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Guidance Crossing Borders - ein Rückblick

01.07.2015, Text: Karin Hirschmüller, Euroguidance , Redaktion: Magdalena Tauber, Initiative Bildungsberatung - ÖSB Studien & Beratung
Rückblick auf das Europäische Cross-Border-Seminar der Bildungs- und Berufsberatung am 9. und 10. Juni 2015 in Retz/NÖ
  • © APA, Ludwig Schedl
    Tibor Bors Borbely-Pecze
  • © APA, Ludwig Schedl
    WS „Image in career coaching and vocational guidance“
Mit zunehmendem europäischem Zusammenwachsen agiert auch das Feld der Bildungsberatung grenzüberschreitender. Das zehnte Euroguidance Cross Border Seminar, 9.-10. Juni in Retz/NÖ, stand unter dem Motto „Guidance Crossing Borders“ und widmete sich den vielfältigen Arten, wie Bildungs- und Berufsberatung in Europa unterschiedlichste traditionelle Grenzen überquert.

 

Aus Anlass des Jubiläums wurde es unter Leitung des österreichischen Euroguidance Zentrums und in enger Zusammenarbeit mit den beiden weiteren Gründerländern Tschechien und Slowakei organisiert. Key Notes und Workshops aus 11 Ländern (AT, CZ, DE, HR, HU, PL, RO, SE, SL, SK) gaben einen Einblick in aktuelle Herangehensweisen und Methoden der beteiligten Länder. 81 Berater/innen aus 14 europäischen Ländern nahmen teil. Im Rahmen eines Field Trips nach Brno am 8. Juni lernten die Teilnehmenden tschechische Kooperationen zwischen Unternehmen und universitären Career Centres kennen.

 

Zwei Key Note Speaker aus Schweden und Ungarn warfen zum Auftakt des Seminars am 9. Juni in Retz einen Blick auf die Chancen und Herausforderungen, die sich aus der Überschreitung von Grenzen für die Bildungsberatung ergeben.

 

Hidden Competences

 

Arbeitgeber/innen erkennen üblicherweise nur einen kleinen Teil der Kompetenzen, die durch Arbeiten und Lernen im Ausland erworben werden. Nina Ahlroos (Euroguidance Schweden) lenkte in ihrem Vortrag den Blick auf die darüber hinausgehenden, sogenannten „hidden competences“.

 

Laut einer Studie des finnischen Zentrums für internationale Mobilität (Centre for Internatioal Mobility, CIMO) erkennen Arbeitgeber/innen bei Bewerber/innen mit Auslandserfahrung traditionellerweise lediglich die verbesserten Sprachkenntnisse, sowie ein Mehr an interkulturellen Erfahrungen und die gestärkte Fähigkeit, mit unterschiedlichsten Menschen und in unterschiedlichsten Settings zu arbeiten.


Dass die Bewerber/innen aber in dieser Zeit noch weitere Kompetenzen stärken, die gerade für die Arbeitswelt der Zukunft wesentlich sind, übersehen sie oft. Allen voran ist hier die Neugierde zu nennen: In Zeiten raschen ökonomischen Wandels erweist sie sich als wesentlich für das Aufspüren von zukünftigen Entwicklungen und kann Unternehmen damit wesentliche Wettbewerbsvorteile bringen. Ebenfalls relevant ist die Produktivität im Sinne einer deutlich gesteigerten Problemlösungsfähigkeit, die Bewerber/innen nach einem Aufenthalt im Ausland mitbringen. Diese Personen erweisen sich auch als sehr resilient im Arbeitszusammenhang, indem sie ihre eigenen Fähigkeiten aber auch ihre Grenzen besser einschätzen können und mit Durchhaltevermögen ihre Ziele verfolgen.


Nina Ahlroos wies darauf hin, dass Bildungsberater/innen mit diesem erweiterten Verständnis des Nutzens von Auslandsaufenthalten ihre Klient/innen nun noch besser darin unterstützen können, ihre Fähigkeiten im Bewerbungsprozess sichtbar zu machen.

