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Zur Ausrichtung der Erwachsenenbildung in Europa

Birgit Aschemann (2016/2018)

Ein regelmäßiger Kritikpunkt an der europäischen Bildungspolitik ist die starke Ausrichtung ihrer Strategien an den Interessen von Wirtschaft und Arbeitsmarkt. Aus Sicht der europäischen Politik scheint der potenzielle wirtschaftliche Nutzen der Erwachsenenbildung oft viel interessanter als deren demokratiepolitischer Nutzen oder andere wesentliche Funktionen der Erwachsenenbildung. Das Spannungsgefüge um Funktionen und Prioritäten begleitet die Erwachsenenbildung, seit sie als europäisches Politikfeld wahrgenommen wird. Die konkrete Ausprägung dieser Prioritäten in den jeweils aktuellen Strategiepapieren hängt von der jeweils aktuellen Krisenhaftigkeit der Wirtschaftslage (und von anderen politischen Fragen) ab.

Während in den meisten Strategiepapieren seit dem "Memorandum" gleichermaßen ökonomische wie auch soziale (und demokratische) Ziele angeführt werden, lassen sich konkrete Arbeitsprogramme oft stärker dem berufsbildenden Bereich zuordnen. Die Zuordnung der Erwachsenenbildungs-Agenden zur Generaldirektion für Beschäftigung, Soziales und Integration seit dem Jahreswechsel 2014/15 war ein weiteres Signal in diese Richtung.


Das Verhältnis der allgemeinen Erwachsenenbildung zur beruflichen Weiterbildung ist ein aktuelles politisches Thema in diesem Zusammenhang. Bildungspolitische Papiere (wie etwa der Bericht zur Bildungsstrategie ET2020 vom November 2015) rufen seit Jahren zu einer verstärkten Zusammenarbeit zwischen Erwachsenenbildung und Berufsbildung auf, die vielfach begrüßt wird. Auch von einer "Integration" der beiden Bereiche ist jüngst die Rede (Stand 2018). Andererseits bestehen in der allgemeinen Erwachsenenbildung Befürchtungen, dass nicht-ökonomische Bildungsziele und –angebote zunehmend zurückgedrängt werden, falls die beiden Bereiche verschmelzen. Insofern stehen der europäischen Erwachsenenbildung weiterhin lebendige Aushandlungsprozesse bevor.

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