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Wissen sammeln beim Kräuter Sammeln

25.11.2015, Text: Franz Stürmer, Weinviertler Kräuterakademie, Redaktion: Renate Ömer, BHW Niederösterreich
Ein Verein von Kräuterkundigen hat sich zusammengeschlossen, um Wissen rund um Pflanzen, Menschen und Kultur zu sammeln: ein gemeinschaftliches, volkskundliches Projekt. (Serie: Kunst und Kultur)
  • Foto: Franz Stürmer
    Johanniskraut
In Kursen, praxisnahen Seminaren, Exkursionen und anderen Veranstaltungen wird mit großem persönlichen Einsatz das Wissen über hauptsächlich heimische Pflanzen vermittelt. Ein Anliegen dabei ist Deutung und Bewertung der Vielschichtigkeit des „beinahe vergessenen“ Wissens: Was ist Volksglaube, was eine volksmedizinische Anwendung und was deckt sich mit derzeit anerkannten medizinischen Erkenntnissen?

 

Binnen zwei Generationen – Krieg / Nachkriegszeit und Aufbau / „Wirtschaftswunder“ – dünnte sich das Kräuterwissen schnell aus: ein Wissen, das über Jahrtausende tradiert worden war, und in der regionalen Ausformung des „Kräuterwissens der Pinzgauer Kräuterfrauen“ mittlerweile zum immateriellen Weltkulturerbe der UNESCO zählt.

 

Seit 10 Jahren ist der gemeinnützige Verein „Weinviertler Kräuterakademie“ erfolgreich bestrebt, dieses alte Kräuterwissen, das auch das Verständnis und den Hintergrund für Brauchtum (etwa Räuchern, Himmelfahrtsbuschen etc.), Märchen und Mythen liefert, zu erhalten und weiter zu geben.

 

Hier werden auch die Lücken, die in den Überlieferungen mittlerweile klaffen, schmerzhaft deutlich. Nicht selten kann nur mehr darauf verwiesen werden, dass eine Pflanze früher verwendet wurde. Doch über eine Form der Anwendung oder Dosierung lässt sich keine Aussage treffen – das Wissen darüber fehlt inzwischen.

 

Ein weiterer Teil der Wissensvermittlung gilt der Bedeutung der Pflanzen in sozialgeschichtlicher, wirtschaftlicher oder mythologischer Hinsicht: so etwa als Färbepflanzen, als Textilrohstoff wie etwa die Brennnessel („Nesselhemd“), oder als alte pflanzliche Binde- und Flechtmaterialien.

 

Mit dem Nesselhemd spannt sich der Bogen zu Märchen (7 Schwäne), Sagen und Mythen. Hier spiegeln sich die Verwendung und Bedeutung von Pflanzen in den Erzählungen wider, oft mit Wurzeln, die in der Antike liegen.  

 

Die Thematik „Wildpflanzen in der Ernährung“ ist bei den Veranstaltungen besonders gefragt. Durch gemeinsames Kochen und Verkosten erfahren viele Pflanzen, die landläufig als „Unkraut“ bezeichnet werden, eine geschmackvolle Aufwertung. 

 

Die Nachfrage nach den Kursen der Weinviertler Kräuterakademie ist groß. „Es ist einerseits die Wiederentdeckung von Großmutters Hausapotheke und andererseits die Verbindung zu altem Verständnis für Brauchtum und Natur“, wie eine Teilnehmerin zusammenfasst. Zusätzlich sieht die Weinviertler Kräuterakademie ihre Arbeit auch als Bewusstseinsbildung für Natur- und Umweltschutz – denn wer eine Pflanze schätzt, schützt sie auch.

 

Serie "Kunst und Kultur in der Erwachsenenbildung"
In einer Serie von Berichten, Interviews, Essays und programmatischen Beiträgen berichten Korrespondentinnen und Korrespondenten aus Verbänden, Netzwerken und Einrichtungen 2015 über die künstlerischen und kulturellen Aspekte von Erwachsenenbildung. In dieser Gemeinschaftsinitiative soll sichtbar werden, wie wichtig kreative Zugänge zur Welt und deren Aneignung sind. Bildung fungiert hier ebenso sehr als Kulturträger wie auch Innovator. Sie eröffnet Freiräume im Denken und Handeln, schafft Verständigung zwischen den Menschen und Kulturen und hilft uns Identität im Wandel zu begreifen und immer neu zu entwickeln. Alle Beiträge zur Serie finden Sie hier.

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