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Bildung als Brückenbauer

10.05.2016, Text: Christina Koblinger, KBW Salzburg, Redaktion: Karin Schräfl, Forum Katholischer Erwachsenenbildung
Mit dem Projekt „Flucht und Asyl“ stellt sich das Katholische Bildungswerk Salzburg einem sensiblen Thema und einer zentralen Herausforderung unserer Zeit. (Serie: Erwachsenenbildung in der Migrationsgesellschaft)
  • Foto: Maren Winter, fotolia.com
    Titelbild der Broschüre "Flucht und Asyl"

Seinem Leitbild entsprechend orientiert sich das Katholische Bildungswerk Salzburg in seiner Bildungsarbeit „an den Freuden und Hoffnungen, der Trauer und den Ängsten der Menschen von heute“ (II. Vatikanisches Konzil,Gaudium et spes 1). Eine zentrale Herausforderung unserer heutigen Zeit, die viele Emotionen und Unsicherheiten weckt, stellt die aktuelle Flüchtlingssituation mit dem großen Zustrom asylsuchender Menschen in unserem Land dar.

 

Projekt „Flucht und Asyl“

 

Als BildungsNahversorger" sieht es das Bildungswerk als seine Aufgabe an, in der Bevölkerung mit unbürokratischen und niederschwelligen Angeboten zu mehr Verständnis für die Situation beizutragen sowie fundierte Hintergrundinformationen zu liefern. Aus dieser Motivation heraus entstand das Projekt „Flucht und Asyl“ mit einem Portfolio aus 20 buchbaren Bildungsangeboten, die sich der Thematik aus verschiedensten Perspektiven annähern.

 

Historische, politische, theologische, soziokulturelle und andere Aspekte werden von den ReferentInnen in ihren Vorträgen und Workshops beleuchtet und gemeinsam mit den Anwesenden diskutiert. 332 Einrichtungen in der Erzdiözese Salzburg – Katholische Bildungswerke, Frauentreffs und Eltern-Kind-Einrichtungen – erhalten durch das Projekt die Möglichkeit, im Zeitraum von November 2015 bis Juni 2016 kostenlos Veranstaltungen zu diesem Thema in ihrem Ort anzubieten. Um möglichst viele Teilnehmende zu erreichen, werden auch Kooperationen mit anderen Organisationen angestrebt.


Die BildungsNahversorger in ganz Salzburg sowie im Tiroler Teil der Erzdiözese setzen mit ihrem Angebot Impulse im unmittelbaren Umfeld und Lebensraum der Menschen, sie bilden Bewusstsein und ermöglichen Entwicklung. Gerade das sensible Thema der Migrations- und Flüchtlingsbewegung – omnipräsent in den Medien, kontroversiell diskutiert und von vielen Seiten instrumentalisiert – verlangt nach einer unaufgeregten Sachlichkeit und Bewusstseinsbildung. Bildungseinrichtungen übernehmen hier eine Vermittlerrolle und laden dazu ein, sich mit Neuem zu befassen und Veränderung zuzulassen.

 

Das Angebot im Detail

 

Für die rund 1.400 ehrenamtlich tätigen MitarbeiterInnen wurden zu Beginn des Projektes eigene Fortbildungen angeboten, die ihnen durch fundierte Basis- und Hintergrundinformationen sowie Beispiele der praktischen Flüchtlingshilfe das Rüstzeug für ihre Bildungsarbeit vor Ort an die Hand geben sollten.

 

An zwei Abenden im Treffpunkt Bildung referierten Dietmar Winkler, Leiter des Zentrums zur Erforschung des Christlichen Ostens, und zwei seiner KollegInnen sowie Caritas-Salzburg-Direktor Johannes Dines über die aktuelle Lage in Österreich, die Hintergründe der Fluchtbewegungen im Nahen Osten und die vielfältigen Aspekte und Fragen der Integration. Bei einer Kooperationsveranstaltung in St. Johann im Pongau wurden den über 300 Interessierten verschiedene Modelle von Flüchtlingsquartieren und -betreuungsformen im Land Salzburg präsentiert. Bei der Podiumsdiskussion waren führende Verantwortliche für Asylangelegenheiten des Landes Salzburg, AMS Salzburg, Roten Kreuzes, der Caritas und Ehrenamtlichen-Initiativen vertreten. Es bot sich die Gelegenheit, Erfahrungen auszutauschen und eine Kommunikations- und Vernetzungsstruktur aufzubauen.

