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Rezension: Selbstevaluation in der Lehre

18.07.2014, Text: Maria Gutknecht-Gmeiner, Redaktion: Bianca Friesenbichler, Online-Redaktion
Nicht mehr ganz neu, aber ebenso praxisrelevant wie fundiert ist der Leitfaden für die Durchführung von Selbstevaluation in der Lehre von Beywl, Bestvater und Friedrich.
  • Coverausschnit: (C) Waxmann Verlag
    Evaluation nutzen, um das eigene Lehren weiterzuentwickeln
Evaluation - mehr als ein Fragebogen am Ende des Kurses
"Evaluation" - dies wird oft gleichgesetzt mit den "Evaluationsfragebögen", die am Ende eines Kurses, Moduls oder Lehrgangs ausgegeben werden, um die TeilnehmerInnen um ihre Meinung zu fragen. Wie aussagekräftig und nützlich diese Form der "Evaluation" ist, wird in Forschung und Bildungspraxis immer wieder diskutiert. Insbesondere trägt sie wenig dazu bei, das "Kerngeschäft" von Bildungseinrichtungen, das Lehren und Lernen, zu unterstützen und zu verbessern.


Lehren und Lernen verbessern
Wie Lehrende selbst durch Evaluation ihre eigene Lehre weiterentwickeln und das Lernen der Teilnehmenden sichtbar machen können, zeigen Wolfgang Beywl, Hanne Bestvater und Verena Friedrich in ihrem 2011 im Waxman Verlag erschienenen und nach wie vor aktuellen Buch über "Selbstevaluation in der Lehre". Sie wenden sich damit an Lehrende an Hochschulen. Das Buch ist jedoch in gleichem Maße für KursleiterInnen und TrainerInnen in der Erwachsenenbildung/Weiterbildung relevant.


Evaluation als pädagogische Aufgabe
In der Selbstevaluation, so die AutorInnen, sind Lehrhandeln und Evaluation zwei verschränkte Handlungsstränge, die durchgängig aufeinander Bezug nehmen. Evaluation wird damit zur pädagogischen Aufgabe. Sie untersucht bedeutsame Fragestellungen des Lehr-Lern-Prozesses, sogenannte "Knacknüsse". Dies schließt auch die Frage ein, was und wie die TeilnehmerInnen lernen. Selbstevaluation ist daher immer maßgeschneidert. Sie beruht auf empirischen Daten und berücksichtigt Qualitätsstandards.


Schritte der Selbstevaluation: ein Leitfaden
Wie dies in der Praxis gelingen kann, wird in acht klar definierten und logisch aufeinander folgenden Schritten anschaulich dargelegt. Damit wird den LeserInnen ein detaillierter, leicht verständlicher und praxistauglicher Leitfaden für die Durchführung von Selbstevaluationen in die Hand gegeben. Ergänzt wird er durch drei "Specials", in denen sich methodische Anleitungen zur Fragebogenerstellung, zur Auswertung qualitativer Daten mittels gängiger Textverarbeitungssoftware sowie zur Visualisierung von Ergebnissen finden.


Theoretische Fundierung der Praxis
Das Buch vereint beides in sich: Theorie und Praxis. Es gibt eine kurze Einführung in Grundbegriffe der Evaluation und verortet die Selbstevaluation im Spektrum der Evaluationsarten; die Doppelrolle von PraktikerIn und EvaluatorIn in der Selbstevaluation wird diskutiert. Auch werden organisationale und persönliche Voraussetzungen für Selbstevaluation angesprochen. Damit eignet sich das Buch auch als allgemeine Einführung in die Evaluation im Bildungsbereich.


Gleichzeitig vermeiden die AutorInnen jeglichen Fachjargon und erläutern theoretische Konzepte mit Hilfe von Beispielen. Fünf Fallstudien von tatsächlich durchgeführten Selbstevaluationen aus dem Umfeld der AutorInnen geben Einblicke in die Praxis und illustrieren die Umsetzung der theoretischen Vorgaben.


"Taschenset" von Evaluationsinstrumenten
Für die Evaluationspraxis wird ein "Taschenset" von sieben Erhebungsinstrumenten vorgestellt. Darunter finden sich weit verbreitete Methoden wie das "Ampelfeedback" oder das "Blitzlicht", aber auch weniger bekannte. Sämtliche im Buch vorgestellte Methoden und Instrumente sind "konvivial", d.h. sie bedürfen keiner speziellen Ausstattung oder Expertise und sie lassen sich in den Lehralltag integrieren. Sie sind zugleich Lehrintervention als auch Datenerhebungsinstrument. Im Vordergrund stehen die Machbarkeit, ein ressourcenschonender Ansatz sowie Synergien zwischen Evaluation und Lehrhandeln - dadurch entsteht ein mehrfacher Nutzen von Selbstevaluation für die Lehrenden.


Lernergebnisse evaluieren
Sehr positiv zu betrachten ist die durchgängige Berücksichtigung der Lernergebnisse als Resultat von Lehren und Lernen. Dieses letzte (und ausschlaggebende) Glied in der pädagogischen Wirkungskette wird in Evaluationen oft vernachlässigt. Die AutorInnen diskutieren die speziellen Herausforderungen der Evaluation von Lernergebnissen. Insbesondere raten sie zu einer sorgsamen Abgrenzung zwischen der Evaluation der Lehre und der Bewertung bzw. Benotung der Lernenden - für beides brauche es eine Ermittlung von Lernergebnissen. Zusätzlich gibt das Buch den LeserInnen Beispiele und Erhebungsinstrumente in die Hand. Einschränkungen in der Anwendung ergeben sich aus dem Fokus des Buches auf die Lehre an Hochschulen: Für die nicht abschlussorientierten, niederschwelligen Bereiche der Erwachsenenbildung müsste die Frage der Evaluation von Lernergebnissen noch weiter ausdifferenziert werden. 


Fazit
Das Buch richtet sich an Lehrende, bietet aber auch für Führungskräfte und pädagogische MitarbeiterInnen in der Erwachsenenbildung eine sehr kompakte, theoretisch fundierte und praxistaugliche Einführung in die Evaluation. Es verfolgt eine "produktiv-kritische Auseinandersetzung" mit Evaluation und regt zu eigenem Denken und Tun an. Apoditkische Aussagen und simple Rezepte werden vermieden, Selbstevaluation wird als Teil des professionellen Handelns von Lehrenden verstanden. Zielgruppe sind PraktikerInnen, die Evaluation nutzen wollen, um das Lehren und Lernen in der Erwachsenenbildung auf der Ebene des Kursgeschehens pädagogisch-didaktisch weiterzuentwickeln.

 

Beywl, Wolfgang/Bestvater, Hann/Friedrich, Verena (2011): Selbstevaluation in der Lehre. Ein Wegweiser für sichtbares Lernen und besseres Lehren. Waxmann, 208 Seiten, Preis 29,90 EUR, ISBN 978-3-8309-2577-4.

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