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Streaming: das sind die Möglichkeiten für die Erwachsenenbildung

31.05.2021, Text: Beatrice Kogler, Redaktion/CONEDU
Livestreams können eine gute Alternative zu Videokonferenzen sein, allerdings muss der didaktische Rahmen stimmen.
  • Foto: Pexels Lizenz, Vanessa Garcia, https://pexels.com
    Vom Seminarraum in die ganze Welt: Livestreaming macht es möglich
Livestreams eignen sich für Online-Veranstaltungen mit Präsentationscharakter, die sich an ein großes Publikum richten. Für die Arbeit mit kleinen Gruppen und wenn der Austausch im Mittelpunkt steht, sind Videokonferenzen besser geeignet. Livestreamings bedeuten für die Anbieter meist einen größeren technischen Aufwand, da es in der Regel mehrere Kameras und eine Streaming-Software braucht. Gleichzeitig sind die Anforderungen an die Technik bei den Teilnehmenden geringer. Die Wahl hängt schließlich vom Format und den Möglichkeiten des Veranstalters ab.

 

Unterschiede zum klassischen Webinar

Streaming bedeutet, dass der Bildungsanbieter eine Video- oder Audioaufnahme über eine entsprechende Plattform überträgt. Man spricht auch von Webcasts, die entweder per Livestream oder on-demand mittels Aufzeichnungen umgesetzt werden. In beiden Fällen kommt es zu einer one-to-many-Kommunikation: wie bei einer Radio- oder Fernsehsendung präsentieren die Vortragenden Inhalte. Im Zentrum steht die Inhaltsvermittlung und nicht der Austausch zwischen oder mit den Teilnehmenden. Bei der Übertragung von Livestreams kommt es außerdem zu einer kurzen Verzögerung von fünf bis zehn Sekunden. Durch diese Latenz läuft die Übertragung sehr stabil, da kurzfristige Internetprobleme auf diese Weise überbrückt werden können. Zusätzlich sorgt eine HD-Auflösung für eine gute Qualität des Livestreams.
 
Bei Webinaren nutzen sowohl Lehrende als auch Lernende eine Videokonferenzsoftware, über die alle Teilnehmenden per Video und Audio miteinander kommunizieren können. Das Videokonferenztool sorgt dafür, dass diese many-to-many-Interaktion möglichst ohne Zeitverzögerung stattfindet. Im Gegenzug ist oft die Bild- und Tonqualität schlechter, vor allem wenn die Teilnehmenden eine langsame Internetverbindung haben.
 

Die technische Umsetzung von Livestreams

Livestreams werden über Streaming-Plattformen abgewickelt. Die bekanntesten sind YouTube Live, Facebook Live Streaming oder Twitch. Die Verwendung dieser Dienste ist kostenlos; nur ein verifiziertes Nutzerkonto ist nötig.

Für gute Livestreamings arbeitet man am besten mit mehreren externen Kameras. Dabei kann auch das Smartphone verwendet werden. Dokumentenkameras ermöglichen es, Informationen aufzuschreiben. Wenn Vortragende vom Seminarraum aus streamen, können sie die dort vorhandene Infrastruktur, wie zum Beispiel Whiteboards oder Flipcharts, nutzen und sich dabei filmen. Mithilfe von Streaming Software wie OBS Studio kann der/die VeranstalterIn die verschiedenen Videoquellen kombinieren und den Bildschirm freigeben. Externe oder Ansteck-Mikrofone sorgen für einen guten Ton und erlauben es den Vortragenden, sich vor der Kamera zu bewegen.

Wer nicht mit einer Streaming Software arbeiten möchte, kann auch eine Videokonferenzsoftware nutzen. Mit Zoom oder WebEx lassen sich beispielsweise Online-Meetings und Webinare auf YouTube Live streamen.
 

Beteiligungsmöglichkeiten schaffen

Auch wenn beim Livestreaming der Vortrag im Mittelpunkt steht, ist es wichtig, das Publikum miteinzubinden. Die Teilnehmenden können sich per Textchat auf der Streaming-Plattform melden und Fragen stellen. Die Moderation sollte diesen daher im Auge behalten oder bestimmte Zeitfenster einplanen, in denen sie auf Meldungen aus dem Chat eingeht. Im Idealfall gibt es eine Co-Moderation, die den Chat verfolgt und Fragen an den/die Vortragende(n) weitergibt.
 
Kommt es beim Streaming zu einer größeren Latenz, weicht man besser auf ein externes Tool aus. Möglich ist beispielsweise die Verwendung eines Pads oder eines Online-Whiteboards, auf dem alle Teilnehmenden schreiben können. Wenn es sich um einen Stream für eine kleine Gruppe handelt, kann die Moderation eine Messenger-Gruppe einrichten, über die während des Livestreams kommuniziert wird.

Bei Veranstaltungen mit sehr vielen Teilnehmenden eignet sich das Tool Slido: vor und während des Livestreams können die Teilnehmenden Fragen posten und hochvoten. Mit dem Online-Tool Mentimeter kann die Moderation die Teilnehmenden über Umfragen in den Livestream einbinden. Das Tool Tweedback vereint die Funktionen von Slido und Mentimeter und gibt den Teilnehmenden zusätzlich die Möglichkeit, sich während des Vortrags über vordefinierte Reaktions-Buttons zu melden.
 

Einsatzmöglichkeiten: Wissen an Großgruppen vermitteln

Livestreams eignen sich besonders gut für Formate, bei denen es nicht nötig oder vorgesehen ist, dass die Teilnehmenden ihr Video und Audio einschalten und selbst aktiv sind. Das ist zum Beispiel bei Online-Veranstaltungen mit sehr vielen Teilnehmenden der Fall und wenn die Veranstaltung bloßen Präsentationscharakter hat. Beispiele wären Keynotes auf Online-Tagungen oder Informationsveranstaltungen.
 
In der Lehre sind Livestreams sinnvoll, wenn es um die reine Wissensvermittlung geht. Da ein Livestream aufgezeichnet werden kann, lässt sich die Erstellung eines Erklärvideos mit einem Livestream verbinden. Bereits während der Aufnahme kann die Lehrperson Fragen der Lernenden beantworten. Die Lernenden können das entstandene Video über den gleichen Link abrufen wie den Livestream.
 
Livestreams können ein großes Publikum erreichen, da es im Gegensatz zu Videokonferenztools kein Limit bezüglich der Teilnehmendenzahl gibt. Jede Person, die über den Link zur Streaming-Plattform verfügt, kann die Übertragung mitverfolgen – auch bei nur mittelmäßiger Internetverbindung. Somit gibt es für das Publikum deutlich weniger technische Hürden als bei der Teilnahme an einer Videokonferenz. Livestreams könnten daher für Personen mit einer weniger guten technischen Ausstattung attraktiv sein.
Creative Commons License Dieser Text ist unter CC BY 4.0 International lizenziert.
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