Freiwillige sich trotz Begeisterung für ihre Tätigkeit manchmal überfordert fühlen oder enttäuscht seien, wenn die Tätigkeit oder das Ergebnis nicht den Erwartungen entspricht. 

 

Deshalb schlägt sie gerade für den Bereich der Flüchtlingsarbeit Foren vor, in deren Rahmen man sich besprechen und die eigenen Erwartungen reflektieren kann. Was ist die persönliche Erwartung? Was erwartet die Gruppe, was die Gemeinde?

 

Sichtbar machen

 

„Es ist wichtig die Leute vor den Vorhang zu bitten, für öffentliche Anerkennung zu sorgen und ihnen Unterstützung anzubieten“, so Ömer. Das Projekt „Blickpunkt Deutsch Niederösterreich“ nimmt sich dieser Aufgabe an und organisiert Workshops zum Erfahrungsaustausch für ehrenamtliche Deutsch-LehrerInnen, bietet Informationen zu Weiterbildungsangeboten und zu Fragen rund um Deutschkurse für Flüchtlinge. 

 

Hans Rupp, Projektleiter von Blickpunkt Deutsch, plädiert für konkrete Unterstützung der Freiwilligen und fordert einen ehrlichen Dialog zwischen Verantwortlichen aus der Politik und den Freiwilligen. Wichtig sei, dass die Ehrenamtlichen sich in den Dialog einbringen, mitreden und auch konstruktive Kritik vorbringen können. 

 

Lernen von den Freiwilligen 

 

Auch das Wertschätzen und Nutzen der Leistungen von Freiwilligen ist laut Renate Ömer notwendig. Sie plädiert dafür, die Freiwilligen von offizieller Seite nach ihren Erfahrungen zu fragen. „Welche Informationen haben sie gesammelt? Wie haben sie geholfen? Wie haben sich die Freiwilligen das notwendige Know-how angeeignet? Was haben sie eingesetzt, wo waren die Erfolge, wo die Misserfolge?“ Dieses Wissen nicht abzutun, sondern zu verwerten, würde der Erwachsenenbildung guttun, so Ömer. 

 

Abgrenzung und Imagefragen bestimmen Ehrenamt in der Erwachsenenbildung

 

Geht es um die Weiterentwicklung der Freiwilligentätigkeit in der Erwachsenenbildung, so lassen sich einige Herausforderungen ausmachen. Zunächst einmal geht es da um die Frage der Abgrenzung zwischen hauptberuflicher Arbeit und freiwilliger Tätigkeit im Zentrum. Wo ist diese Grenze? Wie kann man sie feststellen, an welchen Kriterien festmachen? Berichte aus der Basisbildung mit MigrantInnen bieten hierzu erste Ansatzpunkte.

 

Für den Bereich der Erwachsenenbildung sind aber auch Fragen des Images der Freiwilligenarbeit ein Thema. Wie gelingt es, der ehrenamtlich organisierten Erwachsenenbildung ein modernes Image zu geben? Wie kann deren Arbeit gewinnend dargestellt und professionell vermarket werden? Hans Rupp merkt in diesem Zusammenhang an, dass die Erwachsenenbildung diesbezüglich viel von Sozial- und Hilfseinrichtungen lernen könne, wie das Formulieren klarer Aufgabenprofile für die Freiwilligenarbeit und das Festlegen klarer Verantwortlichkeiten. 

 

Wichtig seien auch klare Schulungs- und Supportkonzepte. Außerdem sollte transparent sein, wie viele Ressourcen jemand einbringen muss, wenn er/sie sich engagieren will. Zukünftig würden zudem vermehrt Vereinbarungen für eine begrenzte Zeit geschlossen. Freiwilliges Engagement auf unbestimmte Zeit werde immer weniger werden, meint Rupp.