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Zugang und Praxis

Carla Stenitzer, Barbara Eppensteiner (2018)

Der offene Zugang zur Mediengestaltung im Nichtkommerziellen Rundfunk - am Beispiel der Radiofabrik in Salzburg und des Community-Fernsehens Okto in Wien

Wie der offene Zugang zur Mediengestaltung und zu Workshop-Angeboten im Nichtkommerziellen Rundfunk funktioniert, zeigt der folgende Abschnitt am Beispiel der Radiofabrik in Salzburg und des Community TV-Senders Okto in Wien. Er zeichnet nach, wie Menschen ins Freie Medium finden und wie Freie Medien durch einen offenen Zugang und eine niederschwellige Vermittlung der Inhalte den Erwerb von Medienkompetenzen bei Menschen aller Altersgruppen fördern können.

 

Nichtkommerzieller Rundfunk: In Österreich gibt es ihn seit nunmehr 20 Jahren. Die Idee, dass nicht nur professionelle JournalistInnen Medien machen, geht aber schon auf die 20er Jahre des 19. Jahrhunderts zurück. Die Aufgabe von nichtkommerziellen Community Medien ist es, ergänzende Informationen sowohl zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk, als auch zu kommerziellen Medien anzubieten. Sie werden deshalb oft auch als dritter Sektor bezeichnet und es gibt sie in über 100 Ländern auf allen Kontinenten.

 

Als Bestandteil lokaler und regionaler Öffentlichkeit wollen sie vor allem jenen eine Stimme geben, die im Medienmainstream nicht oder nur marginal repräsentiert sind. Sie fördern lokale Kunst und stellen regionale Kulturinitiativen vor, begreifen sich als Teil der Zivilgesellschaft, mit der sie meist vielfältig vernetzt sind und bieten unterschiedlichsten Gruppen die Möglichkeit zur Teilhabe am medialen Diskurs und damit auch am politischen Leben. Sie fördern die soziale Vernetzung und tragen zu einer kontinuierlichen Mitgestaltung des Umfeldes bei, regen Menschen also dazu an, sich für das mitverantwortlich zu fühlen, was um sie herum vorgeht und sich (nicht nur im Moment der Entscheidung, wie etwa bei Wahlen oder Befragungen) zu engagieren. Das macht sie zu einem wirksamen Instrument der politischen Partizipation.

 

Da sie nur zu einem sehr geringen Teil von professionellen JournalistInnen gemacht werden, befähigen sie BürgerInnen zur Artikulation ihrer Anliegen und tragen so zur Medienbildung breiter Gesellschaftsschichten bei. Im Gegensatz zu diversen Plattformen im Internet lassen Freie Medien ihre NutzerInnen und ProduzentInnen nämlich nicht allein: Angebote zur Vermittlung von technisch-gestalterischem Know-how erleichtern den Einstieg, diverse Workshops dienen der aktiven Auseinandersetzung mit medienrechtlichen und medienethischen Fragen und regelmäßiges Feedback unterstützt sie dabei, das eigene Tun zu reflektieren und kontinuierlich zu verbessern. Der Nichtkommerzielle Rundfunk versteht sich also immer auch als ein Lernort.

 

Der Zugang zur Mediengestaltung und konkrete Workshopangebote werden im Folgenden exemplarisch anhand der Ausbildungsangebote des Freien Radios "Radiofabrik" in Salzburg und dem Freien Fernsehsender "Okto TV" in Wien vorgestellt. Die Ausbildungstätigkeiten Freier Medien lassen sich in zwei Schwerpunkte zusammenfassen. Neben der Aus- und Weiterbildung von Programmmachenden und Einzelpersonen, kooperieren Freie Medien mit Bildungseinrichtungen für Menschen aller Altersgruppen, Vereinen und Organisationen und stellen wichtige Projektpartner im regionalen und europäischen Raum dar.