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Medien und Sprachen - Medien in der mehrsprachigen Gesellschaft

Andrea Sedlaczek (2018)

Medien sind vorwiegend einsprachig gestaltet, obwohl die Gesellschaft zunehmend von Mehrsprachigkeit gekennzeichnet ist. Dabei prägen Medien die Sprachlandschaft entscheidend mit. Im folgenden Abschnitt erfolgt zunächst eine Bestandsaufnahme der sprachlichen Vielfalt in Medien und eine Auseinandersetzung mit Medien als sprachenpolitischen AkteurInnen. Anschließend wird der individuelle und gesellschaftliche Nutzen medialer Mehrsprachigkeit beleuchtet und es werden Beispiele aus der mehrsprachigen Sendepraxis im nichtkommerziellen Rundfunk vorgestellt.

 

Mehrsprachigkeit kommt aufgrund der gesellschaftlichen Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte eine immer größere Bedeutung im Alltag zu. Auf europäischer Ebene wie auch im Bildungsbereich wird die Relevanz der Mehrsprachigkeit vielfach anerkannt und diskutiert. Demgegenüber ist die öffentliche Medienlandschaft nach wie vor überwiegend von einer Ideologie der Einsprachigkeit geprägt. Diesem monolingualen Habitus der Mediengestaltung ist der gesellschaftliche wie individuelle Nutzen medialer Mehrsprachigkeit entgegenzusetzen. Auf individueller Ebene kann eine mehrsprachige Mediengestaltung kommunikative und interkulturelle Kompetenzen fördern. Auf gesellschaftlicher Ebene ermöglicht Mehrsprachigkeit in den Medien unterschiedlichen Sprachgruppen in der Gesellschaft Zugang zu Information, (Selbst)Repräsentation und gesellschaftlicher Teilhabe. Mediale Mehrsprachigkeit kann den gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern, wenn sie die bestehende Heteroglossie, d.h. die Vielfalt an Sprachen, Stimmen und Diskursen in der Gesellschaft abbildet. Diese Leistung wird bisher vor allem vom nichtkommerziellen Rundfunk erbracht.

 

Medien prägen durch ihre (bewussten wie unbewussten) sprachlichen Entscheidungen die öffentliche Sprachenlandschaft entscheidend mit. Das Wissen darum, wie Sprachen bzw. sprachliche Ressourcen in Medien verwendet werden und wie mediale Mehrsprachigkeit zu Fragen von gesellschaftlicher Vielfalt und Bildung beitragen kann, ist daher wichtige Voraussetzung für eine kritische Medienkompetenz.