 

Konzepte von "Karriere"

 

Die zweite Key Note Speech des Seminars stellte europäische Mobilitätsaktivitäten und Karriereverläufe in einen historischen Zusammenhang. Der ungarische Guidance-Experte Tibor Bors Borbely-Pecze, Senior Consultant des ELGPN (European Lifelong Guidance Policy Network), beleuchtete die unterschiedlichen Kontexte, in denen berufliche Laufbahnen auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs verliefen. So wurden im sozialistischen System den Individuen ihre Bildungswege und beruflichen Tätigkeiten überwiegend zugeteilt. Berufliche Wahlmöglichkeiten waren aufs Äußerste eingeschränkt, der Raum für eigene Karriereentscheidungen damit  sehr eng.

 

Im Postfordismus der letzten Jahrzehnte vollzog sich auch in den osteuropäischen Staaten eine Entwicklung wie im gesamten mitteleuropäischen Raum: Arbeitnehmer/innen wurden zunehmend zu Entrepreneurs mit stark individualisierten Qualifikationsprofilen und internalisierten Kontrollmechanismen bis hin zur Selbst-Ausbeutung. Zugleich sehen sie sich mit einer unsichereren sozialen Absicherung konfrontiert.

 

Tibor Bors Borbely-Pecze stellte weitere Konzepte rund um Karriere vor: etwa das proteische Karrieremodell (nach Douglas Hall), das Karriere als einen Prozess beschreibt, der von der Person, nicht vom Unternehmen gemanagt wird. Die Suche nach Selbstentfaltung ist die treibende Kraft für das Individuum, die Kriterien für den Erfolg liegen im Individuum selbst verankert, nicht im Außen.


Das Modell der Career Adaptability (nach Mark Savickas) wiederum fokussiert auf die Ressourcen von Individuen, mit aktuellen und erwarteten beruflichen Veränderungen, Übergängen und Herausforderungen umzugehen. Als wesentlich erweist sich die Fähigkeit, proaktiv die eigene Entwicklung voranzutreiben und geeignete Lebensentscheidungen zu treffen. Hohe berufliche Anpassungsfähigkeit bedingt auch, sich laufend mit der eigenen Zukunft zu beschäftigen und sich bietende Möglichkeiten zu erkennen.

 

Angesichts dieser steigenden Anforderungen an das Individuum im Arbeitsprozess und der gleichzeitig wachsenden Flexibilität steigen auch die Herausforderungen an die Bildungs- und Berufsberatung, die ihre Klient/innen beim Vorbereiten und Treffen passender Laufbahnentscheidungen unterstützt. 

 

Interaktive Workshops

 

Nach diesen beiden Key Note Vorträgen besuchten die Teilnehmer/innen des Euroguidance Cross Border Seminars Workshops aus 10 europäischen Ländern. Zwei Workshops aus Österreich stellten die Kooperation von Einrichtungen der Bildungsberatung in den Mittelpunkt.

 

"Do it like the spider: How network building can improve the access to Lifelong Guidance“ (Kathrin Weinelt und Ingeborg Wilfinger von Bildungsinformation Burgenland und Katrin Reiter vom Netzwerk Bildungsberatung Salzburg) regte in vier interaktiven Arbeitsstationen zur Diskussion über die Praxis des Netzwerkens an.

 

Der Workshop "Online Guidance - Chances and Limits of a Nationwide Collaboration and the Method Itself" geleitet von Barbara Oberwasserlechner und Barbara Glattauer (beide Bildungsberatung in Wien) stellte konkrete Methoden dieser Beratungsform vor und erläuterte die Vorteile der institutionsübergreifenden Zusammenarbeit dabei.

 

Der Workshop „Image in career coaching and vocational guidance“ führte mit visuell-orientierten Coaching Methoden durch den Beratungsprozess zu Selbstreflexion und Zielfindung (Leitung: Dorota Raniszewska, Business Trainer und Coach, Polen). Weitere Workshopthemen waren: „Guidance for a Happy Life“ (Ionana Panc, Titu Maiorescu Universität, Rumänien), Applying psychological counselling in student career guidance  Ivana Mrgan, Guidance counsellor, Kroatien), „Guide my W@y! (Florian Kreutzer, HdBA, Deutschland), „Braveness vs performance? Overcoming the learned helplessness“ (Krisztina Molnar, TANDEM, Slowakei).