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Basisbildung in der Lehrlingsausbildung – eine "Aufgabe für Profis"

08.04.2016, Text: Birgit Aschemann, Online-Redaktion
PIAAC hat gezeigt, dass die Lesekompetenz bei AbsolventInnen mancher Lehrberufe bedenklich gering ist. Österreichische und internationale Studien zeigen wie es besser geht.
  • Bild: CC0 Public Domain rsfparis/pixabay.com (Ausschnitt)
    Grundkompetenzen in der Lehre - ein Job für qualifizierte BasisbildnerInne
Die Ergebnisse von PIAAC für Österreich haben gezeigt, dass die Lesekompetenz bei AbsolventInnen mancher Lehrberufe bedenklich gering ist. Nach einem Lehrabschluss in Handwerksberufen, Dienstleistungsberufen und im Handel liegen die durchschnittlichen Lesekompetenzen oft noch auf dem Level des Pflichtschulabschlusses. Österreichische und internationale Studien zeigen, wie es besser geht.

Grundkompetenzen in der Lehrausbildung in Österreich

Das Arbeitsmarktservice Österreich beauftragte 2015 eine Studie zu den Fragen, inwiefern Grundkompetenzen in österreichischen Lehrausbildungen überhaupt vorgesehen sind, wie sie vermittelt werden und wie ExpertInnen deren Bedeutung und Ausprägung einschätzen.

Grundkompetenzen wurden dabei ähnlich wie in PIAAC definiert, nämlich als Lese-und Schreibkompetenz, Alltagsmathematik, digitale Kompetenz und grundlegende Ausdrucksfähigkeit, in diesem Fall vor allem auf Deutsch.

Das alles steht auch als Kompetenzfeld in den meisten Lehrplänen - und zwar bei Rechnen und digitaler Kompetenz mit berufsspezifischen Ausprägungen und Anwendungsformen. Bei Deutsch und Kommunikation wird jedoch vielfach auf den gleichen allgemeinen Text verwiesen, hier ist weniger berufsspezifischer Unterricht geplant.

Die Lernenden: heterogener als in anderen Schulen

Fachleute in Interviews meinten: BerufsschülerInnen sind so heterogen wie kaum eine andere Lernendengruppe in Österreich. Sie kommen von der Matura oder als RepetentInnen von der Hauptschule, mit vielen Abstufungen dazwischen.

Tendenziell werden ihre Fähigkeiten in Lesen und Rechnen mit den Jahrgängen schlechter, während ihre digitalen Einstiegskompetenzen zunehmen. In den Berufen mit hoher Nachfrage und wenig Selektion sei das Kompetenzniveau besonders niedrig, wie etwa im Tourismus.

Zeit ist wichtig, aber nicht genug

Die Autorinnen der Studie leiten eine Reihe von Empfehlungen ab. Zum Beispiel schlagen sie eine Modularisierung der Berufsschulausbildung (mit wiederholbaren Grundmodulen) vor.

Vor allem aber wird Zeit als zentrale Ressource erkannt: Mehr Zeit in der Berufsschulausbildung und mehr Zeit im Betrieb sei für die Beschäftigung mit Grundkompetenzen nötig. Es leuchtet unmittelbar ein, dass es sich dabei um eine notwendige, aber nicht um eine hinreichende Voraussetzung handelt.

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Eine Empfehlung richtet sich an die Berufsschullehrenden, die sich intensiver mit den Grundkompetenzen beschäftigen sollten. Dem widersprechen jedoch teilweise die Ergebnisse aus der internationalen Forschung.

Natürlich hat die Einbettung von Basisbildungselementen in die Berufsausbildungen großes Potenzial – so eine Studie des Schwedischen Wissenschafters Robert Höghielm. Andererseits zeigte eine breite Erhebung in England auf der Grundlage von 79 Berufsausbildungen Folgendes: es kommt wesentlich darauf an, wer den Unterricht durchführt. Lernergebnisse in den Basiskompetenzen fallen deutlich höher aus, wenn spezifisch ausgebildete BasisbildnerInnen diese Arbeit übernehmen. Die AutorInnen bringen es auf den Punkt: „You wouldn‘t expect a maths teacher to teach plastering...“.

Hier zeichnen sich große Potenziale für eine nützliche Zusammenarbeit speziell ausgebildeter BasisbildnerInnen mit den beruflichen Ausbildungsprogrammen (VET) und Berufsschulen ab.