 

Die 20 Bildungsangebote der Broschüre befassen sich unter anderem mit Fluchtbewegungen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg, dem notwendigen Dialog zwischen ChristInnen und MuslimInnen, Kulturvermittlung durch Spracherwerb und der EU als Friedensprojekt. BürgermeisterInnen von Gemeinden mit Flüchtlingsquartieren, VertreterInnen von Flüchtlingsinitiativen und in der Flüchtlingsbetreuung tätige Personen steuern konkrete Beispiele und Erfahrungsberichte aus der täglichen Begegnung mit Asylwerbenden bei.

 

Besonders häufig wurde im bisherigen Verlauf des Projektes das Angebot des Syrien-Experten und Leiters der Caritas-Auslandshilfe Stefan Maier in Anspruch genommen, der eindrucksvoll von seinen Erfahrungen im Krisenland berichtet und die dramatische Situation der Bevölkerung schildert.

 

Gelebte Integration in Eltern-Kind-Gruppen

 

Sehr konkret und nahe am Menschen ist auch die tägliche Arbeit in Eltern-Kind-Gruppen. Viele Einrichtungen haben AsylwerberInnen in ihren Gemeinden und bieten mit ihrem Angebot den Familien die Möglichkeit, an der Gemeinschaft im Ort teilzuhaben, erste Sprachkenntnisse zu erwerben und die heimischen Bräuche kennenzulernen.

 

Ein Beispiel aus Saalfelden zeigt, wie das gegenseitige Bemühen um Integration besonders auf zwischenmenschlicher Basis Früchte trägt. Sabine Schäffer, Leiterin des dortigen Eltern-Kind-Zentrums, berichtet von einer besonders berührenden Erfahrung: „Ich habe allen Eltern aus meiner Gruppe eine Woche vor dem Laternenfest Liedkopien von den Laternenliedern mitgegeben, auch meiner syrischen Mutter, weil ich nicht wollte, dass sie sich ausgeschlossen fühlt. Die Woche darauf ist sie eine halbe Stunde vor Beginn des Laternenfestes zu mir gekommen und hat mir das Laternenlied in Deutsch vorgesungen. Sie hat sich das Lied von ihrer Asylbetreuerin so oft vorsingen lassen, bis sie die Melodie konnte und dann hat sie den deutschen Text in arabischer Lautsprache daruntergeschrieben, damit es richtig klingt. Ich war perplex! Das hat auch die restlichen Mütter meiner Gruppe schwer beeindruckt.“

 

Bildung und Gesellschaft

 

Bildung schärft den objektiven Blick auf die gegenwärtige Situation. Sie hilft zu verstehen, Ängste zu rationalisieren und Vorurteile abzubauen. Sie fördert den Dialog und die Deeskalation und lenkt – nicht zuletzt – Energien auf lösungsorientierte Ansätze. Davon zeigt sich das Katholische Bildungswerk Salzburg überzeugt und nimmt auch in Zeiten einer hochemotional diskutierten und fordernden Flüchtlingskrise seinen gesellschaftspolitischen Bildungsauftrag – im Sinne seines Leitbildes – wahr.

 

Serie: Erwachsenenbildung in der Migrationsgesellschaft
Integrationskurse und Spracherwerb mögen ein Anfang sein. Doch wenn es um den sozialen Wandel geht, der mit Zuwanderung verbunden ist, sind die Menschen mit Migrationserfahrung nur eine der Zielgruppen von Erwachsenenbildung. Die Anforderungen der Migrationsgesellschaft betreffen uns alle. Fragen nach Teilhabe, Verständigung und Zusammenleben stellen sich immer wieder neu. Wie Erwachsenenbildung diese Anforderungen beschreibt, reflektiert und deutet, und welche Angebote für Lernen und Bildung sie ihnen entgegen bringt, ist Gegenstand einer Serie von Artikeln auf erwachsenenbildung.at. Alle Beiträge in der Serie finden Sie hier.

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