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MOOCs auf ihrem Weg von den Universitäten in die Erwachsenenbildung

30.03.2016, Text: Birgit Aschemann, Online-Redaktion
MOOCs punkten durch Effizienz und größere Chancen der Teilhabe. Die Erwachsenenbildung hat diese Vorteile erkannt und will sie nun nutzen.
  • Bild: CC BY 2.0 S F B Ryan | flickr.com
    MOOCs - größere Teilhabechancen und mehr Effizienz
MOOCs – also Online-Kurse für viele TeilnehmerInnen – beenden im Hochschulbereich ihr Exotendasein und gehen in den Alltag über. Ihre Stärken liegen in mehr Effizienz und größeren Teilhabechancen. Die Erwachsenenbildung setzt nun an, diese Vorteile auch zu nutzen.


MOOCs und mehr: die Chance auf Effizienz und Teilhabe


MOOCs beginnen durch die Möglichkeit massenhafter Kursteilnahmen die Hochschullehre zu verändern. Auf einem MOOC-Konferenztag im September 2015 in Berlin war in diesem Kontext sogar von einem „Tsunami“ die Rede. Universitäten können mit MOOCs nicht nur ihre Effizienz steigern, sondern bieten auch neuen Studierendengruppen die Chance auf Teilhabe: so haben Fachhochschulen, die viel in digitale Lernangebote investieren, einen hohen und weiter wachsenden Anteil von berufstätigen Online-Studierenden. Tendenziell sind MOOCs dabei, an den Hochschulen vom Hype in den Mainstream überzugehen. Eine Phase der Konsolidierung hat also eingesetzt.


EMOOCs 2016: der Europäische „MOOCs-Stakeholder-Gipfel“ in Graz

Eine neue Vertiefung erfuhr die Diskussion um die massiven Onlinekurse auf der EMOOCs 2016, einer internationalen ExpertInnen-Konferenz, die vergangenen Februar in Graz/Österreich stattgefunden hat. Mehr als 150 TeilnehmerInnen kamen aus Irland, Holland, Spanien, Schottland, aber auch aus Japan, Jordanien, Chile, Guatemala und den USA, um aus der Perspektive von Wissenschaft, Praxis und Wirtschaft über MOOCs zu diskutieren. Die Themen reichten von unterschiedlichen Designs und Gestaltungsfragen über Geschäftsmodelle bis hin zu Validierungsformen und speziellen Anwendungsfällen. Möglichkeiten zur stärkeren Einbindung und Aktivierung der Lernenden bildeten einen Schwerpunkt.


MOOCs können auch Konferenzen verändern


Eine Besonderheit der EMOOCs 2016 bildete der Pre-Conference-MOOC, der im Vorfeld der Tagung angeboten wurde. In diesem Onlinekurs wurden wichtige Beiträge der Konferenz bereits im Vorfeld präsentiert. In der Folge konnte ein Teil der Tagung selbst im „flipped-conference-Modus“ abgehalten werden: Vorträge wurde eingespart und die gewonnene Zeit für Diskussionen verwendet. Wenn man ein ExpertInnentreffen auf diese Weise von der reinen Informationsweitergabe entlastet, bleibt mehr Zeit für Kooperation und Austausch. Martin Ebner, einer der leitenden Betreiber der Konferenz, berichtet: „Wir dachten das könnte praktisch sein - und dabei hat sich tatsächlich gezeigt: ein MOOC ist auch als Konferenzvorbereitungstool ein neuer Weg um den Diskurs zu steigern.“


Graz als österreichische MOOC-Hauptstadt

Die Tagung EMOOCs 2016 wurde von der Universität Graz und der Technischen Universität Graz gemeinsam organisiert – zwei Universitäten, die mit der Plattform iMooX schon seit Jahren auf sich aufmerksam machen. iMooX ist die erste und bislang auch die einzige MOOC-Plattform in Österreich und steht unter der Schirmherrschaft der UNESCO, denn: hier sind die Lernangebote nicht nur kostenlos, sondern auch unter Creative-Commons-Lizenzen frei wiederverwendbar. Es handelt sich also um eine Art Gegenmodell zu den großen kommerziellen Anbietern, wie sie aus den USA bekannt sind, und um ein echtes „Öffnen der Bildung“ im Sinne der Europäischen Kommission.


MOOCs für Öffnung und neue Verbindungen

Das Format der MOOCs wurde zwar ursprünglich für die Hochschullehre selbst eingesetzt, wird jedoch zunehmend auch für die Öffnung der Hochschulen verwendet. In den USA werden MOOCs längst als Medium diskutiert, das Arbeitsplätze, Universitäten und Weiterbildungseinrichtungen mit anderen Orten des Lebenslangens Lernens verbindet. Viele Onlinekurse können nicht nur von inskribierten Studierenden besucht werden, sondern sind offen für alle. Man besucht sie im Kontext der eigenen Arbeit oder aus privaten Interessen. Es kommt damit zu einer Verbindung von Lernsphären, Lernorten und Lernanlässen, zwischen Orten des formalen, non-formalen und informellen Lernens.


Perspektiven für die Erwachsenenbildung

Höhere Effizienz, verbesserte Teilhabe, und Verbindungen mit weiteren Lernsphären sind durchwegs auch aktuelle Anliegen in der Erwachsenenbildung. MOOCs haben hier viel zu bieten, und neuere Entwicklungen zeigen, dass die Erwachsenenbildung das Potenzial nutzen wird.

In Österreich hat unlängst ein Beispiel Furore gemacht, als der MOOC „Gratis Online Lernen 2014” mit dem österreichischen Staatspreis für Erwachsenenbildung 2015 in der Kategorie „Digital Literacy” ausgezeichnet wurde: dieser Kurs wandte sich erfolgreich an Lernende mit geringen Vorkenntnissen und brachte ihnen das Lernen im Netz näher. Im April wird dieser Kurs bereits zum dritten Mal gestartet.

In England gibt es bereits erfolgreiche Basisbildungsangebote zum Beispiel in Alltagsmathematik, die als unterstützende MOOCs abgehalten werden.

Es ist naheliegend, MOOCs auch für die Weiterbildung von ErwachsenenbildnerInnen zu nutzen – eine Berufsgruppe, die aufgrund ihrer Beschäftigungsbedingungen von flexiblen Weiterbildungsangeboten oft besonders profitiert. So hat das Nordische Netzwerk für die Erwachsenenbildung NVL 2015 eine Machbarkeitsstudie für MOOCs als Weiterbildungsformat für BasisbildnerInnen veröffentlicht – mit positiven Ergebnissen.

In Österreich beginnt nun die Vorbereitung für einen ersten MOOC für ErwachsenenbildnerInnen, der Anfang 2017 von erwachsenenbildung.at angeboten wird: er soll Unterrichtende, BeraterInnen und BildungsmanagerInnen in der Arbeit mit digitalen Werkzeugen unterstützen.